Review

DER KLEINE DICKE GIBT ZUNDER

Wenn man mir eine recht seltene 70er-Jahre-Kung Fu-Komödie in die Hand drückt, werde ich direkt einmal ziemlich neugierig. Wenn der Hauptdarsteller dann auch noch Samo Hung heißt und der Titel eine Zugehörigkeit zu seinem Kultklassiker DER KLEINE DICKE MIT DEM SUPERSCHLAG (1978) assoziiert, wandert das Tape natürlich umgehend in meinen Player. Bleibt nur die Frage, warum ich DER KLEINE DICKE GIBT ZUNDER (1978) bei meinen Entdeckungsreisen durch das Easterngenre bislang immer achtlos links habe liegengelassen. Es muss wohl so eine Art böse Vorahnung gewesen sein…

Schon die ersten Minuten dieses taiwanesischen Billigprodukts gestalten sich unzugänglich und zerfahren: Ein Junge zieht mit einer Urne durchs Land und sucht nach dem geeigneten Ort, um die Asche seines verstorbenen Vaters beizusetzen. Zeitsprung: Ein von Carter Wong dargestellter Kämpfer macht seine Kung Fu-Übungen, als plötzlich ein Bruderpärchen auftaucht und zum fairen Duell fordert. Ein Bruder beißt ins Gras und der andere kehrt des Nachts zurück, um bei dem Versuch, Rache zu nehmen, ebenfalls ins Gras zu beißen. Dieser Auftakt ist für den weiteren Verlauf des Films völlig überflüssig, soll aber wohl zeigen, dass Carter Wong Kung Fu beherrscht und zudem einen ziemlich fiesen Tyrannen abgibt.

Auch die Tatsache, dass „Rettichkopf“ (Samo Hung) diesen Duellen beiwohnt, ist völlig belanglos und wirft lediglich Fragen zum Verhältnis der beiden Hauptdarsteller zueinander auf. Konkurrenten? Meister und Schüler? Einfach nur Freunde? Völlig egal! Nach einem weiteren wilden Sprung sitzt Rettichkopf auf der Weide und hütet sein Vieh, während sich der Tyrann von seinem schielenden Berater (Dean Shek) eine alte Legende erzählen lässt: Wer seinen toten Vater auf dem heiligen Berg bestattet, wird eines Tages Kaiser von China werden. Dumm nur, dass Rettichkopf der Junge war, der einst seinen toten Vater auf dem heiligen Berg bestattete und deshalb für das Kaiseramt vorbestimmt ist.

Die Entscheidung ist gefallen: Rettichkopf muss sterben! Dieser ist mittlerweile bei den Shaolinmönchen gelandet, zankt sich eher unfreiwillig mit den anderen Schülern herum und zertrümmert zwecks Trainings Tonkrüge mit seinem Schädel. Völlig zusammenhanglos wird von einigen Würfelspielern die Buddhastatue aus dem Kloster gestohlen und als dann auch noch der Abt ermordet wird, ist dieses Zeit schindende Kapitel ebenfalls überstanden. Von nun an zieht Rettichkopf durchs Land, verbündet sich mit einem Tölpel sowie zwei Kämpferinnen und am Ende werden der Tyrann, sein Berater und seine Armee in einem Wald- und Wiesenkampf mit Kung Fu und einer Viehherde zur Strecke gebracht. Nun kann Rettichkopf sein vorbestimmtes Amt als erster Kaiser der Ming-Dynastie antreten.

DER KLEINE DICKE GIBT ZUNDER ist ein Blindgänger, welcher in Samo Hungs Karriere wohl seinesgleichen suchen dürfte: Der Film wirkt konfus, plätschert unspannend vor sich hin und ist trotz einer geringen Laufzeit von nicht einmal 80 Minuten kaum an einem Stück konsumierbar. Die recht häufig auftretenden Kung Fu-Kämpfe sind nicht der Rede wert und ohne jedes Highlight inszeniert, wurden dafür aber mit zahlreichen klamaukigen „Boing“- und „Zisch“-Geräuschen verunstaltet. Es zündet nicht ein einziger Gag und selbst die deutsche Synchro bringt nicht einen einzigen Brüller zustande. Der sonst so sympathische Samo Hung wird zur fetten, grunzenden Witzfigur mit Läusen und Haarausfall degradiert, wobei sein Spitzname „Rettichkopf“ bis zum Erbrechen hin überstrapaziert, sein Talent in den Bereichen Regie oder Choreographie hingegen gnadenlos übergangen wird.

Es ist selten, dass ich bei dieser Art von Film auf eine derart niedrige Wertung zurückgreife, doch selbst die schickste Buchbox mit handgezeichnetem Retrocover könnte mich nicht dazu bewegen, mir diesen Rohrkrepierer noch ein weiteres Mal anzuschauen, geschweige denn, ihn in meine langsam überquellende Sammlung aufzunehmen. Ein mehr als ernüchterndes Fazit für eine zu Recht vergessene Kung Fu-Komödie mit dem „fetten Drachen“…

3/10 Punkten, diBu!

Details
Ähnliche Filme