Review

"Hard Candy" ist ein Film über dessen Story man im Vorfeld nicht all zuviel wissen sollte. Aber dennoch komm ich nicht drum herum einige Sachen zu spoilern. Also weiterlesen auf eigene Gefahr ;)

Die 14jährige Haley lernt übers Internet den 16 Jahre älteren Fotografen Jeff kennen. Nach ihrem ersten Treffen in einem kleinen Coffeeshop gehen die beiden zu Jeff nach Hause. Nachdem Jeff Haley seine Wohnung gezeigt hat, mixt das Mädchen ein paar Drinks. Doch was Jeff nicht weiß: Sein Drink ist versetzt mit Drogen. Er wird Ohnmächtig und als er wieder zukommt findet er sich gefesselt auf einem Stuhl wieder. Haley fängt an ein perfides Spiel mit ihm zu treiben.

Wenn man sich die Grundstory des Filmes durchliest, schießt dem geneigten Filmfreund gleich ein Film durch den Kopf: Takashi Miikes "Audition". Aber "Hard Candy" ist kein Ami-Remake, sondern ein eigentständiger Film. David Slade liefert mit seinem edel gefilmten Regiedebüt ein wirklich toll gespieltes Kammerspiel ab. Das Katz- und Mausspiel seiner Protagonisten ist unglaublich spannend umgesetzt und der Film strahlt eine ungemein intensive Atmosphäre aus.

"Hard Candy" ist aber alles andere als leichte Kost. Denn mit Pädophilie und Selbstjustiz hat sich der Regiedebütant zwei wirklich heikle Themen ausgesucht. Denn Jeff wird nicht ohne Grund von Haley festgehalten: Sie unterstellt ihm pädophile Neigungen und das er eine Freundin von ihr umgebracht haben soll. Um Jeff zu einem Geständnis zu bringen fängt sie ihn an brutal zu foltern und diese Szenen treffen einem direkt in die Magengrube.

Aber anders als beispielsweise "Hostel" werden die Szenen nicht explizit im Bild gezeigt, nein, die Szenen passieren alle im off. Hinterlassen dabei aber ein viel beunruhigenderes Gefühl als Eli Roths Folterfilmchen. Bei der angedeuteten Kastration von Jeff erreicht die Spannung dann fast ihren Höhepunkt und die Szenen lassen einen kaum zu atmen. Vor allen weil man erst nicht weiß ob Haley den Eingriff macht oder ob Jeff es gelingt sie von ihrem Vorhaben abzubringen.

Mit dem größten Anteil am gelingen des Filmes haben die beiden Hauptakteure Ellen Page und Patrick Wilson. Die beiden harmonieren perfekt miteinander und man nimmt ihnen ihre Rollen in jedem Moment ab. Auf der einen Seite Nachwuchsschauspielerin Ellen Page als Racheengel Haley und auf der anderen Seite Patrick Wilson mit dem man schon fast mitleid bekommt als malträtiertes Opfer. Denke vor allen von Ellen Page wird man in Zukunft noch einiges hören. Zumal sie zur Zeit als Shadowcat in "X-Men: Der letzte Wiederstand" einem größeren Publikum vorgestellt wird.

"Hard Candy" ist ein Film der einen nicht mehr so leicht loslässt. So sollte Kino sein. Ein kleines Juwel und nichts für schwache Nerven. Absolut Sehenswert! 9,5/10 Punkten

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