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Was tönte Produzent und Stunt-Guru Hermann Joha beim Kinostart von "Der Clown - Payday" großspurig rum: "In "Terminator 3" gibt es keinen einzigen Stunt, den wir nicht auch hätten machen können oder sogar besser gemacht haben!" Das mag ja auch sein. Allerdings hat der gute Herr Joha vergessen, dass groß angelegte Stunts und Actionszenen noch lange keinen Film machen. Nachdem der von ihm ebenfalls produzierte Pseudo-TV-Blockbuster "Hai-Alarm auf Mallorca" mächtig baden ging und auch von der Inszenierung her nicht alle Erwartungen befriedigen konnte, verzeichneten Kritiker mit dem Kinofilm zur erfolgreichen RTL-Serie "Der Clown" den baldigen Untergang des Stunt-Meisters. So wurde der Film natürlich auch in sämtlichen Kritiken zerrissen wo es nur ging. Besagte Kritiken reichten von "Erbärmliche Kopie von US-Blockbustern" bishin zu "Niedergang des deutschen Kino-Niveaus". Und hier MUSS ich mal für den armen Herr Joha und seiner Produktion "Der Clown - Payday" eine Lanze brechen. Was zur Hölle erwarten diese ganzen überbezahlten Kritiker? Zwar loben die deutsche Streifen wie "Der Untergang" in den höchsten Tönen, machen aber die ersten wirklich brauchbaren Action-Gehversuche Deutschlands dermaßen nieder. Dabei war "Der Untergang" aus meiner Sicht ein echtes Schnarch-Filmchen, der nur so hochgepuscht wurde, damit man sich im Ausland wieder blicken lassen kann, was ja auch bezüglich Oscar-Nominierung klappte. Mag "Der Clown - Payday" keineswegs tiefgründige Filmkost sein (will er auch garnicht sein), so erfüllt er jedoch vollkommen den Grund seiner Existenz: Actionhaltige Unterhaltung made in Germany! Vergessen wir mal diese ganzen Pseudo-TV-Blockbuster a'la "Tsunami", "Hai-Alarm auf Mallorca" und "Held der Gladiatoren", denn die Kino-Version der RTL-Serie spielt in einer völlig anderen Liga, auch wenn's nicht an hochkarätige Kollegen aus dem Ami-Land heranreicht.

Vier Jahre nachdem er das letzte Mal in einer Clownsmaske böse Buben gejagt hat, wird Max Zander (Sven Martinek) von seinem Kumpel Dobbs (Thomas Anzenhofer) um Hilfe gebeten: Der Top-Gangster Zorbek (Götz Otto) will das hoch gesicherte Bundesschatzamt ausrauben, das deutsche Fort Knox. Gemeinsam mit Dobbs und der Journalistin Leah (Eva Habermann) stellt sich Zander der Verbrechertruppe um die kaltblütige Killerin Mona (Xenia Seeberg) entgegen. Und mit Zorbk hat der Clown noch eine ganz persönliche Rechnung offen, da er einst seine Freundin und Leahs Schwester Claudia (Diana Frank) ermordete...

Schauspielerich kann man in "Der Clown - Payday" zwar keine preisverdächtigen Leistungen erwarten, doch für einen Film dieser Art genügen die hier gebotenen Darbietungen auf jeden Fall. Dabei bleibt Sven Martinek (Adrenalin) als Titelheld ein wenig blass und nur Stereotyp einer Actionfigur. Seine Co-Darsteller Eva Habermann (Wilde Engel) und Thomas Anzenhofer (In einer Nacht wie dieser) können hingegen mit gelassenen und der Selbstironie offenen Darstellugen punkten. Götz Otto (Beowulf) geht als Gangster-Obermotz auch in Ordnung, und Martineks Frau Xenia Seeberg (Die Großstadt-Sheriffs) macht als Killer-Bitch und Angelina Jolie-Raubkopie eine passable Performance, auch wenn sie der nachgeieferten Hollywood-Schönheit bei weitem nicht das Wasser reichen kann. Immerhin nehmen alle Schauspieler ihre Rollen nicht allzu ernst, weshalb auch keiner von ihnen wirklich nervt.

Der Schwerpunkt von "Der Clown - Payday" liegt ganz klar im Actionbereich. Diesbezüglich braucht man sich hinter amerikanischen Produkten der Marke "Mr. & Mrs. Smith" und "xXx²: The Next Level" nicht zu verstecken. Im Opener überfallen Zorbek und Mona mit Eishockymasken maskiert (hier hat man sich wohl von "Heat" inspirieren lassen) einen Wertpapiertransporter, kidnappen Leah und zerschrotten darauf gleich eine ganze Horde von verfolgenden Polizei-Fahrzeugen mittels Granaten. Stets im Bild ist dabei das RTL-Logo, sei es nun auf einem Auto oder auf einem Hubschrauber. Glücklicherweise endet diese Produkt-Platzierung dann auch mit der Eröffnungs-Sequenz. Also schon gleich zu Beginn ziemlich viel los und die hier gebotene Action ist ein Fest für die Augen eines jeden Action-Fanatikers, auch wenn sie nicht lange anhält. Weiter geht es mit einer Konfrontation im Einkaufszentrum, wo Max in den vergangenen vier Jahren sein täglich Brot verdiente, um nebenbei den dort verstecken Plan Zorbeks im Auge zu behalten. Actionmäßig passiert hier bis auf eine Motorrad-Szene und MP-Geballere seitens der Schurken nicht allzu viel, doch kann man sich mit dem Gebotenen durchaus zufrieden geben. Natürlich lassen sich wie auch im restlichen Film auch hier Anschlussfehler nicht vermeiden. Zum Beispiel fragt man sich, wo das Motorrad abgeblieben ist, nachdem Max auf den Heli abgesprungen ist. Die anschließende Sprengung des Staudamms ist ebenfalls gut gemacht worden und riecht keineswegs schon auf 100 Kilometern nach CGI. Im Finale kloppen sich Max und Zorbek dann noch rasch gegenseitig auf die Fresse, ehe der Ober-Schurke mit derselbigen auf dem Asphalt aufschlägt. Killer-Witwe Mona versucht zwar noch per Flugzeug samt Goldbarren zu türmen, wird aber in einer hervorragend inszinierten Explosion des besagten Flugzeuges flambiert. Selbstverständlich darf in solch einem Film auch der Gebrauch von Schusswaffen nicht fehlen, die auch gerne und oft von den Schurken eingesetzt werden. Leider hat "Der Clown - Payday" gerade hier einen seiner größten Abstriche zu verbuchen. Wenn nämlich gemordet wird, dann völlig jugendfrei und Blut spritzt nichtmal ein halber Liter im gesamten Film. Wären härtere Szenen a'la "Adrenalin" auch hier an der Tagesordnung gewesen, so hätte das zwar das Vergnügen des Action-Fanatiker gesteigert, doch hätte der Film wohlmöglich aufgrund einer höheren Altersfreigabe im Kino noch weniger eingespielt. Immerhin einen etwas kompromissloseren Director's Cut für den DVD-Markt wäre doch drin gewesen. Aber auch gut... man kann ja nicht alles haben. Musikalisch hat man sich an "Con Air" und "The Rock" orientiert, während die Story halt nur als Mittel zum Zweck dient und Platz für die Action lässt. Eine wirklich intelligente Story war im Action-Genre ja eh noch nie von allzu großer Bedeutung. Was den Humor angeht darf man sich mit lockeren Sprüchen und einer Brise Selbstironie begnügen.

Somit hat "Der Clown - Payday" auf der Gewinnseite deutlich die Action sowie passable Darsteller zu verbuchen, während auf der Verlustseite man eine dürftige Handlung und einen niedrigen Härtegrad vorfindet. Denn der Film ist eben Unterhaltung pur, und deshalb umso köstlicher, dass dieser actionhaltige Spaß aus dem Heimatland kommt. Mögen wir auch mit diesem Werk den Amis nicht zeigen können, wo in Sachen Actionfilm der Hammer hängt, so habe ich mich mit dem Kinoausflug des Clowns besser unterhalten gefühlt als mit aufgeblasenen Action-Overkills a'la "Triple-X" oder "Transporter: The Mission"!

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