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„Alien – Die Wiedergeburt“ versucht neue Ideen in die „Alien“-Saga zu bringen, scheitert aber stellenweise damit.
Der Heldentod hat noch niemanden vor der Fortsetzung bewahrt, wie ja auch Arnold Schwarzenegger bei „Terminator 3“ feststellen durfte, und so darf auch Ellen Ripley (Sigourney Weaver) trotz ihrer finalen Hochofenbrutzelei in „Alien 3“ wieder ran. Rund 200 Jahre sind seitdem vergangen und man hat sie schlicht und einfach geklont – um ihr die Alien-Königin, die sie bei ihrem Tode in sich trug, herauszuoperieren. Dabei haben sich ihre Gene mit denen der Aliens vermischt. Warum, das weiß wohl nur Drehbuchautor Joss Whedon, obwohl bei „Alien – Die Wiedergeburt“ oft den Eindruck bekommt, der Mann habe sein Script nicht so recht durchdacht. Andrerseits erklärte Whedon später in Interviews, das an seinem Script später noch kräftig geändert wurde.
Die Wissenschaftler an Bord der Raumstation, wo Klon-Ripley jetzt in Manier von Kaspar Hauser wieder zu normaler menschlicher Kommunikation erzogen wird, hegen und pflegen das kleine possierliche Tierlein, das man aus Ripley rausgerupft hat. Eine Schmugglerband unter Leitung von Frank Elgyn (Michael Wincott) karrt zudem noch eine Ladung Menschen heran, die als Wirtskörper dienen dürfen. Ein erfrischend fieser Einfall, nur leider macht sich das Drehbuch noch gerade mal ansatzweise die Mühe zu erklären, wer die armen Säue jetzt eigentlich sind.

Doch es kommt natürlich wie es kommen muss: Die Aliens finden einen Weg sich zu befreien und schnetzeln alles kurz und klein. Wie es der Zufall so will, treffen aber Ripley und die Schmugglerbande im rechten Moment aufeinander, um gemeinsam die Flucht zu versuchen. Zuvor müssen sie aber die Station sprengen, da diese Richtung Erde unterwegs ist…
Obwohl der zeitliche Abstand von „Alien – Die Wiedergeburt“ zu den Vorgängern nicht gerade klein ist, so riecht die Chose doch ziemlich oft nach Fortsetzungsschnellschuss. Das fällt vor allem bei dem etwas unausgegorenen Script auf, dessen massive Logikfehler einem fast schon ins Gesicht springen. Da scheint Ripley bei der ersten Begegnung mit den Schmugglern immer noch im Forrest Gump Stadium zu sein, kurz darauf ist sie so clever wie eh und je. *SPOILER* Da hat die Alien-Königin am Ende eine Gebärmutter, aber anfangs hat sie noch irgendwie Eier fabriziert? Wohl kaum. *SPOILER ENDE* An diesen und vielen anderen Kleinigkeiten merkt man dann, dass die Geschichte nicht so recht durchdacht wurde.

Leider greift man zur Bekämpfung dieser Ideenlosigkeit zu dem Mittel, was schon viele dämliche Horrorsequels einsetzten: Übertriebene Gewalt. Sicherlich waren die „Alien“-Filme nie zimperlich, aber hier werden Schädeldecken weggeknuspert, Köpfe zerquetscht und Leute detailliert von Alienzungen durchbohrt, natürlich alles in Großaufnahme. Leider sind die Mordszenen so vordergründig und platt inszeniert als hätte man ein „Freitag, der 13te“-Sequel vor sich, dass kaum Spannung in diesen Momenten aufkommt.
Dabei hat „Alien – Die Wiedergeburt“ teilweise durchaus Potential: Streckenweise ist die Hetzjagd durch das Schiff recht spannend gemacht, vor allem dann wenn man pseudo-philosophische Nebenhandlungen (wie z.B. die sinnlose Szene, in denen Ripley die anderen Klone entdeckt) nicht beachtet, sondern geradlinigen Survivalhorror versucht. In diesen Parts gibt es dann auch ein paar famose Actionszenen zu bestaunen, wie z.B. die Szenen in der überfluteten Küche.

Optisch drückt Jean-Pierre Jeunet „Alien – Die Wiedergeburt“ klar seinen Stempel auf. Zwar kann er die Brücke zu den Vorgängern noch gerade schlagen, doch von der Inszenierung her hebt sich der vierte Teil am deutlichsten von den anderen ab. So sind abrupte Kamerafahrten, viele Zooms und Großaufnahmen usw. an der Tagesordnung. Glücklicherweise wird die Atmosphäre dadurch nicht zerstört, auch wenn man teilweise glaubt die fabelhafte Welt der Ripley zu sehen. Etwas schwieriger wird es bei den typischen Jeunet-Charakteren: Gewohnt freakig und schräg, aber ohne großes Identifikationspotential kommen die Figuren daher und aus diesem Grund besteht wenig Sorge oder Mitgefühl bei ihrer Gefährdung oder ihrem Ableben.
Sigourney Weaver ist mal wieder voll in ihrem Element und erbringt eine gute Leistung. Winona Ryder hingegen ist etwas blass, während Ron Perlman seine Arschlochrolle routiniert ohne großartige Akzente spielt. Recht gelungen sind die Auftritte von Michael Wincott und Brad Dourif, der Rest der Besetzung spielt ebenfalls ganz ordentlich.

Somit ist „Alien – Die Wiedergeburt“ ein gut inszeniertes und stellenweise sehr atmosphärisches Sequel, aber leider nervt der Film mit Logiklücken und sehr unspannenden Parts. Daher bleibt am Ende nur Mittelmaß trotz einiger gelungener Actionszenen.

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