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Ein viertes Mal ist Sigourney Weaver in der Rolle von Ellen Ripley zu sehen, die Jahre nach ihrem Tod geklont wird und daher wieder zu Bewusstsein kommt. Dann muss sie jedoch den Grund für ihre Wiederauferstehung erfahren, denn man hat es auf den Alien in ihrem Bauch abgesehen, der mitgeklont wurde, um die tödliche Waffe nun doch noch in die Hände zu bekommen. Als die nun herangezüchteten Aliens dann jedoch entkommen und vom Schiff auf die Erde gelangen könnten, beginnt der Kampf von neuem.

Kult-Regisseur Ridley Scott (Gladiator, Black Hawk Down, Blade Runner) hat mit einem atmosphärischen Meilenstein begonnen, der auch aus der heutigen Sicht noch sehr ansehnlich ist, Oscar-Preisträger James Cameron (Terminator, Abyss, Titanic) hat mit seinem Action-geladenen Sequel einen zweiten gesetzt und David Fincher (Sieben, Fight Club, Zodiac) hat mit einer Mischung aus beidem einen achtbaren dritten Teil inszeniert. Und nun stand beim vierten Teil der "Alien"-Franchise erneut ein Regie-Wechsel an, aber diesmal funktioniert dieser leider nicht reibungslos. Nachdem Kult-Regisseur David Cronenberg, unter Anderem durch "Die Fliege" und "A History of Violence" bekannt, ablehnte, war es der Franzose Jean-Pierre Jeunet, der zuvor mit dem skurrilen Fantasy-Film "Die Stadt der verlorenen Kinder" in Erscheinung getreten war und anschließend mit "Die fabelhafte Welt der Amelie" für Furore sorgen sollte, der das Ruder ergriff und hier den mit Abstand schlechtesten Film der Reihe abliefert.

Zu Gute halten muss man ihm dabei noch, dass bereits bei der Story viele Fehler gemacht wurden. So ist der Plot im Spannungsaufbau bei Weitem nicht so stringent und damit effektiv, wie es bei den drei Vorgängern der Fall war, da mehrere Einfälle einfließen, die dem Geschehen die Fahrt nehmen. So wird hier näher darauf eingegangen, dass Ripley beim Klonen gewisse physische und psychische Züge des Aliens abbekommen hat und die Idee wäre wohl auch nicht allzu schlecht, wäre sie nicht schlicht und einfach unlogisch weitergedacht und würde sie den Film nicht stellenweise ins Lächerliche abgleiten lassen. Ähnlich verhält es sich mit der Figur, die von Winona Ryder verkörpert wird und irgendwie nicht so recht ihren Platz im Film finden will. Dramaturgisch wird also ganz schwache Arbeit geleistet. Dass neue Innovationen hermussten, war klar, weil die alten Konzepte bereits im dritten Teil erneut Verwendung fanden, aber das hier ist der falsche Weg.

Jeunet erzählt die schwache Geschichte stellenweise recht langsam und nimmt dem Film damit noch stärker die Fahrt. Außerdem lässt er, unter anderem wegen der brüchigen Story und der schwachen Erzählweise, nur extrem selten eine wirklich düstere, bedrohliche Atmosphäre aufkommen. Anders als bei den Vorgängern spürt man die bedrückende Präsenz des tödlichen, beinahe unbesiegbaren Aliens zu keinem Zeitpunkt und wenn mal eine dichte Atmosphäre oder eine düstere Stimmung zustande kommen, dann auch nur wegen des gelungenen, spannenden Scores, der ebenfalls sehr guten Toneffekte und der düsteren Kulissen, die zumindest temporär an die bedrückenden Alptraumwelten aus Ridley Scotts erstem Teil erinnern. Optisch wie akustisch macht der Film so einiges her, zumal auch die Spezial-Effekte stimmen, aber als Zuschauer hat man einfach keinen Bezug zum Geschehen und so langweilt es auf Dauer, dabei zuzusehen, wie unsympathische, bzw. undurchsichtige Charaktere nach dem 10-kleine-Negerlein-Prinzip vom Alien gejagt und getötet werden.

Sigourney Weaver, die in der Rolle der knallharten, kernigen, aber doch sympathischen Ellen Ripley immer bestens aufgehoben war, spielt auch hier ganz groß auf, wirkt angesichts der merkwürdigen Charakterkonstruktion aber deutlich unglaubwürdiger. Winona Ryder, die in dem mit Abstand am dämlichsten konstruierten Charakter steckt, kann die Glaubwürdigkeit ihrer Figur beim besten Willen nicht herstellen, während die Nebendarsteller ihre Sache alles in allem gut machen, wobei vor allem Ron Perlman mit gewohnt hoher Präsenz sehr positiv auffällt.

Fazit:
Der Tiefpunkt der "Alien"-Franchise ist damit wohl erreicht. Unglaubwürdige Charaktere, ein brüchiger, mitunter unlogischer Plot und eine etwas zähe Erzählweise nehmen dem Film eindeutig die Fahrt, während nur ganz selten aufgrund des brauchbaren Scores und der gelungenen Optik mal eine düstere Atmosphäre zustande kommt. Diesen Film hätte man wirklich nicht mehr gebraucht.

36%

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