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Bevor der französische Regisseur Jean-Pierre Jeunet mit seinem Welterfolg „Die fabelhafte Welt der Amélie“ ganz groß rauskam, durfte er sich im vierten Teil der „Alien“-Saga noch deutlich böser und blutrünstiger – aber ähnlich fantasievoll – austoben. Das Drehbuch von Joss Whedon führt dabei die eigentlich abgeschlossene Geschichte clever fort: 200 Jahre nach dem dritten Teil wird Ripley samt Alienkönigin in ihrer Brust geklont, um endlich wieder Experimente an den Xenomorphs durchführen zu können. Alles kommt, wie es nicht anders kommen kann: Die neu erzeugten Monster brechen aus und machen blutige Jagd auf die Besatzung des Raumschiffs. Die neue Ripley versucht sich mit einer zusammengewürfelten Crew durch die Horden zu kämpfen und die neue Gefahr für die Erde zu vernichten.

Das Schönste an der „Alien“-Reihe ist, dass jeder der vier „ursprünglichen“ Teile durch die namhaften Regisseure seinen ganz eigenen Stil hat: Nach klaustrophobischem Psycho-Horror, explosiver Action und finsterster Düsternis herrscht diesmal ein leicht schräger, schrill-skurriler Ton, der das Grässliche der Gewalt nicht verharmlost, aber immer wieder ins Groteske umkippen lässt. So gibt etwa Dan Hedaya den mit krimineller Energie versehenen Captain des Raumschiffs mit herzlicher Überdrehtheit – bis hin zu seinem blutigen Tod, bei dem er noch Zeit hat, sich ein Stück seines eigenen Hirns anzusehen – und die nicht minder unmoralische Crew eines Raumfrachters, die gerade an Bord ist, als die Ereignisse eskalieren, bestehend unter anderem aus Ron Perlman, Gary Dourdan und Winona Ryder, bietet ein skurriles Abbild des ursprünglichen Motivs einer kleinen Crew, die unversehens ums Überleben kämpft.

Fester Fixpunkt auch dieses Beitrags ist dabei natürlich Sigourney Weaver. Auch in geklonter Version bietet sie Härte, Durchsetzungswillen und eine herzhafte Scheiß-drauf-Mentalität, die sie zur coolsten Actionheldin im Universum macht. Ein wenig mehr Subtilität wird ihr diesmal aber auch gegönnt, etwa wenn sie in ihren ersten Tagen nach der Wiederauferstehung noch von einer kindhaft-beschränkten Verwirrtheit geprägt ist; sehr emotional ist auch die wahrhaft grausige Szene, in der sie in einem Labor die schrecklich gescheiterten Vorgängerwesen entdeckt, die aus den Genexperimenten zu ihrer Wiederherstellung entwickelt wurden.

Überhaupt punktet „Alien – Die Wiedergeburt“ mit großteils starken Effekten (nur eine Handvoll 90er-Computereffekte sind definitiv schlecht gealtert) und einer derben Fantasie in Sachen Gewalt und Ekel. So viel Schleim, Blut und Gekröse hat es noch in keinem der beileibe nicht harmlosen Vorgängerfilme gegeben, und besonders zum Finale beeindruckt der Film auch mit drastischen Bodyhorror-Ideen, die so originell wie abstoßend daherkommen. Diese krassen Exzesse werden in hohem Tempo, mit vielen Hindernissen und zu bekämpfenden Figuren versehen, sodass der Film nach seiner Einleitungsphase im Grunde durchgehend rasant und actionreich erzählt wird. Schnitt, Kamera, Score und Ton bieten hervorragende Leistungen – so bleibt auch der vierte Teil problemlos auf dem sehr hohen technischen Niveau der Reihe.

Inhaltlich mag er vielleicht ein wenig abfallen: Trotz der guten Ausgangsidee entwickelt er sich ab einem bestimmten Punkt eher vorhersehbar – mal wieder gibt es ein abgeschlossenes Gebiet zu verlassen, sich gegen Horden von Aliens zu wehren; mal wieder wird die Gruppe nach und nach dezimiert, es gibt einen Androiden und Verräter. Überhaupt erfolgt der Überlebenskampf aus dramaturgischer Sicht eher wie bei einem Videospiel von Level zu Level, was das Ganze bei aller visuellen Fantasie recht eintönig macht. Und einige inhaltliche Schwächen – etwa dass Ripley innerhalb einer kurzen Szene von geistig umnachteter Neugeborener zur alten zynischen Kämpferin mutiert – haben auch einen etwas faden Beigeschmack. Andererseits ist es eine wirklich schöne Idee, sie am Ende dieses vierten Films endlich die Erde wiedersehen zu lassen.

Insgesamt kann „Alien – Die Wiedergeburt“ genauso gut unterhalten wie seine drei Vorläufer, beeindruckt mit einem eigenen skurril-blutigen Stil, krassen Ekel- und Gewaltsequenzen und fiesen Alien-Monstern. Weaver gibt ihre Paraderolle so ausdrucksstark wie eh und je, und die restliche Crew macht ihre Sache auch ziemlich gut. Trotz einiger kleiner Schwächen kann also auch dieser vierte, die Ursprungsstory um Ripley nun wirklich abschließende Teil bestens unterhalten.

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