„Heil Diane, Prinzessin der Finsternis!“
Der aus dem Fernsehserienfach kommende französischstämmige Regisseur Jeannot Szwarc („Night Gallery“) drehte im Jahre 1972 TV-Okkult-Horrorfilm „Tochter des Teufels“ nach einem Drehbuch Colin Higgins‘ und Phill Normans, der im Januar 1973 im US-Fernsehen ausgestrahlt und hierzulande später auf VHS ausgewertet wurde.
Die 21-jährige Diane (Belinda Montgomery, „The Todd Killings“) lernt am Grab ihrer erschossenen Mutter Alice (Diane Ladd, „Die wilden Engel“) deren vermögende Bekannte Lilith Malone (Shelley Winters, „Lolita“) kennen, die sie bei sich wohnen lässt. Damit wird sie in einen mysteriösen Zirkel eingeführt, der dem Okkulten huldigt und ganz spezielle Pläne mit ihr hat…
„Tochter des Teufels“ ist eine Art „Rosemaries Baby“-Variante mit einer bereits geborenen, erwachsenen jungen Frau als designierte Teufels-Thronfolgerin, deren Mutter zu Beginn der Handlung erschossen wird, damit eine finstere Satanist(inn)ensekte Zugriff auf sie erhält. Die Sekte wurde in gutbetuchten Kreisen angesiedelt, Lilith bewohnt eine opulente Villa und beschäftigt in Mr. Howard (Jonathan Frid, „Schloss der Vampire“) einen Butler. Die Kamera fokussiert unheilschwangere Details; Nahaufnahmen von Gesichtern symbolisieren die unangenehme Distanzlosigkeit, mit der man die von Alpträumen geplagte Diane beobachtet. Das sorgt für eine genretypische Gruselstimmung. Wie erbost Lilith reagiert, als Diane bei ihr wieder ausziehen will, erinnert an einen Konflikt Mutter versus flügge werdendes Kind, hier indes unter etwas anderen Vorzeichen. In Trance führt Diane einen ekstatischen Tanz auf; später muss sie den Verlust ihrer Freundin und Mitbewohnerin Susan (Barbara Sammeth, „Das Haus der blutigen Hände“) beklagen, die getötet wird.
Dies geschieht jedoch offscreen und der einzige Spezialeffekt beschränkt sich auf leuchtende Augen. Mit Schauwerten geizte Szwarc und gestaltete seinen Film stattdessen dialoglastig, vorhersehbar und etwas langatmig – dafür aber ähnlich konsequent wie sein o.g. mutmaßliches Vorbild: Auch dass Diane in Steve (Robert Foxworth, „Damien – Omen II“) einen scheinbar netten jungen Mann kennenlernt, sich in ihn verliebt und ihn heiratet, führt zu keinem Happy End. Mehr noch als in „Rosemaries Baby“ stellt sich am Ende jedoch die Frage, was das denn nun alles sollte, welchen Effekt es auf die Welt, wie wir sie zu kennen glauben, hat? Übergibt der Deibel den Stab nun an seine Tochter und geht in Rente?
Einen entsprechenden Aha-Effekt, eine spezielle Pointe oder etwas Ähnliches bleibt einem leider verwehrt, sodass „Tochter des Teufels“ über den glatten Durchschnitt nicht hinauskommt und bei Weitem kein vergessener Genreklassiker ist – eher ein Film, der nach dem Anschauen recht schnell wieder in Vergessenheit gerät…