Selbst in Zeiten, in denen oskure kleine Filme aus vergangenen Jahrzehnten inzwischen von Fans einer genaueren Untersuchung unterzogen wurden, gibt es immer noch Werke, die irgendwie durchs Netz schlüpfen können.
William Cameron Menzies "The Maze" ist einer davon, ein kleiner, selbst für die 50er oder das ganze Genre untypischer Film mit einer - sofern nur gelesen - albernen märchenhaften Prämisse.
Sofern man sich nicht für die Geschichte des frühen 3D-Films der 50er interessiert, geht er meistens vollends durch die Maschen, obwohl er einer der erwähnenswerten Filme ist, die Stephen King in seinem hochinteressanten Sachbuch "Danse Macabre" schon 1982 erwähnte.
Warum er überhaupt für den 3D-Sektor ausgewählt wurde, ist aus heutiger Sicht fragwürdig, denn weder enthält er typische dreidimensional geeignete Einstellungen noch irgendwelche anderen Gimmicks, allein das künstliche Studiosetting mit dem titelgebenden Heckenlabyrinth sorgt für einen gewissen plastischen Effekt der Aufnahmen - was aber einen unbeschwerten Genuß in 2D nicht im Geringsten beeinträchtigt.
Will man den Film besprechen, dann hat man nur zwei Möglichkeiten, nämlich die Auflösung zu verraten oder eben nicht. "The Maze" wird unter den Genrezuweisungen bei "Horror" und "SF" geführt, wird beidem aber nicht ganz gerecht, eher könnte man aufgrund seiner fast grimmschen Auflösung von einem tendenziellen Fantasyfilm mit Gruseleinschlag reden.
Die Gruseleffekte kann man an einer Hand abzählen und der SF-Faktor beruht auf der pseudowissenschaftlichen Erklärung, die am Ende abgegeben wird, um die Ereignisse zu erklären.
Ansonsten ist der Film aber nicht mehr als ein recht konstruiertes und sehr dialogintensives Drama, das eigentlich zwei Drittel seiner überschaubaren 80minüten Lauflänge für die Exposition verwendet, um währenddessen relativ trocken auf der Stelle zu treten. Das heißt, die Schwäche liegt im Drehbuch, neben der teilweise reizvollen Optik der Geheimgänge im Schloß und des Heckenlabyrinths gibt es bis kurz vor Schluß kaum etwas Erinnerungswertes.
Die Grundsituation ist klassisches Familienfluchmaterial: kurz vor der Hochzeit verschwindet der schottische Adelige Gerald MacTeam in das Schloß seiner Familie, nachdem ein Verwandter zu Todes gekommen ist. Anschließend löst er die Verlobung per Brief. Aber die Damen lassen das nicht auf sich sitzen und so reist seine Verobte Kitty zusammen mit ihrer Tante Edith (die den Film in einigen Inserts auch per Voiceover begleitet) in die nebligen Highlands fernab von den Errungenschaften unserer Zivilisation.
Womit die eigentliche Studie der Frustration beginnt, denn Kitty und Edith nisten sich gegen den Widerstand Geralds in dem Schloß ein, der sie nicht nur loswerden will, sondern sie ständig zum Gehen auffordert, dieser Aufforderung aber trotz patzigen Verhaltens niemals Nachdruck verleiht. Gleichzeitig ignorieren die Damen ständig seine Aufforderungen, stellen sich krank und verlängern immer wieder den Aufenthalt, wobei sich auch das Personal nicht eben kooperativ verhält. Und schleifende Geräusche auf dem Flur bei Nacht und Besucher des Labyrinths bei Mondschein machen die Sache nicht eben beruhigender.
Derlei konstruiert, ziehen sich die 80 Minuten doch recht bemüht dahin, gegen Ende muß sogar noch ein Quartett von Freunden anreisen, um die Dinge endlich zum Laufen zu bewegen, bis in den letzten Minuten dann endlich offenbart wird, was in Craven Castle wirklich umgeht. Zwar wird das in die beste Sequenz eingeebnet, in der Kitty und Edith im Labyrinth erst das Licht und dann sich aus den Augen verlieren, doch der gewisse Terroreffekt der Entdeckung wird eben durch tricktechnische Schwächen gemindert, da hier dann doch wieder mal überdeutlich der "Mann im Kostüm" zum Einsatz kommt, der in den dramatischsten Momenten doch eher zum Lachen reizt, wenn er durch die Kulissen kriecht und krabbelt.
Das ist dann auch die größte Schwäche so vieler Filme: das Budget. Offenbar mit minimalem Geldeinsatz arbeitet Menzies nach Kräften daran, aus den vorhandenen Studiodekorationen eine überzeugende Gruselkulisse konstruieren zu lassen, doch abgesehen von Licht- und Schattenspielen auf den hohen Schloßtreppen und den Hecken hat der Film meistens nur Kargheit an Ausstattung zu bieten und kann seine Studioherkunft nie erfolgreich verleugnen. Vielmehr bezieht er seinen optischen Reiz eher aus seiner totalen Künstlichkeit.
Für Richard Carlson, den man als SF-Fan vor allem aus "Gefahr aus dem Weltall" und "Der Schrecken vom Amazonas" kennt ("The Maze" fiel genau zwischen diese beiden Filme.), hat hier wenig zu tun, außer säuerlich drein zu blicken und ständig bemüht zu sein, seine Gäste zu verscheuchen, ohne sie direkt zu brüskieren und zu beleidigen - was ihm nicht gelingt, da auch die größten Grobheiten ignoriert werden. Veronica Hurst und Katherine Emery (deren allerletzter Film dies war, bevor sie zum Theater zurückging) haben wenig zu tun, als mit immer neuen kleinen Sorgendiskussionen den Plot zu strecken.
Ist die Auflösung schließlich ein Kuriosum, hat sie doch ihren gewissen Reiz, auch wenn man sie ggf. als total absurd abtun kann, doch als Kind dürfte die hier vertretene Vorstellung einer Mutation richtiggehend schreckerregend gewesen sein.
Erwachsene dürften eher schmunzeln, auch wenn das Finale wirklich empfehlenswert ist - doch bis dahin ist der Film eine recht gut ausgebauten Durststrecke, die nur Kulissenfans bei der Stange halten dürfte. (4/10)