Episodenhorror made in Germany, wäre ein recht passender Untertitel für diesen Insider Tipp. Geisterstunde oder Todesvisionen aus dem Jahr 1987 kann man schon als kleine Kuriosität betrachten. Der Film ist eine Art Horror-Anthologie, allerdings gibt es im Gegensatz zu anderen Anthologien keine Rahmenhandlung mit der man durch die Geschichten geführt wird. Nach einer kurzen Einblendung des Slogans ("Vier mysteriöse Storys, Vier tödliche Geheimnisse, Vier grausame Morde") beginnt auch schon die erste Geschichte.
Aber das ist jetzt genug Einleitung, kommen wir nun zu den vier Geschichten.
1. Malum
Eine nette kleine Schauergeschichte in der eine Frau von ihrer lieben Katze terrorisiert wird nachdem sie eine seltsame Götzenfigur mit nach hause nimmt. Die Geschichte spielt abgesehen vom Anfang ausschließlich in der Wohnung der Protagonistin wirkt aber trotzdem nicht eintönig. Von der Machart her erkennt man zwar schnell dass es sich hier um ein kleines Projekt handelt, aber allgemein wirken weder die schauspielerische Leistung noch die Musik amateurhaft. Die Effekte sind natürlich nicht so dolle, eine gewisse Atmosphäre wird aber trotzdem aufgebaut. Leider ist Malum nach etwa 11 Minuten schon wieder vorbei.
2. Julia
Die namensgebende Julia ist die Frau eines aufsteigenden Politikers und gerät in einen bizarren Alptraum als sie beim shoppen eine Doppelgängerin sieht die ihr wie ein Zwilling gleicht. Als sie zu anschließend zuhause eintirfft scheint die Doppelgängerin dort ihren Platz eingenommen zu haben und es entbrennt ein paranoides Psychospiel. Nunja diese Geschichte ist wahrscheinlich die merkwürdigste von allen vier Geschichten. Die Geschichte ist nicht sonderlich blutig und benötigte somit auch keine aufwendigen Effekte, schauspielerisch wie musikalisch ganz nett. Fies und gemein aber wie die erste Geschichte leider ziemlich kurz.
3. Kristalltod
Eine deutliche Steigerung stellt diese Geschichte zu den ersten beiden dar. Zwei Freundinnen machen bei einem Stadtbummel einen Abstecher in ein Antiquitätengeschäft und spontan beschließen sie eine Art Zepter zu klauen. Natürlich gelingt dies nicht unbeobachtet und nach dem sie den Laden verlassen haben beginnen der Ladenbesitzer und seine Enkelin den beiden mit einer besonderen Partie Schach die Diebe zu bestrafen. Die Inszenierung orientiert sich stark an Argentos Werken und das gelingt erstaunlich gut. Neben ganz passabler Leistung der Darsteller können sich Kameraführung Schnitt und Effekte wirklich sehen lassen. Hier offenbart sich was man erstaunliches mit geringem Budget schaffen kann.
4. Bis dass der Tod uns scheidet
Eine Frau tötet in Notwehr ihren gewalttätigen Ehemann und scheint bald darauf vom toten verfolgt zu werden. Leider ist die Vierte und letzte Geschichte meiner Meinung nach die schwächste. Handwerklich ziemlich gut gemacht bleibt das ganze aufgrund der lahmen 08/15 Handlung leider blass. Obwohl es die längste von allen vier Geschichten ist wirdin den etwa 40 Minuten fast keine Spannung aufgebaut und das Ende ist eine herbe Entäuschung.
Fazit: Geisterstunde ist bei weitem kein Klassiker geworden aber trotzdem einen Blick Wert, vor allem weil seit langer Zeit nur recht selten brauchbare Horrorfilme in Deutschland entstehen.
Gesamteindruck: 7 von 10