Kurzfilme haben oftmals einen schweren Stand und finden nur selten den Weg auf Veröffentlichungen fürs Heimkino. Da liegt es doch nahe, stilistisch nicht gänzlich unähnliche Kurzfilme zusammenzufassen und als eine Art Episodenfilm zu veröffentlichen, ob nun mit nachträglich gedrehter Rahmenhandlung oder ohne. Jüngst sorgte „V/H/S – Eine mörderische Sammlung“ für Aufsehen und heimste manch positive Kritik ein. Bereits im Jahre 1987 veröffentlichte man hierzulande den Film „Todesvisionen“ alias „Geisterstunde“, der vier Kurzfilme von Studenten der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen enthält, die ohne Rahmenhandlung auskommen:
Film 1 ist „Malum“ von Volker Morlock, der in rund zehn Minuten zeigt, wie eine irgendwie Katja Riemann ähnlich sehende Frau auf dem Weihnachtsmarkt eine Art Götzen-Figur ersteht, deren Geist offensichtlich ins Hauskätzchen der Frau fährt und sie daraufhin in ihrer Wohnung umbringt. Aufs Allerwesentlichste beschränkt und unspektakulär, die profane Handlung wird mit einigen netten Kameraeinstellungen aufzupeppen versucht.
Film 2 nennt sich „Julia“ und stammt von Susanne Aernecke. Die Ehefrau eines Politikers entdeckt durch Zufall eine Doppelgängerin von sich und muss mit ansehen, wie diese in ihren Alltag drängt und sie zu ersetzen droht. Mysteriös und paranoid gibt sich „Julia“, thematisiert möglicherweise die Furcht einer Frau vor ihrer Austauschbarkeit. Dabei zuzusehen macht Spaß, einige unheimliche Szenen funktionieren passabel und die ‘80er-Stimmung mit ihrem geballten Zeitkolorit erhält einen Nostalgiebonus. In Bezug auf eine Erklärung, eine überraschende Wendung oder eine ausgeklügelte Pointe hält man sich allerdings bedeckt, wodurch auch „Julia“ eher wie ein Fragment eines größeren Ganzen wirkt.
Film 3 entstand unter der Regie Patrick Hoffmanns, der mit „Kristalltod“ den Höhepunkt dieser Filmsammlung für sich verbuchen kann. Zwei Freundinnen stehlen spontan etwas aus einem Antiquitätengeschäft. Doch der Ladenbesitzer spielt daraufhin eine ganz besondere Partie Schach mit seinem Enkelkind, die zu einem schicksalhaften Spiel mit dem Leben der Diebinnen wird. Hoffmann geht grafisch recht explizit zu Werke und kleidet Mystik und Brutalität seines Films in eine künstlerische Ausleuchtung und bisweilen originelle Ästhetik. Hier sind sehr viele gute Ansätze vorhanden, doch der formal betrachtet dennoch sehr geradlinig verlaufenden Handlung fehlt es auch hier an etwas.
Den Abschluss bildet die längste und leider auch langweiligste Episode „Bis daß der Tod uns scheidet“ von Dirk Eickhoff. Eine Frau kehrt in die Wohnung zurück, in der sie vor wenigen Wochen ihren Mann nach einem Streit tötete. Doch dieser scheint alles andere als tot zu sein… Diesen Kurzfilm hat man unglücklich in die Länge gezogen, mit zu vielen oft belanglosen Dialogen zwischen den Freundinnen gestreckt und es nicht verstanden, Spannung, Thrill, Atmosphäre oder Abwechslung in das Kammerspiel zu bringen. Wenig originell, technisch lediglich bemüht und keine wirkliche Illusion der vorgegebenen Situation vermittelnd, entpuppt sich „Bis daß der Tod euch scheidet“ als ideale Einschlafhilfe.
Alles in allem ist „Geisterstunde“ eine sehr durchwachsene Angelegenheit und es dürfte Bände sprechen, dass offensichtlich keines der Nachwuchstalente jemals wieder als Regisseur in Erscheinung trat. Als sehenswert möchte ich am ehesten Film 3 bezeichnen, alle andere ist verzichtbar und nicht unbedingt Werbung für das Medium. Dass Bild und Ton um ca. fünf Sekunden bei meinem Exemplar der DVD aus dem Hause „e-m-s“ asynchron waren, hat den Filmgenuss zusätzlich getrübt und zu einer Art Selbstkasteiung gemacht – doch die Neugierde und die (unerfüllte) Hoffnung, dass sich das beim nächsten Kurzfilm ändern würde, überwogen...