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„Seit 15 Jahren führen wir einen aussichtslosen Kampf gegen Insekten. Aber ich hätte nie gedacht, dass noch zu meinen Lebzeiten die letzte Schlacht beginnt. Und ich hätte nie geglaubt, dass es bei den Bienen beginnt. Sie waren doch immer unsere Freunde.“

Mit Filmen wie „Um 9 Uhr geht die Erde unter“ und „Flammendes Inferno“ hatte US-Regisseur Irwin Allan in den 1970ern eine Welle von Katastrophenfilmen losgetreten, an die er 1978 mit der Tierhorror-/Katastrophenfilm-Mischung „Der tödliche Schwarm“ nach einem Roman Arthur Herzogs als Regisseur und Produzent in Personalunion anknüpfen wollte. Doch der 21 Millionen Dollar teure Film floppte an den Kinokassen und gilt seither als unfreiwilliger Big-Budget-Trash.

Ein Schwarm afrikanischer Killerbienen fliegt gen Houston, Texas, und hinterlässt eine Spur der Zerstörung. Ihr Stich endet meist tödlich und in ihrer geballten Form lösen die Bienen eine Katastrophe nach der anderen aus. Insektenforscher Crane (Michael Caine, „Die Brücke von Arnheim“) wird mit seinen Warnungen zunächst nicht ernstgenommen; erst als er Absolution von höchster Stelle erfährt, muss Militärgeneral Slater (Richard Widmark, „Die Braut des Satans“) zähneknirschend mit ihm zusammenarbeiten. Crane lässt diverse Experten einfliegen, unter anderem seinen an den Rollstuhl gefesselten Freund Dr. Krim (Henry Fonda, „Spiel mir das Lied vom Tod“). Können sie das Unheil noch abwenden?

„Denken Sie noch ans Rasieren, wenn ihnen jemand den Kopf abschlagen will?“

Bee-Movie ja, B-Movie nein. Es ist unfassbar, welch ein Budget angesichts des Ergebnisses in „Der tödliche Schwarm“ hineingepumpt wurde. Ein beträchtlicher Teil davon dürfte für das exorbitante Staraufgebot mit gleich sieben Oscar-Gewinnern (neben den Genannten Olivia DeHavilland, Ben Johnson, Lee Grant, Jose Ferrer und Patty Duke) aufgewendet worden sein, das den Film jedoch auch nicht rettet, sondern in negativer Hinsicht noch unglaublicher anmuten lässt. Zunächst einmal suchen Männer in Schutzanzügen minutenlang nach etwas, bleiben dabei komplett stumm und der Zuschauer daher im Unklaren, worum es überhaupt geht. Auch als sie eine Station voller Leichen finden und zu reden beginnen, weiß man noch nicht Bescheid. Doch dann: Ein Helikopter gerät in einen riesigen Bienenschwarm und wird zum Absturz gebracht! Fortan greifen die Insekten in dramatischer Zeitlupe eine picknickende Familie an und nur das Kind überlebt, geplagt von Visionen von Riesenbienen (die der Film auch genauso zeigt). Daraufhin schleppt Crane seinen alten Kumpel im Rollstuhl an. Der Film thematisiert nun in aller Deutlichkeit die Konflikte zwischen dem auf intelligente Vorgehensweisen setzenden Crane und dem die Gefahr unterschätzenden General, der mit einer Chemiekeule anrücken will. Erwartungsgemäß führt diese nicht zum gewünschten Ergebnis und der Scharm zieht relativ unbeirrt weiter gen Houston, sorgt währenddessen noch für eine offensichtlich mit Miniaturmodellen gelöste Zugkatastrophe. Auch die Entwicklung eines Gegenserums geht schief, was Henry Fonda immerhin einen starken Auftritt als Dr. Krim während seines Selbstversuchs einbringt. Und womit ich nun wirklich nicht gerechnet hätte: Die Bienen bringen sogar ein Atomkraftwerk zur Explosion!

Das klingt erst einmal alles spaßig-trashig (ist auch nur eine Auflistung der spektakulärsten schlechten Ideen, derer es noch mehr gibt) und macht neugierig darauf, wie sich all die Hollywood-Stars durch ein solch schwachsinniges Drehbuch spielen. Mit augenzwinkernder Ironie vielleicht, evtl. gar als Hommage an alte Tierhorror-Klassiker und B-Movies? Pustekuchen, aber in jeder Hinsicht! „Der tödliche Schwarm“ gibt sich bierernst und knochentrocken, woran auch gelegentlich gerittene Overacting-Attacken nichts ändern. Recht deftige infernalische Bilder und der häufige Gebrauch von Zeitlupen stehen teilweise etwas arg durchschaubaren, altertümlich wirkenden Blue-Screen-Effekten gegenüber. Immerhin musste sich manch Schauspieler als überaus mutig erweisen, wenn er anscheinend echten (zahmen) Bienenschwärmen ausgesetzt wurde. Doch der ohnehin eher langsam erzählte Film wird sinnloserweise mit unnötigen Seifenoper-Elementen vornehmlich zwischen alten Menschen gestreckt, bis jede Dramaturgie verloren geht. Redundante Dialoge, gern pseudo-wissenschaftlich und ebenso bedeutungsschwanger und pathetisch, laden zum Weghören ein oder sorgen für unfreiwillige Komik – und ich beziehe mich hier schon auf die rund 110-minütige und bereits damit zu lang wirkende Kinofassung. Die Langfassung schlägt mit satten 155 Minuten zu Buche! Jerry Goldsmith‘ Soundtrack nervt mit seinen inflationär eingesetzten militärisch-heroischen Klängen und wo wir gerade bei Tönen sind (Achtung, Spoiler!): Die letztendliche Lösung des Problems mittels Signaltönen mutet doch etwas sehr zufällig an.

Ich kenne die Roman-Vorlage und kann daher kaum beurteilen, ob bereits diese vornehmlich für diesen Unfug verantwortlich war, ob der Drehbuchautor sein Skript an einem Montag schrieb oder ob Allan mit seiner Doppelfunktion als Regisseur und Produzent überfordert war und es ihm gerade nach seinen vorherigen Erfolgen an kritischer Distanz zum eigenen Schaffen mangelte. Ich weiß aber, dass selbst die trashige Unterhaltung unter diesem überambitioniert dahingestümperten Streckwerk schnell verpufft und die daraus resultierende Langeweile die beste Werbung dafür ist, Geschichten wie diese doch besser nicht in hochbudgetierter Blockbuster-Manier ins Kino zu wuchten, sondern das Feld lieber den B- und Exploitation-Filmen zu überlassen...

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