Horrorfilme, insbesondere Slasher, sind ein reaktionäres Genre. Daran lässt sich nun einmal nicht rütteln. Naja, SCREAM hat gerüttelt, aber das passt mir jetzt nicht in den Kram,´tschuldigung. Da können Trends kommen und gehen, die Ozonschicht zerplatzen und Meere zufrieren, der Horrorfilm wird immer eine verlässliche Konstante sein, mit all seinen Stärken und Schwächen wird er bis ans Ende aller Tage immer wieder von ruhelosen Verstorbenen, verrückten Wissenschaftlern, im Mondschein posierenden Vampiren und debil-mordgeilen Hinterwäldlern erzählen. Er wird unzählige Mädels in knapper Kleidung durch düstere Korridore und Wälder hetzen. Und seine Protagonisten werden NIEMALS das tun, was vernünftig ist, sondern das, was ins Verderben führt. Und das ist auch gut so. Man braucht doch etwas Halt in diesen schnelllebigen Zeiten, schnief.
Und diesen Halt bietet es, das Haus des Wachses. Glaube ja keiner, der sich in diesen Film verirrt, er würde hier etwas Innovatives zu sehen bekommen. No, Sir. Wir haben hier unsere fröhlichen Twens, mal wieder auf der Fahrt nach Irgendwo (in diesem Fall Footballspiel). Wir haben hier die üblichen Kriseleien und Eifersucht untereinander. Und wir haben mal wieder eine unvorsichtig genommene Abkürzung, die direkt in den Terrrorrr führt. Ab dann wird gerannt, geschrien, gemetzelt. Und, ja, das ist mal was Neues, gewachst. Was das anbetrifft, kann sich der Film auch mit Erfolg von einer Flut ähnlicher Filme absetzen, denn hier wird man als Opfer ausnahmsweise mal nicht gegessen oder einfach nur erdolcht, nein, hier wird man zum Exponat. Ausstattung und Make-Up kommen wirklich schön daher. Der Film entwickelt seinen eigenen Look, der Dark-Castle-Maschinerie sei Dank, die Szenen im Wax House sind wirklich beeindruckend, speziell zum liquiden Showdown hin. Der kommt dermaßen dynamisch/brutal daher, dass man die zugegebenermassen für einen Film dieser Machart extrem schleppende Einleitung verschmerzen kann. Denn bis die Schachfiguren erst mal in Position sind, und deren Rollenverteilung in Seelchen, Doofchen und Blödmann verankert ist, vergeht schon mal locker ein Stündchen. Wobei, eigentlich nicht locker, das ist ja das Problem... Wo andere Filme gleich aufs Gas steigen, nölt dieser Film noch unnötig lange mit einer Hui-Buh-Szene auf einem Campingplatz und einer "One-Night-in-Paris"-Verarsche herum, und streckt damit nur unnötig die Handlung. Egal, dafür wird dann ja in der zweiten Hälfte das Wachs samt der Suspense angeheizt, und wessen Aufmerksamkeit bis dort reicht (nicht mehr selbstverständlich heutzutage), der wird ordentlich entschädigt.
Die Schauspieler, ach, was soll man da sagen, alle leisten das, was man in diesen Filmen sehen will, und dass Paris Hilton nicht negativ auffällt, liegt zum einen an einer ordentlichen deutschen Synchro, zum anderen wohl an der Tatsache, dass in Slashern eh nur "Ohh"- und "Ahh"-Fähigkeiten gefragt sind. Und die beherrscht sie nicht schlechter als die tausend anderen Horror-Teenies, Punkt.
Alle anderen fallen auch nicht aus der Rolle, und Elisha Cuthbert darf sogar Jessica Biels TCM-Klamotten (nein, nicht von Tchibo!) auftragen. Wie schön.
Es wird also dem Genre treugeblieben. Keine Überraschungen, dafür aber eine nette Zwillingsthematik, bizarre Tode und eine strippende und sterbende Hilton. So what? Sehr schön konsumierbarer Dienst nach Vorschrift, der meinen Dark-Castle-Favoriten HAUNTED HILL zwar nicht toppen kann, aber auch nicht in den Untiefen eines WRONG TURN herumgurkt. Und ist es nicht auch mal wieder schön zu sehen, dass sich ein Film nach zähem Beginn immer mehr steigert? Das kenne ich heutzutage meistens nur andersherum.