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Gib einem degenerierten US Hinterwäldler eine Kettensäge in die Hand und es ist "Michael Bays Texas Chainsaw Massacre", gib dem gleichen Redneck einen Eimer flüssiges Wachs und du hast "House of Wax" von Dark Castle. Die Beliebigkeit und Austauschbarkeit im Horrorfilm Genre ist seit Jahren im immer erschreckender werdenden Ausmaß angestiegen. Die immer gleichen Handlungsalibis werden benutzt um die immer gleichen Abläufe zu erwirken, die letztlich mit dem immer gleichen Final-Twist die Chance auf die (zumeist nicht folgende) Fortsetzung offen halten.

Ein Paradebeispiel dafür, wie ein Slasher Movie 9 Jahre nachdem Wes Craven mit Scream die Versatzstücke des Subgenres aufgezeigt und der Ironie preisgegeben hat, nicht mehr aussehen sollte. Die meisten werden mir sicherlich recht geben, wenn ich sage dass ein Slasher Film nicht wirklich über eine durchdachte und innovative Handlung verfügen muss. Das erwartet wohl keiner. Viel mehr darf man von einem Slasher Movie wohl die folgenden Dinge (als Minimum) erwarten:
- Nervenkitzel
- Atmosphäre
- die so genannten Schockmomente
- und natürlich ausgefallene und blutige Filmtode

Und damit wären wir auch schon bei einem der Hauptprobleme, neben vielen anderen kleinen Problemen, die "House of Wax" hat. Der Film ist nie Spannend, kann den Zuschauer zu keinem Zeitpunkt erschrecken und Atmosphäre sucht man ebenfalls vergebens. Somit bleibt als einziges der Einsatz von dem ein oder anderen recht deftig und erstaunlich herb ausgefallenen Special Effekts, aber damit kann man sich einfach nicht zufrieden geben.

Das Dark Castle Team, das schon mit Filmen wie "Gothika", "13 Geister", "House on Haunted Hill" oder "Ghost Ship" die Effekte über Handlung und Spannung gesetzt hat, schafft es auch hier wieder nicht mehr als einen tricktechnisch durchaus sehenswerten Film zu schaffen, der auf sämtlichen anderen Ebenen kläglich scheitert.

Die Story ist dabei einmal mehr die Auflistung unzähliger Klischees und erinnert noch dazu frappierend an Mchael Bays TCM Remake aus dem vergangenen Jahr. Wieder einmal sind es sechs möglichst hippe und coole Menschen Anfang 20, die sich auf den Weg zu einem besonderen Ereignis machen, dabei aber eine Abkürzung durch die texanische Einöde machen und schon bald in die Hände einer wahnsinnigen Familie fallen, die sich dadurch auszeichnet, dass sie in Mamas Wachsfigurenkabinett zur Wahrung der Authensität echte Leichen mit Wachsüberzug ausstellen. Soweit so altbekannt. Und mehr ist da auch nicht. Was dafür auffällt ist, dass Jaume Serra sich zu Beginn des, mit 113 Minuten um ein vielfaches zu lang geratenen, Films nahezu 45 Minuten zeit nimmt um dem Zuschauer seine Charaktere vorzustellen. Da wird mit peinlichen Dialogen versucht eine Tiefe und Charakterisierungen zu erzielen, die zum einen niemanden interessiert und zum anderen komplett überflüssig ist, da die Figuren im weiteren Verlauf nur noch als Cannonfodder für die Serienkiller herhalten müssen. Wer das ganze letztlich überleben wird, dürfte übrigens jeder der schon mehr als einen Slasher Film gesehen hat bereits nach wenigen Minuten erraten haben. Denn auch hier geht der Film keinerlei Risiko ein. So bleibt am Ende zu die einzige Frage ob es Jaume Serra vielleicht doch wagt das finale Heldenduo noch zu dezimieren, aber das wagt er dann doch nicht, so dass man auch die letzten 20 Minuten absolut überraschungsfrei durchstehen muss.

Wie gesagt, Spannung kommt zu keinem Zeitpunkt auf, da man sich bereits am Anfang einer jeden Szene denken wie sie weitergehen wird. Wenn also die Kamera langsam beginnt um eine der Hauptfiguren herumzufahren, kann man sich sicher sein, dass direkt dahinter der fiese Killer bereits wartet. auch der ein oder andere false scare zu Beginn kündigt sich bereits lange im Vorfeld an und entlockt selbst Genre unerfahrenen Zuschauern höchstes ein müdes gähnen.

Da passt es dann auch, das auch bei der Zusammenstellung der Charaktere kein Klischee ausgelassen wurde und die Gruppe so etwas wie der Prototyp des typischen Horrorfilm Opferzugs ist. Da wäre die toughe Brünette, die sofort als finale Überlebende auszumachen ist, ihr missratener Bruder, der im Laufe des Films natürlich geläutert wird, dessen Kumepel, der für den mäßig gelungenen Humor zuständig ist und sich damit als potentielles Opfer präsentiert, das dauergeile Pärchen, dass laut Slasherfilm Regeln ja eh null Überlebenschance hat und der Freund der Heldin, der aber nicht so recht mit ihr klar kommt und damit auch recht bald aus der Handlung genommen werden kann. Man sieht schon, auch hier sind frische Ideen Mangelware und so sieht man den Darstellern dabei zu wie sie sich immer schön so verhalten wie man es erhofft hatte es nie wieder zu sehen. Sprich wenn immer sich die Gelegenheit bietet in einem Haus vor dem Killer davonzurennen wird garantiert die Treppe nach oben oder unten gewählt, nie die Haustür, auch nachdem bereits eine Tote gefunden wurde wird lieber noch mal schnell im Haus der Killer nachgeschaut anstatt möglichst schnell aus dem Ort zu verschwinden,....

Als einziges bleiben somit am ende die Effekte übrig, und auch hier gibt es Licht und Schatten. Die erstaunlich blutig und wenig zimperlich ausgefallenen Tötungsszenen wissen sowohl inszenatorisch als auch handwerklich zu gefallen und sind ja doch eher eine Seltenheit im Mainstream Horrorkino das Hollywood seit Jahren erfolgreich fährt. Von abgeschnittenen Fingerkuppen über durchbohrte Köpfe bis hin zu abgezogener Gesichtshaut gibt es einiges für Kunstblutfans zu sehen. Auch das Finale im langsam schmelzenden Wachshaus ist tricktechnisch durchaus sehenswert, auch wenn es am Ende zu eher etwas von Jump & Run Spielen hat, wenn natürlich immer dann die Bodenplatten weg brechen wenn die Helden sie gerade verlassen haben und ausgerechnet immer noch soviel Boden vorhanden ist, damit man gesichert stehen kann. Interessant anzusehen ist das trotzdem allemal.

Die Darsteller bleiben dafür durchweg reichlich blass. Elisha Cuthbert spielt ganz ordentlich, sieht aber den Großteil aus, wie ein Jennifer Biel Klon aus deren TCM Remake Auftritt Zur Screamqueen reicht das jedenfalls nicht. Auch der Rest der Jungschauspieler kommt nicht über das ordentlich-aber-nichts-was-einem-lange-im-Gedächtnis-bleibt Niveau hinaus.
Im Vorfeld war ja das Hauptthema in jedem Bericht zum Film Paris Hilton und ihre Schauspielerische Leistung bzw. ihr blutiges Ableben im Film. Dazu ist zu sagen, dass sie sich weder besser noch schlechter schlägt als der Rest der Darsteller. Sie persifliert ihr Image geschickt und wirkt nie unpassend. Eine wirklich ordentliche Leistung von ihr. Zumal sie letztlich das Zugpferd sein dürfte, dass der Film auch dringend braucht um seine Halbwertzeit etwas zu erhöhen. Denn ohne den Rummel um die blonde Hotelerbin wäre der Film kaum der Rede wert.

"House of Wax" ist ein letztlich viel zu lang geratener, eher unterdurchschnittlicher Slasher Film geworden, der einzig durch seine derben Effekte aus dem Masse der unendlich vielen Slasher etwas heraus sticht. Dafür wird kein Klischee ausgelassen und Spannung und Atmosphäre sucht man vergebens. Dark Castle zeigt damit einmal mehr, das sie zwar tricktechnisch vorne mit dabei sind, aber die Defizite in sämtlichen anderen Belangen sind noch genauso vorhanden wie in den letzten Produktionen und reiht sich damit nahtlos in die Reihe der austauschbaren Horrorlangeweiler der letzten Jahre ein. Ein Film den letztlich keiner wirklich gebraucht hat, der aber spätestens auf DVD wohl seine Fangemeinde finden wird. Knappe 4 von 10 Punkten.

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