Review

Eine Frau in Spitzen-Unterwäsche wird quer durch den Wald von einem Irren mit Messer verfolgt. Ihr Körper wird natürlich aufregend in Szene gesetzt, wenn sie stolpert, sich versteckt und zu flüchten versucht. Selbstverständlich kriegt der Irre sie schließlich doch...
Was wie die Anfangsszene von Scary Movie klingt, welcher wohlgemerkt eine Parodie war, ist in Wirklichkeit das Ende von Paris Hilton’s Charakter in „House of Wax“, dem neusten Slasher aus Hollywood. Dieser reiht sich nahtlos in Erfolge wie „Texas Chainsaw Massacre“ und „Wrong Turn“ ein, ohne viel neues zu bieten. Dafür geht er aber alle Horror-Film Klischees Stück für Stück hintereinander durch.
Nach einer etwas misslungenen Eingangssequenz beobachten wir erst mal eine lange dreiviertel Stunde ein paar Jugendliche beim Campen. Die suchen sich dazu natürlich den einsamsten Wald der Gegend aus und untermalen das mit Worten wie „ich kenn da eine Abkürzung“ und „ich geh nur mal kurz in den dunklen Wald da hinten um zu schauen, woher das mysteriöse Geräusch her kam“. Nach mehreren solcher eher fragwürdigen Aktionen finden sie ein heruntergekommenes Kaff, indem sich ein Haus ganz aus Wachs, gefüllt mit Wachsfiguren befindet.
Doch schon bald finden die Protagonisten heraus, wie die Figuren wirklich hergestellt wurden und welche Gesichter wohl bald als nächstes das Wachsfigurenkabinett schmücken werden.
Der Rest der Geschichte ist wie gehabt: Es wird gerannt, geschrieen, gemordet und gekämpft. Das Übliche eben. Erschreckenderweise aber mit einem Gewaltgrad, der die sonstigen Slasher übertrifft und bei dem die Brutalität an sehr vielen Stellen zum reinen Selbstzweck verkommt. Die Kamera badet sich förmlich in den sehr visuellen Leiden der Darsteller. Man sollte lieber nicht über den Geisteszustand des spanischen Regisseurs philosophieren, vor allen Dingen da dem Film fast jegliche Ironie fehlt.
Ansonsten ist „House of Wax“ von der Inszenierung her sauber gelungen, einige Szenen und besonders das herausragende Finale regen mehr als nur zum Staunen an. Wenn bloß das Drehbuch nicht so arg konventionell gewesen wäre, hätte hier ein richtiger Kracher rauskommen können.
So driftet der Film aber beständig in Klischees und in die Mittelmäßigkeit ab, woran auch die Darsteller nix ändern können. Diese, allen voran Elisha Cuthbert, spielen zwar sehr solide, aber das war’s dann auch schon. Seltsamerweise ist sogar Paris Hilton zu ertragen. Möglicherweise liegt das aber auch nur an ihrer Rolle, spielt sie doch ein liebestolles verwöhntes Luder.
„House of Wax“ ist Jaume Collet-Serra’s Erstlingswerk und als solches als durchaus gelungen zu bezeichnen. Für einen Slasher bietet er genau das, was das Publikum sehen will. Mehr darf man allerdings auch nicht erwarten.
6/10

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