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Dark Castle Entertainment ist wieder da. Das kleine aber feine Label, von Hollywood-Produzenten Joel Silver und Robert Zemeckis, wendet sich nun, nach dem eher recht milden Horror-Drama "Gothika", wieder dem Schocker-Kino zu und gibt dieses mal noch eine Prise Slasher-Unterhaltung mit dazu, verfeinert mit einem genüsslichen Backwood-Horror-Part. Herausgekommen ist dabei, mit "House of Wax", erneut ein recht unterhaltsames Horror-Popcorn-Kino, auf das man allerdings ziemlich lange warten muss.

Die Story zu "House of Wax" ist natürlich, Genre-typisch, recht dünn ausgefallen, wobei die Idee mit dem Wachsfigurenkabinett durchaus gefallen kann und mal etwas mehr, als die 08/15-Horrorfilmkulissen, zu bieten hat. Eine Gruppe Teenies fällt in die Hände zweier verrückter Brüder, die ein Haus komplett aus Wachs geschaffen haben und ihre Figuren aus echten Menschen formen. Logik sollte man dabei natürlich nicht erwarten und auch auf manche Storylücke sollte man sich gefasst machen. Unterm Strich ist die Geschichte aber immer noch nicht unbedingt die Schlechteste. Da gibt es vieles, was weit schlimmer ist.

Bei einem Teeniefilm von heute erwartet man allerdings auch schon lange keine tiefgehende Story mehr. Hauptsächliches Augenmerk legt man hier eher auf Atmosphäre, Spannung und gute Schockeffekte. Und mit diesen Sachen kann "House of Wax" auch durchaus aufwarten. Nur dauert es ziemlich lange, bis es soweit ist. Denn die, für einen Schlitzer, recht ungewöhnliche Laufzeit von ganzen 113 Minuten, wird hier leider nicht durch eine ungewöhnlich hohe Zahl von Schocks oder ähnlichem erlangt, sondern durch eine nicht enden wollende, viel zu lang gezogene, Einführung und Vorbereitung auf den Horror. Eigentlich die komplette erste Hälfte des Streifens ist nahezu Horror-Frei und beschränkt sich nur auf die Einführung der Charaktere und ihre recht unspektakuläre Ankunft, in der verlassenen Stadt. Zwar ist es durchaus löblich, dass man sich Gedanken gemacht hat, wie man die Charaktere den Zuschauern näher bringt, doch es dauert eben einfach alles viel zu lange und wirklich gelingen tut es dann im Endeffekt auch nicht. Schade, hier wäre ein wenig mehr Drive wirklich wünschenswert gewesen.

Doch sobald der Horror beginnt, sprich wenn Carly und Wade im "House of Wax" angekommen sind, dreht der Film um mindestens 180 Grad auf und aus dem, bis jetzt, recht unspektakulären Streifen, wird eine schweißtreibende "Tour de Force". Die Schocks sind allesamt recht gut gesetzt worden, so dass sich selbst alte Horrorhasen noch ab und an erschrecken dürften. Zwar wird auch hier viel Wert auf alt Bewertes gelegt, doch durch die grandiose Sounduntermahlung klappt es dennoch immer wieder. Dazu gibt es dann noch einige Gore-Effekte der härteren Art, die allesamt nicht zimperlich ausgefallen sind und absolut lecker aussehen. Zwar sind auch ein paar Computereffekte zu entdecken, doch die meisten Gore-Effekte sind eindeutig und spürbar von Hand inszeniert worden. Allen voran der geniale Mord an Paris Hiltons Charakter Paige. Schon lange nicht mehr so einen gelungene Gore-Szene gesehen. Dafür ein dickes Lob meinerseits!

Doch auch für knisternde Atmosphäre wird gesorgt, was vor allem an der genialen Kulisse des "House of Wax" liegt. Das Haus und viele Teile der Kulisse sind wirklich komplett aus Wachs erstellt worden, zumindest scheint es so. Und durch die kühle Ausleuchtung des Ganzen, wirken die Wachsfiguren und alles drum und dran einfach gespenstisch. Vor allem wenn man es schafft sich vom Film mitnehmen zu lassen und mit den Gedanken spielt, dass alle Figuren früher einmal Menschen gewesen sein sollen, fröstelt es einem nur so vor dem Horror, den diese vier Wände ausstrahlen. Und wenn zum Schluss das komplette Wachshaus anfängt sich zu verflüssigen, dann wird aus der Kulisse ganz schnell noch mal ein schöner Haufen Matsch. Kurzum, diese Kulisse gehört ohne Frage mit zum Besten, was es in der letzten Zeit so in Horrorfilmen zu sehen gab.

Untermahlt wird das ganze Geschehen zudem durch einen exzellenten Score, der seine Wirkung ebenfalls nicht zu verfehlen vermag. Ein richtig schöner und knackiger Horror-Score, so wie man ihn sich nur wünschen kann. Die restliche Musikauswahl ist dabei ebenfalls ganz nett ausgefallen, kann aber mit dem eigentlichen Score nie wirklich mithalten. Aber nun gut.

Darstellermäßig wird das übliche Horror-Niveau geboten, sieht man einmal von der elendigen Paris Hilton ab, die hier ihre Leistung aus "Nine Lives" fast noch zu unterbieten vermag. Warum dieses stinkreiche Luxus-Luder überhaupt noch die Filmwelt mit ihrer Anwesenheit verpesten muss, ist mir unklar. Aber mit solchen Schlampen ist halt immer viel Geld zu verdienen. Ganz anders dagegen Elisha Cuthbert, die auch hier, wie schon in "24", eine mehr als solide Leistung ablegt. Zwar sieht sie mit ihrer braunen Matte bei weitem nicht so sexy aus, wie in ihrer Rolle als Kim Bauer, doch wirklich schaden tut sie ihr auch nicht. Den Rest des Castes kennt man dagegen kaum, aber zufrieden kann man schon mit ihnen sein, zumindest bei diesem Genre!

Fazit: Schockiger, blutiger und teils unglaublich atmosphärischer Horror-Thriller, der mit einer der wohl besten Filmkulissen aller Zeiten aufwarten kann. Leider dauert es aber wirklich elendig lange, bis es endlich so weit ist und 113 Minuten sind auch einfach zu lang für einen Schlitzer dieser Art. Wer aber schon lange mal wieder auf so einen Film "Bock" hatte und sich in Geduld üben kann, der wird sich mit der letzten 3/4-Stunde des Films, mehr als zufrieden geben können. Für hungrige Slasher-Fans jedenfalls mindestens einen Kinobesuch wert!

Wertung: 6,5+/10 Punkte

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