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Eine Gruppe Teenager verirrt sich auf ihrer Fahrt zu einem Footballspiel in eine entlegene Gegend, wie das immer so ist, und als die sich auch noch teilen ist es an der Zeit, die beiden Hauptprotagonisten in Form des Pärchens Carly und Wade herauszuschälen, die in dem verschlafenen Kaff eigentlich nur ihr Auto reparieren wollen. Spätestens seit "Blutgericht In Texas" weiss man jedoch, dass Autowartung in Hinterwäldlergegenden gefährlich sein kann, was den beiden kaum etwas ausmacht, das örtliche Wachsmuseum lädt dafür zur begeisterten Besichtigung ein. Was sich wie ein weiterer Backwoodslasher angeht, man nehme also als Mitfahrgelegenheit den völlig schmierig, degeneriert wirkenden Redneck, der mit Kadaverentsorgung sein Geld verdient, eine trostlose Gegend, die von auffallend wenigen Menschen bewohnt wird sowie eine düstere Legende, die sich um das Museum rankt, welches übrigens komplett aus Wachs besteht, soll dann aber doch anders verlaufen. Nicht nur das ist eine Neuerung gegenüber den Vorbildern mit und ohne Professor Bondi, genau genommen wird dieser gelungene Neoslasher zu Unrecht von der Filmindustrie als Remake des Klassikers um den besessenen Künstler und dessen lebensechte Figuren vermarktet. Genau genommen kupfert das Drehbuch zwar die Grundidee der lebenden Menschen, welche mit Wachsummantelung Madame Tussauds Kunstwerke erblassen lassen, ab, hat allerdings ansonsten mit den beiden älteren "House Of Wax" außer dem Namen fast nichts gemeinsam. Da könnte man von Paul Lenis "Das Wachsfigurenkabinett" über Sergio Stivalettis "Wax Mask" bis zu Paul Hickox "Waxwork" alles mögliche heranziehen, tatsächlich konzentriert sich diese australische Ausgabe von Regiedebütant Jaume Collet-Serra auf die Teenieslasherpfade, wie sie allgemein bekannt sind. Zumindest sieht das in der ersten, recht verhaltenen Hälfte so aus, in der sich der ein oder andere über die mit äußerlichen Schauwerten und weniger schauspielerischem Talent ausgestatteten Darsteller (genannt sei nur der laufende Kleiderständer Paris Hilton) den üblichen Platitüden hingibt und nur leidlich in die gewollt fiese Atmosphäre einführt. Den Haufen erstmal von der Außenwelt isoliert und in die Opferrolle gedrängt schlägt dieser Film allerdings in der zweiten Hälfte zu einem kaum noch zu vermutenden Horrorspektakel um, das mit gelungenen Schocksequenzen, temporeichen Jagdszenen, grafisch sauber ausgeschlachteten Goreszenen und einem herrlichen Finale, dass der überraschende Plottwist aus dem Ärmel schüttelt, als doch noch gelungener Schocker über die Ziellinie geht. Warum das etwas einfältig und träge beginnt, bleibt bei dem Potential unklar. Allein schon das finale Schmelzen des gesamten Wachshauses ist ein Leckerbissen für den Fan von außergewöhnlichen Ideen und gekonnten Spezialeffekten, wer nicht gerade einen geradlinigen "Wrong Turn" erwartet, bekommt einen guten Backwoodslasher mit interessanten Haken und blutigen Momenten innerhalb des Popcornkinos serviert.

Fazit: Rundumschlag durch das derzeitige Horrorgenre. Abgesehen vom üblichen Slasher- und Backwood-Getue eine schwache erste und klasse zweite Hälfte. 6/10 Punkten

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