Review

Scheinbar hat es jeder Film verdient, irgendwann zur Teenyklamotte umgeschrieben zu werden. Über 70 Jahre nach dem Urfilm schon man jetzt einen Film hinterher, der technisch zwar erste Sahne ist, inhaltlich aber auf der Strecke bleibt.


Das große Footballspiel ist das Ziel von Carly (Elisha Cuthbert), ihrem Bruder Nick und weiteren Freunden (darunter Paris Hilton...). Als man Rast auf einer verlassenen Wiese macht, taucht ein unbekanntes Fahrzeug auf, beobachtet die sechs um sich dann wieder zu verziehen. Am nächsten Morgen ist der Keilriemen einer der Autos kaputt, ferner findet die Gruppe einen alten Kadaverfriedhof. Dort treffen sie einen seltsamen Mann, der Carly und ihren Freund Wade mit in die Stadt nimmt. Der Rest will zum Footballspiel fahren. In der Stadt entdecken Carly und Wade ein altes Wachsfigurenkabinett, die Stadt scheint leer zu sein. Man trifft Bo, der ihnen einen Keilriemen verkaufen will. Also fahren die drei zu Bos Wohnung und währen Carly im Auto wartet, geht Wade mit Bo ins Haus. Die Zeit verrinnt und Wade bleibt vermisst. Langsam dämmert es Carly, dass mit dieser „Waxstadt“ etwas nicht stimmt und auch ihre Freunde sind alles andere als sicher.


Was man hier in ein paar Minuten runterschreiben kann, dauert im Film wirklich elend lange. Ohne Übertreibung kann man sagen, in der ersten halben Stunde passiert wirklich nichts, was den Zuschauer irgendwie weiterbringt. Da wundert man sich auch über eine Lauflänge von über 100 Minuten nicht. Bis es dann mal interessant wird, quält sich der Zuschauer durch endloses uninteressantes bla bla, erst wenn Carly und Wade die Stadt erreichen, beginnt der eigentliche Film.
Mit dem Original hat der Film nicht mehr gemeinsam, bis auf das Wachshaus. Auch mit dem 1953 erschienen „House of Wax“ mit Vincent Price finden sich natürlich keine Ähnlichkeiten mehr. Der Teeny-Slasher hält Einzug, bewusst auf modern getrimmt mit unverbrauchten (na ja) jugendlichen Darstellern.

Optischer Höhepunkt ist zumindest „24“ Star Elisha Cuthbert, die quasi die Scream-Queen bildet und auch den Hauptpart hat. Da es mittlerweile Mode ist, irgendwelche Sänger in Horrorfilmen zu haben, man aber wahrscheinlich keinen gefunden hat, geht man halt noch eine Stufe runter (vielleicht sogar zwei oder gar drei). Man nimmt halt eine Person, die nichts kann im wirklichen Leben außer Einkaufen, aber Unglaublicherweise im Jahre 2005 eine große Medienpräsenz hatte. Die Rede ist natürlich von Paris Hilton, Vorzeigepüppchen in ihrer ersten Hauptrolle (von ihrem Privatvideo nehmen wir mal Abstand). Eins vorweg, eine Glanzleistung ist es nicht, viel Material hat man ihr nicht gegeben (zum Glück), immerhin hat sie einen recht runden Abgang. Der Rest sind Darsteller, die man nicht wirklich erwähnen muss. Der größte Teil ist eh Kanonenfutter.

Immerhin ist nicht alles schlecht, ganz im Gegenteil. Die Kulissen im Film, insbesondere das Wachshaus ist einsame spitze, wie auch die Figuren selber.
Hinzu kommen einige erstaunlich blutige Effekte, die zwar nicht überhand nehmen, in ihrer Direktheit für einen Film dieser Art enorm sind. Zwar kommt auch einiges aus dem Computer, doch dies ist heute normal, die Zeit der handwerklichen Effekte ist eh lange vorbei.
So wird man ein wenig getröstet mit den Effekten und dem guten Finale, in dem auch das Wachs wieder eine Rolle spielt. Zumindest hier bedient man sich wieder ein wenig den alten Filmen.

Natürlich kann man dem Film eine gewisse Dummheit nicht unterstellen. Der geübte Fan weiß genau, wer nach dem Film nicht mehr am Leben sein wird, das Verhältnis von Carly und ihrem Bruder ist so schlecht zu Beginn, dass es nur besser werden kann oder muss. Wie in anderen Slashern auch mangelt es an einer vernünftigen Story, gewisse Szenen sind einfach nur derbe unrealistisch, aber dies kennt man nicht erst seit Jason und Co. Damit lebt man und übersieht es einfach. Und wie in allen neuzeitlichen Teenyfilmen muss mindestens eine Schauspielerin in engen Sachen rumlaufen, diesen Part übernimmt hier Elisha Cuthbert, die sich aber auch wahrlich sehen lassen kann. Immerhin geht man hier nicht soweit wie im neuen „Texas Chainsaw Massacre“ Film, der zum Schluss dermaßen auf Jessicas Biels Oberweite incl. nassen und engen Shirt zugeschnitten war (wir erinnern uns, man fällt wirklich in jede Pfütze die es gibt), dass es wirklich des Guten zu viel war. So bleibt „House of Wax“ noch ansehbar, keine Frage.


Fazit: „House of Wax“ hat zwar nichts mehr mit den Klassikern zu tun, kann aber auch so nicht wirklich glänzen. Dafür fehlt dem Film eindeutig das Tempo, um wirklich alle Zuschauer bei der Stange zu halten. Die Anfangsphase hätte man gut um 15-20 Minuten kürzen können, viel verpasst hätte man nicht. Dafür gibt es recht harte und gute Effekte, ein tolles Wachshaus und Elisha Cuthbert. Fans des neuzeitlichen Horrors mit Slasherelementen werden zufrieden sein. Wirklich interessant ist „House of Wax“ dennoch nicht. Solide Horror-Kost halt.

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