Gottseidank, es ist noch Leben in „Dark Castle Productions“!
Nach drei stabilen Gruselflops in Folge (13 Ghosts, Ghost Ship, Ghotika), kehrt man zu den Anfängen zurück (zum H im Titel) und prompt steigt das Niveau gleich wieder.
Ich gebe zu, ich hatte relativ geringe Erwartungen an „House of Wax“, wenn sich schon die junge Horrorschmiede Amerikas an einem (oder zweien) der großen Klassiker des Gruselkinos vergreift, aber die Wirkung des Films ist mit zwei Worten schon beschrieben: frischer Wind!
Natürlich ist die Story deswegen noch lange nicht oscarverdächtig, aber den üblichen Bodycount-Teenieslasher, der auch hier als Grundlage diente, kontert das Drehbuch mit extrem fürchterlicher Location und einer Menge modernem Style, den man sich schmecken lassen kann.
Gebastelt wird das aufgrund der alten Backwood-Prämisse, nach der man eine Gruppe Heranwachsender oder Studenten in einer Einöde oder einer verrufenen Kleinstadt stranden läßt, wo natürlich die Finstermänner und Psychopathen hausen wie die Axt im Walde.
So auch hier.
Auf dem Weg zu einem größeren Sportereignis gibt’s natürlich Probleme mit dem Wagen und zur Reperatur muß man in ein nahegelegenes Nest, welches sich auf keiner Karte finden läßt und das hat sogar seinen Grund, den hier bis zur Schlußszene aber noch keiner kennt.
Und dortselbst gibt es nicht nur Kirche und Autowerkstatt, sondern auch ein Wachsmuseum der besonderen Sorte, denn es ist nicht nur extrem bizarr und gruselig, es ist auch komplett aus Wachs und damit ist das ganze Gebäude gemeint. Und je länger die Schatten am Vorabend werden, desto unheimlicher wirkt die ganze Stadt.
Regiedebutant Jaume Collet Serra weiß um die Wirkung seiner Location und spielt die bizarre Szenerie nach und nach immer stärker aus, läßt die Figuren wie die Zuschauer nach und nach an der Entdeckung aller Abgründe des Städtchens teilhaben, ohne ins „Sieben“- oder „TCM“-Territorium abzurutschen.
Was wirklich vorgeht, wird angedeutet und nach und nach geschickt enthüllt, ohne Schnörkel und Mätzchen.
Und weil wir uns von einem modernen Reißer so etwas erwarten, gibt es fiese Wachsmaschinerien und nach gar nicht langer Zeit greift der Killer in die Besteckkiste.
Womit wir schon beim nächsten Pluspunkt wären, denn „House of Wax“ splattert nicht nur erfrischend phantasiebewußt, sondern auch erfrischend derb und ungemütlich, graphisch deutlich und kraftvoll. Da gibt es Stangen durch den Kopf, Einwachsungen bei lebendigem Leib, abgeschnittene Köpfe und daß die Hauptdarstellerin die Fingerkuppe in Großaufnahme einbüßt, war auch noch nicht so oft da.
Daß dann alle nicht in die übliche Hysterie nach Schema F verfallen, ist da nur noch schöner.
Natürlich kann man anführen, daß auch dieses Skript das Pulver an sich erfunden hat, aber alle notwendigen Elemente werden reizvoll und unterhaltsam angeordnet und selbst der absehbare Höhepunkt des Ganzen (der Brand!) hat ein paar eindrucksvolle Bilder zu bieten, die man in dieser Form noch nicht so gesehen hat.
Deswegen ergeht hier schon mal der Nackenschlag an die „Wrong Turn“-Macher, daß so und nicht anders ein Genre aufgefrischt werden muß.
Elisha Cuthbert, die uns in „24“ drei Staffeln lang auf die Testikel gegangen ist, fällt übrigens in der Hauptrolle mal nicht negativ auf und Paris Hilton muß zur Beruhigung aller natürlich auch dran glauben (sogar echt lecker), nervt aber nicht so chronisch, wie man das von einer so talentfreien Zone hätte erwarten können.
„House of Wax“ ist und war sicher meine positive Horror-Überraschung des Jahres, von der man eben nichts erwartet hatte. (7/10)