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Nachdem Erfolgsproduzent Joel Silver durch Streifen wie "Lethal Weapon 1-4", "The Matrix", "Predator", "Last Boy Scout" und "Stirb langsam" neben Jerry Bruckheimer wohl zum einflussreichsten Action-Produzenten Hollywoods aufgestiegen war, machte er sich mit "Dark Castle Entertainment" daran neue Ufer zu erobern. Allerdings hatte er bisher mit den kurzlebigen Horrorprojekten "13 Geister", "Ghost Ship" und "House on Haunted Hill" weniger Glück als im Actiongenre. Damit bei "House of Wax", einem Remake eines alten Horrorklassikers, nicht allzu viel schief laufen sollte, holte er sich nur den nicht weniger erfolgreichen Produzenten Robert Zemeckis mit ins Boot, der schon mit "Forrest Gump" und "Cast Away" Erfolge verbuchen konnte. Da Filme wie das "Texas Chainsaw Massacre"-Remake und "Wrong Turn" den guten alten Backwood-Horror wieder salonfähig gemacht hatten, beschloss man darum "House of Wax" ebenfalls dort anzusiedeln und den Streifen nach bewährtem Muster abzudrehen.

Eine Teenie-Clique ist unterwegs zu einem Footballspiel. In einem kleinen Hinterwaldkaff namens Ambrose stoßen sie auf eine besondere Attraktion: Es handelt sich um ein Wachsfigurenmuseum mit verblüffend lebensechten Figuren. Es dauert nicht lange, bis die Geschwister Carly (Elisha Cuthbert) und Nick (Chad Michael Murray) dahinter kommen, aus welchen Rohstoffen besagte Figuren bestehen. Gehetzt von den Zwillingen Vincent und Bo (beide Brian Van Holt), versuchen Carly und Nick sich in Sicherheit zu bringen, während ihre Freunde drauf und dran sind ebenfalls Bestandteil des Museums zu werden...

War Elisha Cuthbert (The Girl Next Door) in der Serie "24" Filmvater Kiefer Sutherland oftmals ein Glotz am Bein, so schlägt sie sich hier recht ordentlich, kommt aber nicht über eine passable Scream-Queen-Performance hinaus, weshalb sie auch nicht ganz mit Jessica Biel und Eliza Dushku mithalten kann. Positiver fällt da schon Chad Michael Murray (Freaky Friday) auf, der durch sein anfängliches Proletengetue sogar sympatischer wirkt als der Rest. Überraschenderweise nervt Hirnlos-Starlet Paris Hilton (Zoolander) nicht so extrem wie in "Nine Lives", wird sich aber dennoch niemals als ernsthafte Schauspielerin profilieren können. Dazu fehlt hier neben Talent auch die Gabe der mimischen Veränderungen. Denn sexydebil grinsen und hysterisch rumheulen kann auch jede x-beliebige Teeniebratze von der Straße. Im Gegensatz dazu macht sich Brian Van Holt (Windtalkers) in seiner schurkischen Doppelrolle nicht schlecht.

Dass amerikanische Hinterwäldler allesamt etwas zurückgeblieben, mordlüstern und zudem Bush-Wähler sind, dürfte jedem erfahrenen Genrekenner wohl bekannt sein. Zudem halten sie sich gerne in nicht kartografierten Wäldern irgendwo am Arsch der Welt auf und warten dort auf ihre Lieblingsopfer: notgeile und alkoholsüchtige US-Teenies, vorzugsweise weiblich. So weit, so gut. Das bekommt man auch in "House of Wax" geboten, denn Paris & Co. verhalten sich genretypisch partygeil, wenn sie mal nachts draußen inder freien Natur nächtigen müssen. Hier versucht Regie-Debütant Jaume Collet-Serra sogar so was wie Charaktertiefe entstehen zu lassen, was natürlich bei Darstellern wie Paris nicht so recht klappen will. Darum filmt er den Rest bis zum Finale auch brav nach Schablone ab, was man ihm als Regieneuling auch nicht verdenken kann. Lieber es zu Beginn mit Altbewährtem versuchen als mit riskanten Experimenten abzusaufen. Trifft man dann nach gut 45 Minuten endlich im Wachskaff ein, darf dann auch schön derbe und ausführlich gemeuchelt werden. Da wird mal ein Kopf abgetrennt oder durchbohrt oder der Hauptdarstellerin ein Finger abgeschnitten. Da kommt schon Freude auf und man ist Collet-Serra dankbar, dass er nicht wie so oft andere seiner feigen Kollegen einfach wegblendet. Der Showdown ist auch recht temporeich und unterhaltsam geraten. Bezüglich des Tempos versteht "House of Wax" es sich von Beginn an immer weiter zu steigern, ohne dass trotz der ersten 45 blutleeren Minuten kaum Langeweile aufkommt. Was die Story, Dialoge und Charaktere angeht hat Collet-Serra artig das Slasher-ABC studiert, um diese schön klischeehaft und genretypisch einzubauen. Das Rad erfindet er mit "House of Wax" wie gesagt nicht neu, sorgt dafür aber für gelungene Horror-Unterhaltung der etwas härteren Art.

Unterm Strich darf und will man Jaume Collet-Serra nicht böse sein, dass er es nicht mit irgendwelchen pseudo-geistreichen Experimenten versucht hat, sondern "House of Wax" richtig schön in guter alter 70er- und 80er-Jahre-Manier inszeniert hat, ohne dabei ins Lächerliche zu verfallen.

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