Review

Der Horrorfilm für Erwachsene. Er ist wieder im Kommen. Was früher die Romeros oder Fulcis waren, sind jetzt unbekannte Filmemacher, die den Vorbildern in Sachen Härtegrad sicher noch in einigen Dingen unterliegen, aber es ist einfach mal wieder nett, nicht nur Horrorfilme wie "Schrei, wenn du kannst" oder "Düstere Legenden" ansehen zu müssen. Selbst Filme mit FSK 18 Freigabe, wie "Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast", waren ja eher dürftig und die Goreszenen durften noch nicht einmal als solche bezeichnet werden.

Nicht, dass ich die Gewalt befürworte, aber seien wir doch mal ehrlich. In "Haute Tension" z.B. spielen die Tötungsszenen schon eine gehörige Rolle. Die Atmosphäre wird somit meistens doch schmutziger und düsterer, wenn die Gnadenlosigkeit des Mörders immer wieder von Neuem unter Beweis gestellt wird. Auch ein "Saw" zehrt mitunter von seiner Kaltblütigkeit und der Extravaganz der Mordinszenierungen. Und über "The Hills Have Eyes" brauchen wir glaub gar nicht reden, denn der schockierte ja fast jeden Zuschauer und polarisierte deswegen das Kinopublikum. Auch frührere Splatterwerke wie "Zombie", "Maniac", "The New York Ripper" etc. hatten einen Großteil ihrer Atmosphäre den kaltblütigen und knallharten Splatterszenen zu verdanken.

Logischerweise kommt es nicht nur darauf an, wenn man einen guten Horrorfilm sehen möchte. "Braindead", "Violent Shit" oder die Ittenbach-Filme erreichten ja einst eigentlich nur aufgrund des Gewaltgrades Kultstatus. Sonderlich fürchten muss man sich dabei allerdings nicht. Heutzutage wird also wieder mehr Wert auf den psychischen Horror gelegt, ohne aber auf harte Szenen zu verzichten.

Auch "House of Wax" wollte nach diesem Strickmuster vorgehen, verrennt sich aber meines Erachtens zu sehr in Teeniefilm-Klischees, wodurch zwar sicher ein fesselndes Filmerlebnis entsteht, aber in Sachen Innovation und Einfallsreichtum darf sich der Film erstmal eher weiter hinten anstellen. Ein paar Teenies wollen auf ein entscheidendes und langersehntes Footballspiel fahren. Natürlich nimmt dies den üblichen Lauf, denn es wird eine Abkürzung genommen, die dann aber versperrt ist und somit müssen die Teenies einen Umweg fahren, wodurch sie zum nächtlichen Campen gezwungen sind. Am nächsten Tag machen sie dann ein paar düstere Entdeckungen, darunter auch eine verschollene Stadt samt Wachsfigurenkabinett. Nur leider gibt es noch ein paar vereinzelte Einwohner, die alles andere als gastfreundlich sind.

Teenies, Umweg, Einöde, Hinterwäldler, Leichen. Kennt man doch. Storytechnisch also gar nichts Neues, was zwar jetzt nicht sonderlich vorwurfsvoll sein muss, doch irgendwie will man ja schon immer ein paar Innovationen sehen. Doch hier ist dies schon sehr mau. Als die Teenies das doch so langersehnte Footballspiel anscheinend nicht mehr rechtzeitig antreffen werden, scheint dies ihnen so dermaßen gleichgültig zu sein, dass man sich schon frägt, wieso sie die ersten 20 Minuten fast ausschließlich über dieses Spiel geredet haben. Aber irgendeinen Grund muss es ja geben, wieso sie sich in das verlassene Dorf zurückbegeben, also wurde kurzerhand entschieden, dass das Spiel doch nicht so wichtig ist. So treffen sie auf eine verrückte Familie, was man wiederum aus "The Texas Chainsaw Massacre" kennt, der eine gut entstellt, der andere ein schleimiger Kerl, der seinen hässlichen Bruder immer gern als Missgeburt bezeichnet. Dieser findet das wiederum gar nicht witzig und meuchelt aus Spaß an der Freude ein paar sexgeile, klischeebeladene Teenager in einem Wachsfigurenkabinett und gut ist.

Ganz so schlimm ist der Film jedoch nicht. Man ist ja schon froh über ein paar spannende Szenen und nett geratene Goreeffekte. Beides findet man hier vor. Da werden Köpfer blutigst und in Großaufnahme durchbohrt, Menschen am lebendigen Leibe eingewachst, Köpfe abgetrennt, Finger abgeschnitten, Münder zusammengeklebt und und und. Man hat sich also etwas einfallen lassen und zumindest bei den Tötungsmethoden darf man Innovationen sehen. Es fließt schon Einiges an Blut und es wird auch immer gut draufgehalten mit der Kamera. Also schon wieder recht hart geratene Horrorunterhaltung, die aber natürlich die Hartgesottenen oder Genrefans eher kalt lassen wird. Nett mitanzusehen und gut gelungen sind die Goreeffekte jedoch trotzdem.

Die Schauspieler sind allesamt Durchschnitt. Und wer wissen möchte, wie man Geschwisterprobleme löst, der sollte sich einfach auf so ein abgefahrenes Wochenende wie diese Teenies einlassen und schon versteht man sich mit seinem Geschwisterlein einwandfrei.

Nett mitanzusehen, zumeist kurzweilig und zumindest beim ersten Ansehen wirklich hin und wieder spannend. Doch schon beim zweiten Male könnte hier enorme Langeweile aufkommen, da der Bodycount sicherlich nicht der Größte ist und der Film schon recht schleppend in Fahrt kommt. Für einen Videoabend mit Freunden oder an einem tristen Abend alleine sicherlich gut geeignet. Zeug zum Klassiker hat er jedoch sicherlich nicht.

6,5/10 Punkte

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