Wes Craven´s "Scream" ließ 1996 das totgeglaubte Slasher-Genre wieder auferstehen. Neben miesen Duplikaten kamen auch ausnahmsweise einige Kracher raus. Ein gutes Beispiel liefert "House of Wax" ab. Es läuft zwar nicht haargenau nach dem Who-done-it?-Prinzip ab, aber selten waren die Schnitzel-/Schnitzler-Zutaten so gut kombiniert wie hier. Böse Zungen könnten natürlich behaupten, dass "House of Wax" schon das zweite Remake von dem 1933 erschienenen "Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts" ist, aber ich finde, dass das zu weit her geholt wäre. Denn bis auf einen verunstalteten Künstler und den Wachsfiguren, bzw. der Umgang mit jenen gibt es keine große Parallelen.
Wie auch immer: Eine Gruppe Teens ist auf dem Weg zu einem weit entfernten Football-Spiel. Die Jugendlichen werden jedoch unterwegs von einer Autopanne gestoppt, so dass sie unfreiwillig mitten in der Pampas übernachten müssen. Kein Problem - Denn im Kofferraum der zwei Autos befindet sich neben Campingausrüstung genug Bölkstoff und Kiff, um den Zwischenstopp so angenehm wie möglich zu gestalten. Am darauffolgenden Tag nimmt ein Redneck, der gerade in der Nähe Tierkadaver beseitigt (nette Szene), zwei von ihnen in die nächstgelegene Stadt mit, um den defekten Keilriemen zu ersetzen. Doch die Stadt kommt ihnen mit der Attraktion, dem Wachsfigurenkabinett, sehr seltsam vor...
Vom Aufbau her unterscheidet sich "House of Wax" überhaupt nicht von den ganzen anderen Scream-Kopien: Teenies wollen Party machen, in der Nähe läuft ein irrer Killer mit einem blutigen Hackebeil rum und meuchelt einen nach dem anderen. Hier merzt man aber sehr gut die üblichen Schwachstellen aus, bei denen das Sprichwort: "Der Ton macht die Musik" angebracht ist. Die Charaktereinführungsrunde + Deppenstory wird für das Baujahr 2005 mit feinstem Nu Metal und Alternative untermalt, so dass man unfreiwillig mit dem Fuß mitwippt. Vorrausgesetzt natürlich, dass man mit dieser Musikrichtung etwas anfangen kann. Neben Deftones, Disturbed, My Chemical Romance und Marilyn Manson kann man auch "Exoten" wie The Prodigy entdecken. Einfach lecker.
Der zweite Big Point ist natürlich die fantasische Location, die schon zu Beginn faszinierend wirkt. Hier gilt natürlich auch für den Zuschauer das Motto: Je weniger man von dem Handlungsverlauf weiß, desto mehr hauen die tiefen Abgründe, die diese Stadt zu bieten hat, voll in die Fresse. Bei der ersten Sichtung von diesem Film hat mich die Location richtig geflasht - was bei mehrmaligen Ansehen dann natürlich eher verpufft. Dennoch ist es für mich immer wieder unterhaltsam, alle Jahre wieder diese Blu Ray einzulegen.
Gut, die üblichen Stereotypen rocken hier das Kasperle-Theater. Von jeder Sorte Salat ist natürlich einer dabei. Was mir persönlich sehr gut gefallen hat, ist, dass einige von ihnen eine gesunde Portion Aggression gegenüber Unbekannten und feindseeligen Personen mitbringen und auch mal mit Worten oder körperlicher Gewalt zurück schlagen, wenn es sein muss - und nicht wie in zig ähnlich gelagerten Filmen im Pussie-Modus kreischend, weinend und nach Mama schreiend vor dem "schier unbesiegbar Bösen" wegrennen (vorallem Chad Michael Murry geht als Tweener voll in seiner Rolle auf). Okay, leider bleibt man vor dem weinerlichen Vollpfosten, der es ja nur gut mit allen meint, nicht erspart, aber dafür geht dieses wandelnde Klischee relativ schnell über den Jordan.
Was mir jetzt persönlich auf den Zeiger geht ist das Vorurteil gegenüber der Blonden, auch bekannt unter der Krankheit Paris-Hilton-Syndrom. Okay, die Milliardärstochter lässt keine Party aus, hat schon (un-)freiwillig einen Speckfilm abgedreht und erfüllt auch ansonsten jedes Klischee von dem Bild, dass man von einem dummen Blondchen hat. Aber ich finde, sie spielt ihre Rolle hier ganz passabel runter und das auch mit einem Petzauge auf ihr echtes Leben - zumindest das, was wir aus den Klatschpressen kennen.
In meinen Augen hat Regisseur Jaume Collet-Serra mit "House of Wax" alles richtig gemacht: Sympathische Charaktere die soviel Background bekommen, wie es in der Slasher-Sparte notwendig ist, wummernde erstklassige Nu Metal-Beats und vorallem ausreichend Spannung, blutige und ausgefallene Morde und natürlich diese einzigartige Location. Ich kann diesen Film ohne Bedenken jedem ans Herz legen.
9/10