Review
von Alex Kiensch
Nur wenige Storys in der Horrorfilm-Geschichte haben eine so lange Tradition wie die Sage um einen wahnsinnigen Wachsfiguren-Hersteller, der seine Modelle aus echten Menschen fertigt: Schon in den 30er-Jahren gab es den ersten Gruselfilm, der sich dieser Geschichte bediente. Zahllose daran angelehnte Remakes folgten. Das neueste Update stammt aus dem Jahr 2005 und bietet neben einer hübschen Jungstar-Riege (unter anderem Jared Padalecki, Elisha Cuthbert und Skandalnudel Paris Hilton) die üblichen Zutaten des neumodischen Teenie-Splatters.
So kann man erst einmal eine Weile den jungen Leuten auf ihrer Fahrt zu einem Footballpiel zusehen, auf der sie ausgelassen feiern, reden und schließlich auf einem einsamen Feld übernachten - nicht ahnend, dass in der Nähe eine Geisterstadt mit wahnsinnigen Mördern auf sie wartet. Nachdem die ersten kleinen Schock-Einlagen überwunden sind, geht es schließlich ans Eingemachte und einer nach dem anderen findet ein blutiges Ende. So weit, so belanglos.
Auch wenn der Film sich am Anfang darum bemüht, den Figuren Ecken und Kanten und vor allem einen tiefgründigen Charakter zu verleihen, gehen diese Ansätze schnell in uralten Genre-Klischees unter. Die Figurencharakterisierung bleibt blass, die Agierenden selbst uninteressant und austauschbar. Hinzu kommen einige kleine Gruselszenen, die sich anfangs in Wohlgefallen auflösen, und eine angedeutete, völlig unnötige Hintergrundgeschichte der Mörder. Im Großen und Ganzen kann man "House of Wax" die weitgehende Freiheit von Originalität attestieren.
Wenn da nicht die Möglichkeiten der Story wären. Denn in zweierlei Hinsicht bietet der Film dann doch noch originelle Einfälle: Zum einen wird hier neben den üblichen Mordwerkzeugen wie Heckenscheren und Zangen auch mit so unkonventionellen Dingen wie Klebstoff und Heißwachs gefoltert. Das dürfte selbst den einen oder anderen alteingesessenen Splatter-Fan überraschen. Und das Finale in einem schmelzenden Wachshaus bietet visuelle Ideen-Highlights, die man so noch nicht gesehen hat.
Schade, dass es viel zu lange dauert, bis dieses Finale endlich startet. Denn trotz der weitestgehend unspannenden 08/15-Story ist "House of Wax" für Teenie-Splatter-Verhältnisse auch noch ungewöhnlich lang - was allerdings weder der Figurenzeichnung noch dem Spannungsaufbau zugute kommt. So bleibt am Ende dank der visuellen Kreativität und starken Spezialeffekten ein immerhin durchschnittlicher Folter-Schocker mit teilweise bedrückender Atmosphäre, der richtig gut hätte werden können, wenn man sich die Mühe gemacht hätte, weniger Klischees und mehr Logik in die Story einzubauen. Immerhin: Paris Hiltons Ausstieg aus dem Film dürfte im Gedächtnis bleiben.