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Auf dem Weg zu einem großen College-Footballspiel landen die junge Carly und ein paar ihrer Kumpels nach einer unglücklich gewählten Abkürzung durch die Pampa in dem verlassen scheinenden Städtchen Ambrose, das auf keiner Karte verzeichnet und dessen einzige Attraktion das örtliche "House of Wax" ist... was übrigens durchaus wörtlich zu verstehen ist, denn nicht nur die Ausstellungs-Stücke bestehen zu hundert Prozent aus Wachs, sondern auch das Gebäude selbst! Beim Versuch, einen Keilriemen für seine liegengebliebene Karre aufzutreiben, gerät Carlys Freund Wade in die Fänge des unheimlichen Tankstellenwärters Bo und muss kurz darauf am eigenen Leib erfahren, warum die im Kabinett befindlichen Wachsfiguren so lebensecht wirken: Gemeinsam mit seinem siamesischen Zwillingsbruder Vincent, von dem er im Kindesalter getrennt wurde, hat Bo die Gegend komplett entvölkert und nun vertreibt sich das durchgeknallte Geschwister-Pärchen die Zeit damit, alle Durchreisenden, die sich in ihre Geisterstadt verirren, in dem unter der Grusel-Bude gelegenen Folterkeller mit heißem Wachs zu überziehen. Logisch, dass die beiden Irren nun auch gerne Carly und ihre Clique in der Sammlung hätten... Nach den überdrehten Remakes der William Castle-"Klassiker" "Das unheimliche Erbe" und "Das Haus auf dem Geisterhügel" ist Produzent Joel Silver mit seiner Dark Castle Entertainment-Klitsche dem 50er Jahre-B-Movie-Horror treu geblieben und legt mit "House of Wax" eine Neuauflage des in Fachkreisen recht wohlgelittenen Vincent Price-Gruselers "Das Kabinett des Professor Bondi" (übrigens selbst auch schon ein Remake von "Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts" von 1933) vor, übernimmt von diesem jedoch allenfalls die Grund-Idee des Plots (sprich: das Einwachsen von Menschen bei lebendigem Leib) und strickt für diese geupdatete Version darum einen Slasher-Streifen, der voll und ganz auf die Sehgewohnheiten aktueller Kino-Gänger hin zugeschnitten ist und dem deshalb auch kein Hauch von altmodischem Charme mehr anhaftet. Passend zu der moderneren inhaltlichen Ausrichtung huldigt Jaume Collet-Serra in seinem Regiedebüt also nicht dem guten, alten Gothic-Horror, sondern stattdessen dem doch wesentlich zeitloseren Teenager-in-Angst-Kino klassischen Zuschnitts, so dass man im Vorfeld glatt der Meinung sein könnte, dass einen bei diesem 2005er-"House of Wax" doch wieder nur ein bestenfalls banaler Spuk erwartet, der allenfalls noch in der Lage ist, durch seine schnieken Bilder zu glänzen... was den Kern der Sache allerdings nicht so ganz trifft. Konkreterweise sieht sich das Ganze dank der wirklich exquisiten Ausstattung und einiger irrsinniger Effekt-Sequenzen zwar tatsächlich sehr schön an, doch nach einer zugegebenermaßen etwas zu ausgedehnten Exposition geht es hier zumindest in der zweiten Hälfte auch handlungsmäßig Schlag auf Schlag und man bekommt die kruden Schocks nur so um die Ohren gehauen, dass es eine wahre Freude ist. Mehr als einmal ertappt man sich folglich dabei, sich ob des blutigen Treibens auf der Leinwand auf angenehme Art und Weise an die Spaghetti-Splatter-Filme der 80er Jahre erinnert zu fühlen, bei denen ein Regisseur wie Lucio Fulci sich ungehemmt auf einer ähnlichen Spielwiese austoben und unlogische, aber höchst einfallsreiche Storys mit ebenso einfallsreichen Gore-Effekten kombinieren durfte. Aufgrund der vorherrschenden Anything-goes-Mentalität empfindet man "House of Wax" innerhalb des Einheitsbreis des Genres dann aber doch als ganz erfrischend. Die Inszenierung durch Collet-Serra, dem sein Background als Werbe- und Video-Clip-Regisseur hier sichtlich zugutekommt, ist dann doch zumindest visuell mehr als nur beachtlich und hievt die Chose formal weit über das Niveau gängiger Teenie-Slasher... und da vergibt man angesichts der umwerfenden Optik auch, dass das Drehbuch vornehmlich bewährtes Terrorfilm-Terrain à la "Texas Chainsaw Massacre" beackert. Wenn das titelgebende Haus dann im feurigen Finale höchst effektvoll zerschmilzt, hat man sogar als alter Genre-Hase noch den Eindruck, mal etwas nicht Alltägliches gesehen zu haben und das mit "House of Wax" gegebene Versprechen einer Karriere als versierter Genre-Filmer hat Collet-Serra dann im Anschluss ja auch irgendwie eingelöst. Der vornehmlich jugendliche Cast setzt sich aus relativ ausdruckslosen Gesichtern zusammen, unter denen lediglich das durch ihren Fernseh-Erfolg "24" bekannte Flavor-of-the-month-Chick Elisha Cuthbert irgendwie herausragt (selbst der spätere "Supernatural"-Beau Jared Padalecki darf hier noch als erster ins Gras beißen). Dass das damals angesagte It-Girl Paris Hilton reinweg aus Publicity-Gründen in einer Nebenrolle rumwuselt, sieht man der Angelegenheit dann auch gerne nach, denn immerhin darf diese hier einen höchst amüsanten Film-Tod sterben... und auf den Anblick von Miss Hilton mit einer Eisenstange im Kopf wird ja wohl niemand verzichten wollen, oder...? So bleibt dem 2005er-"House of Wax" insgesamt betrachtet der Klassiker-Status, den die ideellen Vorgängerfilme innehaben, zwar verwehrt, als aufwendiger Mainstream-Splatter-Streifen mit 'nem ordentliche Klecks roter Soße schlägt er sich allerdings doch mehr als achtbar. Neben "Haunted Hill - Evil Loves to Party" der beste der frühen Dark Castle-Streifen.

7/10

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