Und nun noch das Remake zu Das Kabinett des Professor Bondi von 1953, der ja wiederum schon ein Remake des 1933er Films Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts ist. Mit den Vorgängern hat diese moderne Slasher-Version aber abgesehen von den Wachsfiguren kaum noch etwas gemeinsam, hat man doch statt eines faden eins-zu-eins-Remakes, wie bei Psycho oder Nightwatch, etwas durchaus eigenständiges kreiert.
Dass man auf die hundertfach verwendete und entsprechend austauschbare Methode der Twens auf dem Weg zu X (X = Party, Rave, Spiel, Zelten, Familienfeier, etc.), ist etwas schade, funktioniert hier aber noch ganz okay. Denn auch wenn der Film geschlagene 50 Minuten braucht, bis mal das Wachsmuseum in Sicht kommt, so ist diese Zeit doch zumindest nicht langweilig, obgleich die eine oder andere nervige Szene zum Fremdschämen schon dabei ist.
Aber ist man mal angekommen, dreht Regisseur Jaume Collet-Serra nicht nur das Tempo hoch, sondern auch die Spannung. Die meisten dieser Twens sind einem herzlich egal und das Final Girl ist auch mit dem ersten Auftauchen ausgemacht, doch der zunächst arschige Bruder Nick macht eine Wandlung durch und zeigt auch Gefühle und kurze Schwächen, die ihn im Verlauf durchaus sympathisch machen. Zudem haben die beiden mit Brian Van Holt einen höchst charismatischen und gut spielenden Gegner, wie man ihn in handelsüblichen Slashern eher selten sieht und der mich immer wieder an Bill Paxton erinnert.
Der Rest des Casts spielt zumindest solide, was meiner Meinung nach sogar für die Gewinnerin der Goldenen Himbeere für die schlechteste Darstellerleistung, Paris Hilton, gilt. Sie liefert kein Meisterstück ab, aber die in sie gesetzten, vermutlich allgemein sehr geringen Erwartungen top sie durchaus. Und damit spoilere ich wohl nicht zu viel, sie hat einen denkwürdigen Abgang. Natürlich darf sie sich entblättern und in roter Unterwäsche vor der Kamera räkeln und einen Blowjob während des Autofahrens gibt es noch obendrauf.
Inhaltlich bietet der Film wie bereits erwähnt nur wenig der alten Geschichten, bietet dafür aber einige wenige nette Splattereffekte und punktet vor allem mit dem schmelzenden Museum. Auch wenn das Gebäude meiner Meinung vielleicht doch etwas zu flott schmilzt, aber es schaut gut aus ist ist doch sehr effektiv umgesetzt. Nicht ganz so gut wie im '53er Vorgänger sind hier die Wachsfiguren umgesatzt, die zwar immer noch was hermachen, die aber doch deutlich künstlicher aussehen.
Die Sets gestalten sich mit dem Wachsmuseum, einer Leichengrube, einer Kirche, einer Tankstelle, einem Zeltplatz, einem Tunnelsystem, einer Kleinstadt und einem alten Haus erfreulich abwechslungsreich.
Spannendes Slasher-Remake des Klassikers. Solide Darstellende, cooler Antagonist in Doppelrolle, feine Effekte. Taugt besser als befürchtet und die Nominierungen für die Goldenen Himbeeren suggerieren.