Ein vermeintlich geheilter Psychopath verschanzt sich von den Hausbewohnern unbemerkt in einer Nische ihres Dachbodens, richtet sich häuslich ein, beobachtet die Familie und versucht, selbst ein Teil von ihr zu werden. Was für eine geniale Geschichte für einen Psychothriller, die auch so abwegig gar nicht - schließlich gibt es echte Fälle von über lange Zeiträume hinweg unbemerkten ungebetenen menschlichen Mitbewohnern. US-Regisseur Matthew Patrick versuchte sich 1989 an einer Umsetzung dieses Stoffes mit Gary Busey in der Hauptrolle. Zunächst erscheint fragwürdig, ob dieser als muskulöser Sunnyboy eine glaubhafte Besetzung für psychisch sich neben der Spur befindenden Tom Sykes ist. Anerkennen muss ich aber, dass er versucht, das beste draus zu machen und es versteht, in angespannten Dialogszenen einen Mann zu spielen, der nicht ganz sauber sein könnte, dessen Gesprächspartner ihm dennoch freundlich begegnen, weil es eben nur Indizien, ein etwas ungutes Gefühl, aber keine handfesten Anhaltspunkte dafür gibt. Eine Situation, wie wir sie alle aus dem Alltag kennen dürften. Denn Sykes ist auch nicht auf den Kopf gefallen und greift manipulativ in das Familienleben ein. Das Drehbuch macht es ihm mit einem urplötzlich fremdgehenden Ehemann aber auch recht einfach; es wirkt aufgesetzt und konstruiert, um den Film voranzubringen. Stark sind diverse leisere Einzelszenen, z.B. wenn Sykes im Dunkeln von außen glückliche Familien sehnsuchtsvoll durch die Fensterscheiben betrachtet und sich eine traurig-melancholische Atmosphäre ausbreitet. Auch einige wirklich spannende Momente, in denen sein Versteck aufzufliegen droht, wurden spannend umgesetzt. Warum „Tödliches Versteck“ trotzdem nicht über gehobenen Durchschnitt hinauskommt, liegt meines Erachtens an der zu konventionellen Herangehensweise an die Thematik, bei der der Wahnsinn stets mit angezogener Handbremse agiert. Ab und zu blitzt zwar Toms Kindheitstrauma auf, aber um seinen Realitätsverlust und seine psychischen Abgründe wirklich glaubhaft aufzeigen zu können, benimmt er sich häufig zu rational und wohldurchdacht, eben zu „normal“. Viele Gelegenheiten, seine Schizophrenie wirklich beängstigend darzustellen, wie es beispielsweise einem „Stepfather“ gelangt, werden verschenkt und trotz viel netten Zwischengeplänkels wartet man als Zuschauer ungeduldig auf die finale Zuspitzung des Konflikts, statt genüsslich aus sicherer Entfernung in die verschrobene Gefühlswelt Tom Sykes’ einzutauchen. Für einen verregneten Nachmittag aber sicherlich passabler Thriller-Stoff.