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The Dead Don't Die, ein Zombiefilm aus den 1970ern, produziert für das amerikanische Fernsehen. Klar, daß diese Untoten mit ihren fleischfressenden Kameraden wenig gemein haben. Tatsächlich greift dieses düstere TV-Movie auf die Ursprünge der Legende um die lebenden Toten zurück. Der Zombie als Werkzeug, um die Drecksarbeit für einen größenwahnsinnigen Verbrecher zu verrichten. Willenlose Kreaturen, ins Leben zurückgerufen, um die Befehle ihres Herrn und Meisters auszuführen. Zielstrebig, gewissenlos, unbarmherzig. Manche der wandelnden Toten imitieren das Leben so verdammt gut, daß man sie von lebendigen Menschen nicht zu unterscheiden vermag. Andere wiederum benehmen sich so, wie man es von ihnen erwartet. Mit leerem Gesichtsausdruck schlurfen sie langsam auf einen zu, um ihr grausiges Geschäft zu verrichten. Doch eines hat der geheimnisvolle Drahtzieher im Hintergrund nicht berücksichtigt. Ein paar der Untoten erinnern sich dunkel an ihr vergangenes Leben und sind somit imstande, ihr ungewöhnliches Schicksal zu begreifen. Sie vermögen zu denken, zu fühlen, zu hassen. Doch was nützt es aufzubegehren, wenn sie ihrem Meister auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind. Stößt der Voodoo-Puppe, die der Schurke von ihnen angefertigt hat, etwas zu, ist auch ihr Dasein auf Erden verwirkt.

Die von Robert Bloch ersonnene, im Jahre 1934 spielende Geschichte ist wie folgt. Im Gefängnis von Illinois sitzt Ralph Drake (Jerry Douglas) wegen Mordes im Todestrakt. Kurz vor seiner Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl bekommt er Besuch von seinem Bruder Don (George Hamilton). Ralph beteuert seine Unschuld und bittet Don inständig, den wahren Mörder zu finden. Don kommt dem letzten Wunsch seines Bruders nach und nimmt in Chicago die Ermittlungen auf. Dort trifft er als erstes Jim Moss (Ray Milland), den Besitzer des Tanzschuppens Loveland Ballroom, in welchem das Verbrechen geschehen ist. Der kann ihm zwar auch nicht weiterhelfen, macht ihn aber immerhin auf einen Zeugen namens Frankie Specht (James McEachin) aufmerksam, der kurz nach der Tat spurlos verschwunden ist. Wenig später wird Don in einem Café von der schwarzgekleideten Vera LaValle (Linda Cristal) angesprochen, die ihn warnt und ihm dringend rät, die Stadt zu verlassen. Bevor er sich darüber Gedanken machen kann, sieht er draußen auf der Straße seinen hingerichteten Bruder stehen. Don folgt ihm zu einem Antiquariat, wo es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung mit dem Besitzer Perdido (Reggie Nalder) kommt, in dessen Verlauf dieser getötet wird. Doch als Don später mit Lieutenant Reardon (Ralph Meeker) zurückkehrt, erfreut sich Perdido scheinbar bester Gesundheit. Die undurchschaubare Angelegenheit wird immer mysteriöser. Don beginnt nicht nur langsam an seinem Verstand zu zweifeln, sondern schwebt auch bald in Lebensgefahr.

Curtis Harrington, der in den Siebzigern einige Arbeiten fürs Fernsehen ablieferte, ist mit The Dead Don't Die ein stimmungsvoller wenn auch recht unspektakulärer Beitrag zum beliebten Genre des Zombiefilms gelungen. Zugegeben, die Geschichte ist ziemlicher Kokolores und wenig glaubhaft, aber Harrington holt aus der Vorlage mehr raus, als man zu hoffen wagte. Wie bei einigen anderen Werken des Filmemachers (z. B. Night Tide oder The Cat Creature) schimmert auch hier der Einfluß der Val Lewton/Jacques Tourneur-Klassiker (I Walked with a Zombie) klar und deutlich durch. Vor allem die dichte, makabre, manchmal bedrückende Stimmung erinnert an diese großen, stilvollen B-Movies der 1940er-Jahre. Sehr schön sind auch das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten, die surreal ausgeleuchtete Alptraumsequenz, in der Don von Zombies attackiert wird, sowie die Szene mit einer Voodoo-Puppe, die nicht mit einer Nadel traktiert sondern abgefackelt wird. Was das für das "lebende" Pendant bedeutet, sollte jedem klar sein. The Dead Don't Die mag ein TV-Movie sein, aber es beinhaltet ein paar erstaunlich grausame Momente, die zwar zurückhaltend in Szene gesetzt wurden, aber nichtsdestotrotz eine starke Wirkung erzielen. Die mit Abstand heftigste und unangenehmste Sequenz ist die Exekution von Ralph Drake auf dem elektrischen Stuhl. Der Gang zum Hinrichtungsgerät, die akribische Vorbereitung, das flackernde Licht, die Reaktion der Zuschauer, die zuckende, verkrampfte Hand... obwohl das Sterben selbst nicht gezeigt wird, hat diese Szene eine enorme Wucht und sorgt für ein ausgesprochen flaues Gefühl im Magen.

Ein paar weitere, tolle Momente sollen ebenfalls nicht unerwähnt bleiben. Reggie Nalder, der sich im Sarg aufrichtet und herausklettert. Die nächtliche Exhumierung eines Toten auf einem nebelverhangenen Friedhof. Das Finale in einem Kühlraum, wo Fleisch gelagert wird. Und der Tanzmarathon im Loveland Ballroom, eine unglaublich makabre Veranstaltung. Gegen Ende schleppen sich die verbliebenen Paare wie Zombies über die Tanzfläche. Wie die meisten Filme von Curtis Harrington ist auch dieser hier nicht nur erstklassig besetzt sondern auch großartig gespielt. George Hamilton (Love at First Bite), Linda Cristal (Mr. Majestyk), Ray Milland (Dial M for Murder), Joan Blondell (The Cincinnati Kid), Ralph Meeker (Kiss Me Deadly), Yvette Vickers (Attack of the 50 Ft. Woman) und Reggie Nalder (The Man Who Knew Too Much), zusammen in einem preiswerten Fernsehfilm, eigentlich unglaublich. Ein klares Indiz dafür, daß diese exzellenten Darsteller anderweitig keine Arbeit mehr fanden. The Dead Don't Die ist ein sehr schöner wenn auch etwas abstruser Zombiefilm, der gut zu den etwas anders gearteten Genrebeiträgen der Siebziger (wie z. B. Let's Scare Jessica to Death, Messiah of Evil, Psychomania, Sugar Hill oder Shock Waves) paßt. Die dichte, alptraumhafte Stimmung, die großartigen Schauspieler, die pulpigen Twists, das düstere Noir-Flair und die paar altmodischen Gruselmomente machen den Streifen jedoch uneingeschränkt sehenswert.

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