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Märchen, laut Volksmund eigentlich Geschichten für kleine Kinder. Dass man Hänsel und Gretel auch anders auffassen kann, zeigt uns der Holländer Alex van Warmerdam. Und zwar in eine Version für Erwachsene.


Es war einmal...irgendwo in Holland. Jacob und Maria werden von ihrem Vater in einem Wald ausgesetzt. Jacob findet in seiner Jackentasche nur einen Brief. Beide sollen sich auf den Weg nach Spanien machen zu ihrem Onkel. So laufen sie ziellos durch den Wald, bis sie Licht sehen. Es ist das Haus einer „Hexe“ und ihrem Ehemann. Es gibt Essen, doch dafür muss Jacob eine Gegenleistung erbringen, und das am besten nicht nur einmal. Sie können flüchten, landen in der Stadt, doch auch hier haben sie nicht sehr viel Glück. Mit einem Moped machen sie sich auf den Weg nach Spanien. Endlich dort angekommen, erfahren sie, ihr Onkel ist tot. Beide landen bei Diego, einem reichen Chirurgen, der sich sofort in Maria verliebt. Maria liebt Diego auch. Doch nicht nur Diego liebt Maria, auch Jacob. Und damit nimmt der Ärger seinen Lauf, denn Maria ist mit Diego verheiratet...


Wer kennt es nicht, das Märchen von Hänsel und Gretel. In dieser Version für Erwachsene geht es ein wenig anders zu als in der beliebten Kinderversion. Einen Grundplot hat man behalten, der Rest jedoch, hat nicht mehr viel mit dem Märchen zu tun. Mord, Totschlag, Inzucht, dies sind nur einige Aspekte in diesem Film.
Regisseur Alex van Warmerdam hat eine Groteske par excellence auf den Bildschirm gezaubert.
Der Film beginnt wie das bekannte Märchen, doch direkt stört einem, dass Bruder und Schwester in einem Bett schlafen. OK, mag das bis zu einem gewissen Alter das vertretbar gelten, aber Erwachsene. Das Verhältnis von Bruder und Schwester ist in diesem Film nicht so, wie man es erwartet, man wird schon noch sehen, was passiert. Der Begriff Inzest ist sicherlich nicht fehl am Platz, wenn auch nicht ganz so drastisch, wie man es vielleicht erwartet. Trotzdem sind manche Szenen arg verstörend. Hinzu kommt ein sehr eigenwilliger Humor. Sei es die „Hexe“ (man muss es gesehen haben), welchen einen unstillbaren Durst nach einer gewissen Sache hat. Oder nehmen wir eine Wunde. Wie desinfiziert man Wunden? Klar, mit Alkohol. Nun gut, richtiger ist nicht da, also nehmen wir mal Eierlikör. Dies sind nur ein paar der krassen Einfälle von van Warmerdam.

Spielt der Film zunächst irgendwo in Holland, verlagert sich das Geschehen nach einiger Zeit nach Spanien. Dann wechselt auch die Sprache auf spanisch, denn Diego und Konsorten können halt kein holländisch (oder deutsch, wie in der Synchro).
Die Darsteller waren sicherlich mit Spaß bei der Sache, denn diesen Eindruck macht der Film. Die grotesken Aktionen bringen sie trocken und kühl rüber, dadurch wirkt es noch komischer.

Die Stärken des Films sind ganz klar der Anfang und das Ende. Hier gibt es die besten Aktionen im ganzen Film, der Mittelteil, gerade in Diegos haus, wirkt ein wenig in die Länge gezogen. Dort hätte man sich sicherlich das eine oder andere noch einfallen lassen können. Aber auch hier gibt es noch einige krude Ideen, was später wieder zum besagten Eierlikör führt.


Fazit: Mal eine andere Version der Grimmschen Märchen. Etwas böser, etwas grotesker. Sicherlich einen Blick Wert. Ach ja. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute...nehme ich an.

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