"Gihad" oder auch "Jihad" ist der "heilige Krieg" der Fundamentalisten. Es ist Vergeltung, Vergeltung für das angebliche Unrecht, das die Feinde den "Unterdrückten" antun. Spätestens seit dem 11. September 2001 ist dieser Krieg in allen Köpfen, er begleitet uns von Tag zu Tag. Wir sind aber auch schon abgestumpft von ihm, denn er ist einfach mittlerweile zur Realität geworden. In jeder Nachrichtensendung wird mindestens ein Selbstmordattentat vermeldet. Sie selbst nennen sich nicht Mörder, sondern Merthyrer. Sie werden gelenkt von dem Glauben, dass sie nichts unrechtes tun, gelenkt von Alah und seinem Propheten Mohammed, die ihnen das Paradies schenken und 72 Jungfrauen obendrein...für einen normal erzogenen und normal aufgewachsenen Menschen ein nicht-nachvollziehbares Gedankengut! Doch die Realität zeigt uns, dass es viele solcher Menschen gibt, die genau darin ihren Lebenssinn sehen, mit Rache und Vergeltung viele Menschenleben zu "opfern", um den imperialistischen Ländern Wiederstand zu repräsentieren. Für sie gibt es keinen anderen Weg aus der Hölle, die sie empfinden, wenn sie unter dem Joch der Unterdrückung der westlichen Länder leben müssen...
Genau um diese Einstellung dreht sich der Film "Paradise Now". Khaled (Ali Suliman) und Saïd (Kais Nashef) sind gewöhnliche Unterschicht im Westjordanland. Sie arbeiten in einer Werkstadt und haben gerade genug, um zu leben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn beide sympathisieren mit einer fundamentalistischen Untergrund-Organisation, die Anschläge in Tel Aviv planen.
Als eines Tages Khaled und Saïd auserwählt werden, am nächsten Tag den Merthyrer-Tod zu sterben, sind sie überzeugt von ihrer Mission. Man sieht ihnen an, dass sie nichts auf der Welt mehr aufhalten kann. Keine Liebe, nicht zu ihren Eltern oder zu einer Frau (wie im Falle von Saïd).
Krass ist auch, dass genau diese Frau, die Saïd liebt, die Tochter eines Helden ist, der für sein Land gestorben ist...Sie versucht noch Saïd davon zu überzeugen, dass es auch andere Wege aus der Unterdrückung gibt und dass durch die Selbstmordanschläge Israel nur ein Alibi hat, um mit dem Terror im Westjordanland weiter zu machen.
Als dann der Tag des Attentats da ist und die Beiden versuchen sich nach Israel einzuschleußen, geht dies allerdings schief. Die Mission steht vor dem Aus. Kahled wird von seinen Führern wieder eingesammelt und Saïd bleibt zunächst verschwunden.
Während Kahled sich auf die Suche macht, verfestigt sich die Eistellung Saïds dermaßen extrem, dass er sich von seinem Plan nicht mehr abbringen lassen kann. Kahled hingegen wird immer unsicherer. Er entscheidet sich schließlich, dass der Weg falsch ist, dass er einen neuen, einen anderen Weg finden muss, der das erwünschte Ziel erreicht. Er kann sich jedoch immer noch nicht komplett dazu durchringen, außerdem will er Saïd nicht im Stich lassen.
Als sie dann einen Tag später beide in Tel Aviv angekommen sind und kurz davor stehen ihre Mission auszuführen, kneift Kahled plötzlich und versucht auch Saïd durch seine Argumentation zu überzeugen, dass dies der falsche Weg ist. Er bricht die Mission ab. Doch Saïd führt ihn hinters Licht, er ist nach wie vor überzeugt von seinem Auftrag. Er lässt Kahled allein zurück ins Westjordanland fahren und geht seinen Weg, den er meint gehen zu müssen....
Fazit:
Auch wenn der Film im Mittelteil etwas verwirrend ist, da man nicht genau weiß, was passiert und wie es passiert und wer wer ist, was den Film zusätzlich kurzeitig etwas langweilig macht, ist es vom Thema her ein absolut krasser Film. Er hält genau das vor Augen, was allgegenwärtig ist und immer noch schlimmer werden wird. Extremismus!! Egal in welcher Form...Es ist beeindrucken und zugleich sehr erschreckend mit welchen manipulativen Fähigkeiten manche Menschen zu einer Überzeugung gebracht werden, wo jeder Außenstehende nur den Kopf schütteln kann, überhaupt, wenn man in einer völlig anderen Kultur aufgewachsen ist. Hany Abu-Assad versteht es perfekt, das Minenspiel der Hauptdarsteller so einzusetzen, dass man genau die Einstellung, die Überzeugung oder die Zweifel der Charaktere erkennen kann. Der Film erzählt mit viel Realismus die verhängnissvollen Leidensgeschichten, die Menschen zu solch außergewöhnlichen und abartigen Taten fähig werden lassen...
"Paradise Now" ist ein beinahe genialer und absolut bedrückender Film über eine östliche Welt, vor der keiner mehr die Augen verschließen kann und darf!!
8.5/10 Punkte