„Paradise Now“ erzählt von Freunden und falschen Entscheidungen, von Gründen und Gott, von Männern und Mitgefühl, von Geschichte und Gräuel, von Bomben und Bauern, von Löwen und Lämmern, von Hass und Hadern, von Vergangenheit und Vergeben, von Hoffnung und dem Point of No Return. Zwei Palästinenser und Kumpel auf ihrem Weg zu Bombenattentätern - oder ihrem eventuellen Abkommen von diesem traurigen Weg…
Wenig macht uns als westliche Gesellschaft, als Eltern und friedensliebende Menschen momentan mehr Angst und Unsicherheit als Terroranschläge. Eher in unseren Breitengraden, bei den etlichen Meldungen aus dem nahen Osten ist man leider etwas abgestumpft. Dennoch fragt man sich doch oft, was in diesen Attentätern wohl vorgehen mag. Immerhin sind es bei all dem Hass und der Barbarei in ihnen dennoch Menschen - mit Geschichten, mit Sorgen, mit Familien und (womöglich gescheiterten) Hoffnungen. Und genau da setzt „Paradise Now“ sehr human, nachdenklich und authentisch an. Was die (dennoch noch minimal offen gelassene) Auflösung umso schmerzhafter macht. Authentisch, frei von Kitsch und Klischees, muss man erstmal dermaßen eindringlich und doch auf dem Boden geblieben hinbekommen. Eine der typischen Streamingentdeckungen - wenn auch eher in dem Mediatheken von ARD, ZDF oder ARTE, die nicht immer nur bieder und trocken sein müssen. Charakterstudie mit Anspruch, die nichts zu sehr auswalzt, die immer klar zu ihren Punkten kommt, die wirklich zum Nachdenken anregt. Denn die dargestellten Männer sind weit weg von gestörten Teufeln oder gesichtlosen Tötungsmaschinen. Und das alles ohne ihre Taten zu beschönigen oder abzumildern. „Paradise Now“ bleibt bei einem.
Fazit: human, emotional, bedrohlich, nicht parteilich - „Paradise Now“ ist ein eindringlicher Blick hinter die Kulissen des Terror. So paradox es klingt, so wichtig ist das. Denn die Wurzeln des Schreckens und Hasses sind immer mit sehr menschlichen Abgründen und Ängsten verzahnt, über die viel zu oft geschwiegen wird.