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Casablanca während des Zweiten Weltkriegs: Die Stadt ist zum Bezugspunkt unzähliger Flüchtlinge aus Europa geworden, die von hier aus nach Amerika reisen wollen. Mitten in diesem brodelnden Hexenkessel führt Rick (Humphrey Bogart) sein Lokal. Eines Tages kommt seine frühere große Liebe Ilse (Ingrid Bergman) in die Stadt. In Rick flammen längst vergessen geglaubte Gefühle auf. Doch sie ist nicht allein: Ilses Mann, der von den Nazis verfolgt wird, ist bei ihr. Gemeinsam flehen sie Rick an, ihnen bei ihrer Flucht zu helfen. Der steht nun vor einer schweren Gewissensentscheidung.

Neben "Vom Winde verweht" und "Titanic" gehört "Casablanca" wohl zu den berühmtesten und unverwüstlichsten Liebesfilmen der Kinogeschichte. Nicht umsonst ist die Textzeile "Ich schau dir in die Augen, Kleines" zu einer derart universal bekannten Phrase geworden.

Dabei liegt der Schwerpunkt des Films nicht nur unbedingt auf der hochdramatischen Romanze. Hier geht es ebenso um eine politische Absicht, ist der Film doch mitten während des Krieges entstanden und gibt somit einen deutlichen Kommentar zur grässlichen Situation, in die der Nationalsozialismus ganz Europa gestürzt hat. Mit kritischem Blick werden hier französische Sympathisanten und feige Duckmäuser auf ihre Rolle bei der systematischen Verfolgung und Ermordung von "Volksfeinden" durch die Nazis hin überprüft. So kommt auch Bogarts Rolle Rick nicht als moralisch einwandfrei davon, liegt es doch teilweise an seiner egoistischen Passivität, dass am Anfang des Films ein Flüchtling von SS-Schergen gefasst und später umgebracht wird.

Doch gerade diese moralische Komplexität ist es, in der Bogart aufgeht. Es liegt nicht einmal an seiner etwaigen Schauspielkunst - nein, die Intensität, mit der er seine Rolle verkörpert und die einen nicht unbeträchtlichen Teil zum Kultstatus des Films beigetragen haben dürfte, entwickelt sich aus seiner bloßen physischen Präsenz, aus der unantastbaren Eleganz, mit der er einen zynischen, desillusionierten Grobian verkörpert, der nur langsam aus seinem Schutzpanzer heraus kommt und den Menschen in seiner Umgebung hilft. Ingrid Bergman ist wie für ihn bestimmt. Zusammen ergeben die beiden eines der sensibelsten Liebespaare der Filmgeschichte; der Zuschauer ist von ihren Dialogen, in denen aus jedem Wort der Schmerz ihrer traurigen Vergangenheit spricht, wie gefesselt.

Zu diesen beiden grandiosen Hauptfiguren gesellt sich eine ganze Reihe verschiedenster Charaktere, die von skurril bis tragisch die gesamte Bandbreite menschlicher Stimmungen abdecken. Hinzu kommt eine annähernd perfekte Inszenierung, die durch strenge Kameraführung, ausgefeilte Licht- und Schatteneffekte und ein wirklich packendes Finale auf dem Flughafen zu überzeugen weiß. Es ist wirklich schade, dass eine solche formale wie schauspielerische Glanzleistung wieder einmal durch einige unangenehme Details beschädigt wird: Der Umgang mit jenem berühmten Sam, dem Schwarzen, der es noch einmal spielen soll, muss (und musste auch schon 1942) jedem modernen Weltbürger missfallen: Beinahe jeder Satz, der an ihn gerichtet wird, lautet im Imperativ. Und während er alle Welt mit "Sir" und "Madame" anspricht, wird er durchgehend geduzt. Ein solcher impliziter Rassismus kann und darf einfach nicht geduldet werden.

Sieht man davon ab (und in wie vielen Filmen früherer Jahrzehnte erlebt man immer wieder ähnliche Einstellungen), hat man mit "Casablanca" einen überaus fesselnden, hoch dramatischen Film über Liebe, Mut und Moral in Zeiten des Krieges. Und das ist noch heute ein wichtiges, ein großes Thema.

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