Review

Was ist denn nun dran an diesem Klassiker „Casablanca“.
Da muß man wohl dabei gewesen sein, seit Jahren dem Film hinterherhängen, Bogart noch als Idol ansehen, Woody Allen heißen oder hoffnungslos romantisch sein.

Geprägt sind wir eh alle nur von der berühmten Schlußszene mit all ihren tollen Dialogen und Zitaten, die wir in 1001 anderen Film gesehen haben.
Für viele Filminteressierte stellt sich jedoch nicht selten Enttäuschung ein, wenn DER Kultfilm überhaupt endlich mal wieder irgendwo zu sehen ist.

„Casablanca“ ist nämlich eine eher bewegend-dramatisch erzählte Geschichte, die nur sehr wenig Action enthält und einen Anti-Helden, mit dem sich selbst moderne Männer nur sehr schwer anfreunden können. Bogarts Haltung, sich künftig aus allem rauszuhalten, wirkt zwar sehr individuell, aber er verweigert sich so sehr jeder Gefühlsregung (und behandelt Ingrid Bergman auch nicht gerade zimperlich), daß es mit dem Zugang zur Figur relativ kompliziert wird.

Viel intensiver kommt da schon Bergmans Verzweiflung als Frau, die sich in der Pflicht fühlte, aus patriotischen Motiven die Resistance zu unterstützen und jetzt mit dem Widerstandsführer verheiratet ist, obwohl die wahren Gefühle zu Sam (Bogart) tendieren.
Die Film ist durchwirkt mit einer resignativen Melancholie und wird im weiteren Verlauf zur Geduldsprobe, ehe er in den letzten 20 Minuten zur großen Form aufläuft. Die Entscheidungen für und wider Frau oder Mann, pro oder contra Abreise bzw. Flucht kochen hoch und kulminieren in einer Schlußszene am Flughafen, die an Größe tatsächlich kaum zu überbieten ist.

Ansonsten sieht man dem Film aber sein Alter und seine Herkunft an, ein Melodram aus vergangener Zeit, daß praktisch erst während des Drehs weiter- und zuendegeschrieben wurde und dessen Flickwerk und langwierige Produktion man ihm ob seiner dramaturgischen Untiefen ansieht. (6/10)

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