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Casablanca ist vor allem ein Liebesfilm, allerdings keine leichte Romanze, sondern von der dramatischen Sorte. Tiefe Gefühle, tragische Enttäuschung, traumatisierender Schmerz, Verbitterung, aufkeimende Hoffnung, Stolz, bedingungslose Hingabe, romantische Aufopferung: also wahre Liebe. Dieses Wechselbad extremer Gefühle wurde so glaubhaft wie nur möglich transportiert, ohne in niedere Sentimentalität auszuarten.
Casablanca ist neben dem verdienten Status Kultfilm der Beweis dafür, dass Kunst passiert, dass sie in aller Wahrhaftigkeit nie vom Reißbrett kommt. Die literarische Vorlage war unveröffentlicht, das Drehbuch unfertig, die Darsteller praktisch reingedrückt zwischen anderen Projekten. Aus derart widrigen Vorzeichen entstand ein Werk ohne Längen: mit Worten für die Ewigkeit, perfekten Bildern, ikonischen Schauspieler-Auftritten und einer unerreichbaren Authentizität der Stimmungen und Empfindungen.
Man möchte erst meinen, Bogarts Figur Rick, vom Leben gezeichnet, emotional abgestumpft, sei der zweifelhafte Charakter. Doch mich bewegte vor allem die Frage nach Ingrid Bergmans Ilsa Lund. Dieser Engel ist, gewollt oder ungewollt, eine wahrhafte Femme Fatale. Ist sie einfach naiv oder doch berechnend? Ist ihr Herz zu groß oder aus kaltem Eis? Eine Frau, die das vermeintlich unerreichbare Herz eines raubeinigen Mannes nach Belieben bespielt, dann herausreißt und so lange, wie sie möchte, in der Hand hält. Eine Frau mit einem Plan, und der läuft am Ende stets nach ihrem Dünken. Immer Tränen in den Engelsaugen, man kommt nicht davon ab zu vermuten, dass es Freudentränen sind. Die Reihe der ihr vorzuwerfenden Lebens- und Liebesentscheidungen nimmt im Film kein Ende, mich wundert die positive Rezeption ihrer Figur.
Wie auch immer: Viel Stoff zum Genießen und auch zum Sinnieren. Casablanca ist einer dieser alten Schinken, mit denen, trotz fehlender Farbe, mit etwas Glück auch ein jüngeres Publikum für den Bereich Qualitätskino einzuholen ist.


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