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Ein oft verfilmter Stoff hat immer mit seinen Vorläufern zu kämpfen und hier sind liegt die Latte hoch. Die BBC Serie aus dem Jahr 1995, mit Jennifer Ehle als Elizabeth Bennet und Colin Firth in der Rolle des Mr. Darcy, gilt unter Fans als das Non plus Ultra. Diesen Film darf man nicht an diesem Standard messen. Joe Wright hatte nur zwei Stunden (immerhin) Zeit, eine Geschichte zu erzählen, für die der Serie mehr als fünf zur Verfügung standen. Kürzungen, Änderungen sind da unvermeidlich. Man hat sich sicher auch aus diesem Grund der Mitarbeit von Emma Thompson versichert, die schon das Script zu Ang Lees Sense and Sensibility geschrieben hat. Am Script hat es wohl nicht gelegen, dass der Film enttäuscht. Die Geschichte ist plausibel aufgebaut, Kenner des Romans von Jane Austen werden natürlich Abweichungen monieren, die aber alle vertretbar sind.
Die Mängel liegen zuallererst in der Inszenierung. Die gesellschaftlichen Unterschiede, die zu Stolz und Vorurteil führen, werden hier zu plakativ vorgeführt. Das Heim der Bennets wirkt heruntergekommen, ein Bauernhof des 18. Jahrhunderts, wie ihn sich vielleicht viele vorstellen, die solche Anwesen nur aus Freilichtmuseen kennen. Im Gegensatz dazu wirken Darcys Pembley und Lady de Burghs Sitz übermäßig feudal. Mister Bennet wird von Donald Sutherland als ein leicht verwahrloster älterer Herr gegeben, der gern mal einen hebt. Der Mister Bennet der Romanvorlage ist ein Gentleman, der sich lieber in seiner Bibliothek seinen Büchern widmet, als mit Tagesgeschäften oder gesellschaftlichen Verpflichtungen seine Zeit zu verschwenden. Mrs. Bennet wird in Joe Wrights Film als eine etwas schrille Landpomeranze mit einem Hang zu Hysterie gegeben. Im Roman ist sie zwar sehr redselig und neigt zu Gefühlsausbrüchen, sie verletzt aber nicht die gesellschaftlichen Regeln so massiv wie im Film. Ein Fest auf dem Lande, zu Ehren der Neuankömmlinge Bingley und Darcy findet anscheinend in einer Scheune statt, bukolische Lustbarkeiten scheinen das gewesen zu sein, irgendwie an Gemälde des Bauern-Breughel erinnernd. Im Roman sind die Örtlichkeiten Salons, in denen man nicht mit Humpen in der Hand auf und abspringt, sondern sich sehr gesittet vergnügt. Die Folge ist, dass der, im Roman kritisierte, Dünkel Darcys fast angemessen zu sein scheint. Donald Sutherlands Mr. Bennet und seine Gattin wirken wirklich wie eine etwas zu peinliche Verwandtschaft für den wohlhabenden Bingley, erst recht für Darcy, der noch wohlhabender ist. Das auch die Bennets durchaus vermögend sind, geht völlig unter. Man muss wohl gefürchtet haben, dass die Zuschauer das alles nicht verstehen, also hat man es in dickeren Strichen gemalt, als gut war.
Die ganze Last des Filmes ruht so auf Keira Knightly, die Darcys Kampf mit seinem Stolz und seinen Vorurteilen verständlich machen soll. Sie macht ihre Sache an sich ganz gut, was aber sehr stört ist die frappierende Ähnlichkeit mit Winona Ryder, und die an Ryders frühe Rollen erinnernden Girlyattitüden, mit denen Knightly ihrer Figur schadet. Die Elizabeth Bennet des Romans ist eine 23 jährige Dame, die äußerst gebildet und intelligent ist. Diese Figur hat Jennifer Ehle in der BBC-Serie perfekt verkörpert, die Aktualisierung, die Knightly vornimmt, soll sie wohl einem Publikum sympathisch machen, das mit Jane Austens Romanen und der Zeit, in denen sie spielen, nicht vertraut ist. Man darf sich schon fragen, wie viele dieser Kunden den Film wirklich ansehen. Als Starvehikel taugt die Handlung eigentlich nicht.
Matthew MacFayden läuft als Mr. Darcy die meiste Zeit mit einem leicht melancholischen Gesichtsausdruck herum, den er bis zur Schlusseinstellung nur einmal kurz ändert: als er mit seiner Schwester zusammen ist. Nun ist aber gerade diese Rolle davon abhängig, dass der Darsteller ohne Worte verschiedene Gefühls- und Gemütszustände zum Ausdruck bringt, da Darcy jemand ist, der nicht viele Worte macht und wenn, dann sehr auf die Formen bedacht ist. Das gelingt MacFayden nur begrenzt. Sein Darcy bleibt etwas zu flach
Die Schlusssequenz des Films bietet dann noch einmal einen Einsatz unfreiwilliger Komik. Darcy und Elizabeth gehen im Morgengrauen mit leicht derangierter Kleidung aufeinander zu. Als Monty Python Kenner fühlt man sich an einen Running Gag aus dem alten Flying Circus erinnert: zwei Personen rennen endlos aufeinander zu und rufen dazu jeweils den Namen des anderen. Gut hier geschieht das schweigend, aber trotzdem wirkt das etwas cheesy.
Alles in allem ein gut gemachter Film, der nur keine adäquate Umsetzung der Romanvorlage ist. Man ist überrascht, dass das eine britische Produktion sein soll; Zu sehr erinnert die Inszenierung und das Spiel der Darsteller an amerikanische Mainstreamfilme, in denen man Werktreue oder wenigstens historische Korrektheit aber auch nicht erwarten würde.

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