Brenda Blethyn und Donald Sutherland spielen die Eltern von fünf Töchtern, die nun versuchen alle ihre Kinder möglichst gewinnbringend zu verheiraten. Als dann im Nachbarhaus eine wohlhabende Familie mit einem unverheirateten Sohn einzieht, gelingt es einer der Töchter, gespielt von Keira Knightley, das Interesse des Jungen zu gewinnen, da sie ihn jedoch für einen karrierefixierten Geschäftsmann hält, beginnt der Kampf der Geschlechter.
Ich war noch nie ein Fan solcher Kostüm-Filme und habe auch an Klassikern wie "Wiedersehn in Howards End" und "Barry Lyndon" nie Gefallen finden können, allerdings konnte mich "Stolz und Vorurteil" dennoch ordentlich unterhalten und dies ist im Wesentlichen der Verdienst von Joe Wright. Right, der zuvor mit "Charles II: The Power and the Passion" bereits Erfahrungen im Genre sammeln konnte und später mit "Abbitte" erneut eine überaus erfolgreiche Literaturverfilmung inszenierte leistet sehr starke Arbeit. Selbst im Vergleich zu anderen bekannten Kostümfilmen ist die Ausstattung hervorragend und ahnsehnlich, genauso wie die opulent bebilderte Kulisse, die von der ersten bis zur letzten Minute farbenfroh und mit Liebe zum Detail in Szene gesetzt wird. Wie bei den meisten Filmen des Genres ist also ein enorm hoher Schauwert gegeben, der durch das starke Spiel der Darsteller noch weiter verstärkt wird. Die Musik ist ebenfalls sehr stilvoll und für Fans des Genres wird "Stolz und Vorurteil" so auf jeden Fall ein Genuss sein, zumal die ganze Zeit über eine nostalgisch heitere Atmosphäre besteht, von der der Film über weite Strecken lebt. Zum Glück entscheidet sich Wright, die Handlung schnell ablaufen zu lassen und produziert so für einen Kostümfilm beachtlich wenig Leerlauf und kann solide unterhalten. Er baut einige Gags mit ein und macht aus der Vorlage eine heitere und muntere Liebes-Komödie, die eine gelungene Abwechslung zu den alten, sperrigen und langatmigen Literaturverfilmungen bietet. Spannung kommt dennoch nicht auf, da der Film dann doch zu gradlinig auf sein Happy End zusteuert und man von einer Jane-Austin-Verfilmung eigentlich prinzipiell ein solches Ende erwartet.
Die Kehrseite der Medaille ist in diesem Fall jedoch, dass die Gesellschaftskritik, die in der Literaturepoche von Vorlagen-Geberin Jane Austin existenziell für fast alle wichtigen Werke war, in den heiteren Gags und der farbenfrohen Umsetzung mehr oder weniger komplett untergeht. Einen Teil der Kritik hält Wright aufrecht, aber wer sie nicht mit aller Macht finden will, für den ist sie zu schwammig geraten. Kommerziell gesehen war es für "Stolz und Vorurteil" sicherlich vorteilhaft gewesen, da sich Unterhaltungskino im Allgemeinen besser verkauft, aber so ist das Werk zwar erfrischend munter, dafür aber schlicht und einfach belanglos und überflüssig, zumal "Stolz und Vorurteil" bereits sechs mal verfilmt wurde, darunter eine größere Kino-Produktion von 1940 mit Laurence Oliver. Und auch die ordentliche Charakterkonstruktion und die konkrete Darstellung der gesellschaftlichen Schichten ändert diesen Beigeschmack nicht.
Aber Joe Wright leistet nicht nur bei der Inszenierung starke Arbeit, er beweist ebenfalls ein überaus glückliches Händchen bei der Wahl seines Casts. Keira Knightley ist in diesem Fall natürlich der Glücksgriff schlecht hin und darf nach eher ungünstigen Rollen in Blockbustern wie "King Arthur" und "Fluch der Karibik" erstmals ihr schauspielerisches Talent unter Beweis stellen. Außerdem passt sie mit ihrem grazilen und edlen Äußeren, mit dem sie fast wie eine zweite Audrey Hepburn wirkt, perfekt in die Rolle und stellt alle anderen Darsteller mit ihrer hohen Leinwandpräsenz locker in den Schatten und wurde somit zu Recht für den Oscar nominiert. Sie weckt einmal mehr perfekt den männlichen Beschützerinstinkt und ist in ihrer Rolle überaus sympathisch und damit absolut perfekt besetzt. Matthew Macfadyen spielt charmant und sympathisch, wie man es verlangt und gibt mit Knightley ein perfektes Paar ab. Die Darstellerinnen, die Knightleys Schwestern spielen schere ich jetzt einfach mal über einen Kamm. Sie spielen überzeugend, reden aber dermaßen schnell und rennen die ganze Zeit über euphorisch wie auf einem Koffein-Trip durch die Gegend und nerven mit dieser Mischung aus Kindergarten und Hühnerstall die ganze Zeit über. Der übrige Cast, zu dem unter Anderem Donald Sutherland, Brenda Blethyn und Judi Dench gehören, kann sich ebenfalls sehen lassen.
Fazit:
Die Ausstattung ist klasse, die Kulisse perfekt und die Darsteller, allen voran die grazile Keira Knightley, können sich sehen lassen. Aber trotz dieser opulenten Optik bietet "Stolz und Vorurteil" nicht viel über solide Unterhaltung hinaus, da er zu vorhersehbar auf sein Ende zusteuert und zu Gunsten von ein paar Lachern und äußerlicher Ästhetik Jane Austins Gesellschaftskritik deutlich verblassen lässt.
62%