Review

Gerade für mich als (Amateur-)Comiczeichner hätte „Monkeybone“ ein echtes Event werden können. Die Herleitung der Entstehung von Comicfiguren, die psychologischen Ausgangspunkte dieser Figuren, verschiedene Kunst- und Zeichenstile, visuelle Kreativität, Identifikationspotential über den Comiczeichner... all das gibt es, leider aber nur auf dem Papier in der Form, wie man es sich vorstellt. Was man auf der Leinwand sieht, ist nichts als ein wirrer Versuch, die genannten Elemente in einen Film zu pressen und das Ganze an ein undefiniertes Zielpublikum zu verkaufen.

Gewiss, visuell besticht Henry Selicks Film durch einen augenschmeichelnden Querschnitt durch die Kunstgeschichte, bei dem Interessierte die ein oder andere Parallele finden dürften (der Bulle am Tresen etwa ist „Guernica“ nachempfunden). Im Gegensatz etwa zu „Beetlejuice“ bleibt der Zuschauer davon aber emotional unberührt. So wie die skurrilen Einfälle auf der Leinwand erschienen sind, hat man sie auch wieder aus dem Gedächtnis gelöscht. Das mag unter anderem daran liegen, dass Vieles ohne Motivation und weiteren Sinn einfach so eingefügt wurde. So funktioniert die Kunst eben nicht. Die dargestellten Bilder sind immer der Ausdruck eines bestimmten Sachverhalts. Impressionismus, Expressionismus, Kubismus, Naturalismus... das sind alles Werkzeuge, um dem Betrachter eine Intention nahezulegen. Eine solche kommt bei „Monkeybone“ in Bezug auf die dargestellten Skurrilitäten aber nur selten auf.

Davon abgesehen, überzeugt aber auch der filmische Unterbau nicht, was mehrere Gründe hat. Brendan Fraser als Comiczeichner Stu zu verpflichten, liegt sicherlich nahe, hat er doch seine Fähigkeit zum affigen Herumalbern in bunter Umgebung mehrfach unter Beweis gestellt, so etwa in „George, der aus dem Dschungel kam“, „Teuflisch“ oder den „Mumie“-Filmen von Stephen Sommers. Und erwartungsgemäß läuft Fraser zur Hochform auf, wenn er „vom Affen besessen“ ist. Wie ein Wahnsinniger springt er durch die „Monkeybone“-Werbelandschaft, grunzt und quiekt, macht sich eben im Sinne seiner Rolle zum Affen. Der springende Punkt ist aber: ursprünglich ist Stu ein schüchterner, zurückhaltender Mensch, der die Öffentlichkeit scheut. Für eine solche Aufgabe ist Fraser aber einfach zu hibbelig. Selbst bei der Premiere der „Monkeybone“-TV-Serie kann er sich ein Grinsen und Schütteln der eigenen Hand nicht verkneifen, als der Scheinwerfer auf ihn trifft – obwohl er laut Drehbuch verschämt in der Ecke sitzen soll (ich gehe jedenfalls mal davon aus, dass das Grinsen Improvisation ist). Zur erhofften Identifikationsfigur wird der Protagonist daher leider nicht; stattdessen zu einer abstrakten Person, die ihren eigenen Kreationen in nichts nachsteht. Da muss man sagen, den Spagat zwischen Verlierer und Clown hat Jim Carrey in „Die Maske“ weitaus besser hingekriegt, worin sich dann auch ein Klassenunterschied zwischen Carrey und Fraser zeigt.

Der Unsympath des Films ist aber ausgerechnet das zwar charmant mit Stop Motion-Technik (oder zumindest eine solche vortäuschende) animierte, jedoch unglaublich nervige Produkt von Stus Fantasie: Monkeybone. Das Drehorgeläffchen wird erstmals in einem etwa einminütigen Zeichentrick bei der Premiere gezeigt. Hier funktioniert das Konzept noch wie geplant. Man erfährt, dass der verrückte Affe eine unterdrückte Persönlichkeit des verschlossenen Zeichners ist, die in einer extrem ungünstigen Situation als eine Art Phallussymbol entfesselt wird und ihren Bedürfnissen ungehemmt freien Lauf lässt. Beinahe würde man sagen, ein solcher Zeichentrick hätte trotz des gewöhnungsbedürftigen Zeichenstils tatsächlich Potential für das TV-Format.

Als man ihn dann aber erstmals in der Unterwelt in Aktion erlebt, würde man ihn am liebsten in eine noch tiefer gelegene Unterwelt verwünschen. Zwar soll das Vieh auch nervig sein, allerdings auf eine lustige Weise. Aber Monkeybone ist nicht lustig, sondern einfach nur penetrant.
Dass Stu Miley überhaupt auf sein eigenes Alter Ego trifft, hat er der Story zu verdanken. Die ist eindeutig auf ein junges Publikum ausgelegt und verträgt sich deswegen nicht mit der vor lauter Insider strotzenden Kunstwelt, welche wiederum eher das erwachsene Publikum anspricht. Wie schon angedeutet, gibt es ein klar definiertes Zielpublikum deswegen nicht; ein Problem, mit dem später noch Ang Lees „Hulk“ zu kämpfen haben sollte.
Wie auch immer, jene Story sieht so aus: Stu gerät in einen Unfall und fällt ins Koma, wird in die Unterwelt befördert, trifft dort auf sein Alter Ego, will wieder ins leben zurück, benötigt dafür aber eine Art „Eintrittskarte“, welche sich jedoch der Affe schnappt und damit in die wirkliche Welt gelangt: im Körper Stus. Seine Frau (Bridget Fonda) ist zuerst überglücklich, dass er wieder erwacht ist, muss dann aber feststellen, dass er nicht mehr der Alte ist. Sein wahres Ich hängt nämlich jetzt in der Unterwelt fest...

Lediglich vereinzelte Ideen vermögen zu überzeugen. So etwa das Eintauchen Stus in sein eigenes Alptraumbild ein visueller Genuss, wie auch der Alptraum seiner Frau, ganz zu schweigen davon, was Hunde in ihren Träumen so alles erleben. Außerdem hat man noch einen sehr seltenen Stargast zu bieten, der sich mit Edgar Allen Poe und anderen den Müll teilen muss.

Andere Elemente der Unterwelt wirken dagegen unmotiviert oder überflüssig. Whoopi Goldbergs Darstellung des „Tod“ ist so langweilig wie vorhersehbar. Der Versuch des Einaus von Selbstironie findet statt, verfehlt aber wegen der immensen Vorhersehbarkeit seine Wirkung.
Nicht besser läuft es in der realen Welt: die in einer großen Party mündende Vermarktung mit einem vollkommen überflüssigen Storykniff um die Verbreitung eines Giftstoffes kann zu keinem Zeitpunkt überzeugen. Zum Ende hin schafft es Fraser, das Hasspotential auf den animierten Affen mit seiner eigenen Mimik noch zu übertreffen. Einziger Lichtblick ist der wundervolle Chris Kattan, der wohl nie besser und intensiver seine physische Komik vortragen durfte als hier. Erstmals im Film darf man wirklich aufrichtig grinsen ob seiner Darstellung eines toten Joggers, der mit gebrochenem Genick und offenem Bauch unter ständigem Verlieren irgendwelcher Organe durch die Pampa rennt.

Nicht genug jedoch für einen Film, der unter dem Strich kaum seine Erwartungen übertreffen kann. Es sind einfach zu viele Punkte unstimmig: der Hauptdarsteller bietet kaum Identifikationspotential, bezüglich des Verhältnisses zwischen Handlung und Optik kann man sich nicht auf ein Publikum einigen, und die Visuals sind zwar schön, machen aber nicht satt. Nur vereinzelte gute Ideen und nette Überraschungen verhindern den vollkommenen Absturz.

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