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Was muss man sich als TV-Zuschauer seitens der Sender RTL und Pro7 noch alles gefallen lassen? Nicht nur, dass gute Serien einfach grundlos mitten in einer Staffel abgebrochen werden, sondern man bekommt noch beknackte Eigenproduktionen, die oftmals nur billige Kopien von US-Vorbilder sind, geboten. Filme wie "Das Blut der Templer" und "Die Nibelungen" dürften da lediglich Ausnahmefälle sein, da mittelmäßige sowie miese Werke wie "Hai-Alarm auf Mallorca", "Held der Gladiatoren", "Crazy Partners" und "Tsunami" überwiegen. Nun hat sich Deutschlands Action-Guru No.1Hermann Joha vorgenommen, den Martial Arts - Film mit seinen bescheidenen Produktionen zu infizieren. Denn der von ihm produzierte "Im Auftrag des Vatikans" entpuppt sich als lahmer Mix aus "Alarmstufe: Rot 2", "Kung Fu - Im Zeichen des Drachen" und "The Bullettproof Monk", ohne dabei die Qualität der jeweiligen Vorlagen erreichen zu können. Die Action mag hier noch stimmen, dafür ist aber der Rest altbekannt, einfallslos und lächerlich.

In einem Kloster hofft Lasko (Mathis Landwehr) vor den quälenden Erinnerungen an seine Zeit als Soldat im Kosovo Ruhe zu finden. Wegen seiner kämpferischen Fähigkeiten fällt er bald Bruder Matthias (Simon Dutton) auf, der nach einem Nachfolger für den Geheimorden "Pugnus Dei" sucht. Hier werden Mönche für das Gute auch mal handgreiflich. Eine Pilgerfahrt nach Lourds wird zu Laskos Bewährungsprobe: An Bord des Zuges befinden sich auch Gangster Lennart (Arnold Vosloo) und seine Leute. Sie haben ein Killer-Virus gestohlen und drohen, alle im Zug befindlichen Pilger zu töten. Lasko muss zeigen, was er wirklich kann...

Der Star des Films ist eindeutig Arnold Vosloo (Harte Ziele), der seinen Part des Schurken routiniert über die Bühne zieht, ohne dabei lächerlich zu wirken. Was ihn dazu getrieben hat, in dieser Produktion anzuheuern, wird wohl ein Rätsel bleiben. Dennoch sieht man, dass Vosloo eine Menge Hollywood-Erfahrung mitbringt und bei weitem nicht so laienhaft agiert wie Hauptdarsteller Mathis Landwehr (Kampfansage). Mit ihm als lokalen Hero will man einfach nicht so richtig warm werden und es fehlt auch die entsprechende Sympathie, die man mit einem Actionheld empfinden muss. Oftmals wirkt Landwehr einfach nur überfordert und macht den Eindruck, dass in den Actionsequenzen ein Double für ihn eingegriffen hat. Die restlichen Darsteller reichen von passabel über deplatziert bis zu lächerlich. Halt alles dabei, ohne das auch nur einer wirklich herausragen kann.

Einer der wenigen Pluspunkte bei "Im Auftrag des Vatikans" ist die Action. Hier kennt sich Produzent Joha aus, wenngleich seine Produktionen nie an Jerry Bruckheimer-Qualitäten heranreichen. Es gibt zahlreiche Explosionen, die allesamt schön anzuschauen sind. Da fliegen zerschrottete Autos durch die Luft und ein Helikopter kracht im Showdown mit einem fahrenden Zug zusammen. Das Highlight in Sachen Action ist aber wohl der Abschuss eines Helikopters per Stinger-Rakete. Ergänzt wird die Pyrotechnik noch von einigen Martial Arts - Einlagen, die jedoch mehr durch unnötigen SloMo-Einsatz statt mit Innovationen glänzen können. Zu sehr versucht man hier den Stil von "Matrix", "Romeo must die" & Co. nachzuäffen, weshalb Freunde von Old School-Kloppe a'la "Lethal Weapon" und "Bloodsport" sicherlich enttäuscht werden. Gemordet und geballert wird dann auch noch etwas, aber alles recht unblutig und jugendfreundlich. Natürlich versteht es sich von selbst, dass Action aus dem Hause Joha jeglichen logischen und physikalischen Gesetzen trotzt. Die ordentliche Action wird allerdings stark durch den restlichen Film gemindert. Die Handlung ist durch Genre-Vertreter wie eben "Alarmstufe: Rot 2" bekannt und kann so wenig Spannung erzeugen. Man kann zu vieles schon voraus sehen, weshalb der Spaß zu kurz kommt. Diesen wollte man dann stattdessen mit aufgesetzt wirkenden Szenen um einen Blinden und dessen unfähigen Betreuer erzeugen, was aber ziemlich fehlschlägt. Für ein wenig Humor kann immerhin Vosloos "Luzifer Reisen"-Ansage sorgen. Leider musste man dem lokalen Hero noch ein Weibchen inklusive nervendem Bengel zur Seite stellen. Besagter Bengel nervt nicht nur bis zur Unerträglichkeit, sondern hätte schon allein dafür Prügel verdient, dass er BVB-Fan ist. Aufgrund des hier vorherrschenden Genres hat man auch diverse Klischees nicht vermieden. So schlagen freilich alle Aktionen seitens der Polizei ins Wasser, und der zuständige Befehlshaber ignoriert sämtliche Warnungen und nimmt locker das Leben von unzähligen Unschuldigen in Kauf. Was die Location angeht hat man hingegen wenig falsch gemacht, da sowohl die Innenaufnahmen des Zuges sowie die Außenaufnahmen der Landschaften überzeugen können. Da zudem noch Bildmaterial von Paule und nicht von Ratze verwendet wird, sieht man auch, dass "Im Auftrag des Vatikans" nicht mehr auf dem neusten Stand ist und wohl schon länger im Archivregal von RTL vor sich hin vergammelt ist.

"Im Auftrag des Vatikans" ist eine typische TV-Produktion aus Deutschland, da man auch hier erfolglos versucht amerikanische Vorbilder zu kopieren, und echtes Action-Feeling einfach nicht aufkommen will. Und was die Matrial Arts - Szenen angeht kann man den Film eh vergessen, da Landwehr oftmals recht verkrampft ans Werk geht und wenig überzeugen kann. Da bleibe ich lieber bei Van Damme und Jet Li. Wenigstens können Arnold Vosloo und die brauchbare Action ein wenig das enttäuschende Gesamtbild aufwerten.

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