KEINE SPOILER - ich schreibe nur meine Meinung zum Gesehenen, nichts zum Inhalt, so kann man nach dem Lesen meiner Kritik den Film noch voll auskosten. Ich ziehe lediglich Vergleiche heran, um dem Leser die Qualität eines Films näherzubringen.
Die Rahmenhandlung ist bereits treffend bei OFDb unter Inhalt nachzulesen.
Wer mit Filmen vor 1980 tendenziell wenig anfangen kann, sollte nicht weiter lesen.
Und wer Vorbehalte bei Werken vom Schlag eines Repulsion (1965) von Roman Polanski, Frenzy (1972) von Hitchcock oder Cannibal Man (1972) von Eloy de la Iglesia hat, ist hier ebenso falsch. Bei diesen Thrillern sind Vergleiche angebracht.
Open minded Giallo Fans hingegen rate ich dringlichst zu diesem kleinen Meisterwerk. Hier ist man nämlich viel besser aufgehoben, als den zehnten drittklassigen Versatz von guten Giallis zu konsumieren. In Atmosphärischer Dichte ist diese Perle selbst einigen guten überlegen. Gewalttätig ist er auch, ohne nur von anderen abzukupfern. Das ist nichts für zwischendurch, man sollte in Stimmung dazu sein.
Symptoms ist ein ganz außergewöhnlicher britischer Beitrag, der sogar als offizieller britischer Eintrag für die Palme d’Or (Goldene Palme) des Cannes Festival 1974 vorgelegt wurde.
Gewonnen hat den Preis, in diesem Fall mit Recht: The Conversation von Coppola.
Bis BFI den Film 2014 "ausgegraben" haben gab es keine offiziellen Auswertungen auf VHS oder DVD. Die BFI Flipside Blu-Ray Combo war meine Quelle um den Film in erwartungsgemäß guter Qualität erleben zu dürfen.
Meine ersten Gedanken, nur zu Beginn des Films, waren klassischer Gothic-Horror...mit Bildern wie sie das Studio Hammer Films hervorbrachte, nur eben in einem inhaltlich moderneren Ansatz.
Der Regisseur José Ramón Larraz, welcher durch den ebenfalls aus den 70ern stammenden VAMPYRES am ehesten jemandem ein Begriff sein wird, hatte bei Symptoms technisch wie künstlerich offenbar seinen Höhenflug.
Die Geschichte beginnt ganz beschaulich nahezu romantisch, in langsamen idyllischen Bildern und erstklassiger Schnittfolge und hält das Niveau bis zum Finale. Im Verlauf wird das Geschehen zunehmend psychologischer zum blutigen Finale. Kein splattriges Blutbad, aber irgendwie schon recht blutig und auch hart wirkend, ohne sehr graphisch zu sein. Hart in einer Weise wie Hitchcock seine Morde womöglich noch zelebriert hätte, wäre er jünger gewesen. Ich verweise auf die legendären Dusch-Szene in Psycho (1960) hart durch gutes Editing ohne grafisch zu sein.
Das hier dargebotene ist klar blutiger, aber ohne Splatter zu sein.
Symptoms lässt sich gut in 3 Teile zerlegen:
- Atmosphärische Einleitung
- Psychologisches Zwischenspiel
- Gewalttätiges Finale
Darstellerisch wüsste ich rein gar nichts, was ich an Angela Pleasance (der Tochter von Donald Pleasence) und Ihrer Mitstreiterin Lorna Heilbron zu bemängeln wäre.
Die Filmmusik vom alten Routinier John Scott u.a. The Long Duel (1967) ist ist tonal passend und unterstützend.
Zu erwähnen bleibt noch ein klein bisschen Nacktheit der Protagonistinnen. Nicht viel, aber schön inszeniert.
UNTERM STRICH:
10 von 10 Punkte um den Schnitt zu heben. Verdient hat er realistisch mindestens 8, da er nicht das Rad neu erfunden hat, aber in der Ausführung ein ganz ausgezeichneter Thriller ist.