Review

Ein absoluter Klassiker aus dem Jahr 1939. In den vereinigten Staaten gehört der Film zum kollektiven Bewusstsein und ist der Märchenfilmklassiker schlechthin. Basierend auf einem Roman ist das mindestens die fünfte Verfilmung (die Special Edition hat ältere mit an Bord), aber die erste als Tonfilm und zudem die, die am dichtesten an der Vorlage bleibt. Die Geschichte ist extrem generisch, die Reise der Heldin, die Begleiter, die auf der Suche sind, aber das Ziel schon in sich tragen, all das kennt man mittlerweile und es war auch zur Zeit der Erstveröffentlichung alles anderer als neu. Der Erfolg basiert eher auf der Umsetzung.
Für moderne Seher ist das Umschalten von schwarz-weiß im tristen Kansas zur Farbe im wundervollen Land Oz eher unspektakulär, da für uns der Anfang eher exotisch ist, im Kino muss das aber sensationell gewirkt haben. Farbe im Film war alles andere als neu, aber doch eher die Ausnahme, dazu haben wir hier wunderschönes, knallbuntes Technicolor, das die Fremdheit von Oz noch unterstützt. Auch zeitlos sind die Lieder – vor allem Somewhere over the Rainbow, aber auch Follow the yellow brick road oder Ding Dong the witch is dead sind extrem häufig aufgegriffen und parodiert worden.
Die filmhistorische Wirkung kann also gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Funktioniert der Film aber auch noch als das, was er eigentlich sein soll, als unterhaltsames Märchen? Absolut, auch wenn einiges ein wenig albern wirkt. Judy Garland als Dorothy ist herrlich. Wenn sie am Anfang auf dem Zaun singt und sich in das Land jenseits des Regenbogens wünscht, fühlt man mit ihr, ihre umwerfende Naivität trägt durch das gesamte Abenteuer und dient als Ankerpunkt der Beziehungen. Der Kniff, Figuren im drögen, von der Depression gezeichneten Kansas durch gleiche Schauspieler in Oz spiegeln zu lassen, unterstreicht den Märchencharakter. Setpieces wie das Dorf der Munchkins (teilweise von Darstellern aus dem Horrorfilmmeisterwerk Freaks (1933) gespielt), der Turm der bösen Hexe und die Stadt des Zauberers sind immer noch beeindruckend.
Schwachpunkt ist und bleibt das Ende. Am Ende schlägt Dorothy die Schuhe zusammen und sagt „nirgends ist es schöner als zuhaus“, um zurück zu kehren in das deprimierende und deprimierte Amerika des Jahres 1939 (gezeichnet von Wirtschaftskrise und beginnender Kriegsangst) – nö. Auch wenn das natürlich für das Erwachsenwerden steht, wären wohl alle Zuschauer lieber in Oz geblieben…
Sieben von zehn Vogelscheuchen, Zinnmännern und Löwen.

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