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Sicherlich ist „Holt Harry raus!“ kein Meisterwerk, aber auch nicht wirklich so schlecht, dass man sich hinter dem Pseudonym Alan Smithee verstecken müsste, wie Regisseur Stuart Rosenberg es tat.
Der amerikanische Ingenieur Harry Burck (Mark Harmon) arbeitet in Kolumbien an einem Bauprojekt, das auch von einem US Botschafter besucht wird. Rebellen nehmen dies zu Anlass den Botschafter zu kidnappen und Harry gleich mit einzusacken. Daheim in den USA freuen sich Harrys Bruder Corey (Michael Schoeffling) und seine drei engsten Freunde schon auf seine Rückkehr, als sie die Nachricht erhalten. Schnell wird klar, dass „Holt Harry raus!“ die Fahne des kleinen US Mannes hochhält; schon allein wenn der Ingenieur Harry sich heldenhaft mit einem Schraubenschlüssel gegen die Rebellen verteidigt.
Zu Hause ist man betroffen und setzt sich mit den Behörden zwecks Freilassung von Harry auseinander, doch diese interessieren sich nicht für ihn und wollen seine Freunde nicht anhöre. Doch die vier Freunde fassen einen eigenen Plan, lassen sich von dem reichen Autohändler Jack (Gary Busey) finanzieren und kaufen den Söldner Shrike (Robert Duvall) ein, um Harry selbst rauszuholen. Und die Fahne des kleinen Mannes wird noch höher gehalten: Da die Regierung nur aus Pappnasen besteht, muss man natürlich selbst in den Terrorstaat fliegen.

Auch wenn nicht alle unbedingt begierig auf die Mission sind, so fliegen die vier Freunde jedoch für ihren Kumpel Harry runter nach Kolumbien, Jack und Shrike mit im Gepäck. Auch wenn sich recht schnell Komplikationen ergeben, so machen sich die sechs unermüdlich auf die Suche, auch wenn nur Shrike Erfahrungen mit derartigen Aktionen hat...
„Holt Harry raus!“ steht ganz klar im Zeichen seiner Zeit, die einige ähnliche Filme im Sog des „Rambo 2“-Erfolges rausbrachte, darunter z.B. „Missing in Action“ oder „Die verwegenen Sieben“. So häufen sich auch hier Klischees: Die amerikanischen Behörden kriegen nichts gebacken und scheren sich einen Dreck um die kleinen Leute, in Kolumbien sind nahezu alle entweder böse und total korrupt oder hilflose Opfer und der kleine US Bürger der wahre Held der Arbeiterklasse. Da bringen auch die kläglichen Versuche nichts, dem Heldengespann die ein oder andere Schattenseite zu verpassen.
Die Story ist alles in allem recht solide erdacht und lässt keine größeren Längen aufkommen, auch wenn die Spannung nur durchschnittlich hoch ist. Dabei versucht der Film kein hirnloses Actionfeuerwerk zu sein, was angesichts der patriotischen Story nicht die beste Idee ist. Immerhin ist die wenig actionreiche Odyssee der US Kleinbürger in Klischeekolumbien relativ gut inszeniert worden und ist zwar meist belanglos, aber selten langweilig.

Die Actionszenen sind nicht allzu zahlreich und beschränken sich größtenteils auf das Ende des Films. Dabei gibt es nur einige Shoot-Outs zu sehen; die wenigen Stunts sind nicht wirklich nennenswert. Doch wenn es dann mal rundgeht, dann ist die Action eigentlich immer handwerklich ordentlich inszeniert und kann zumindest Fans ganz nett unterhalten. Vor allem die Schießerei in den Ruinen bietet ein paar überraschend blutige Einschüsse, aber ansonsten ist der Film nicht allzu hart.
Robert Duvall, Mark Harmon und Gary Busey sind die professionellsten Schauspieler an Bord und das merkt man ihnen auch an, obwohl beide schon überzeugenderes abgeliefert haben. Immerhin sind die ihre Leistungen hier doch zufriedenstellend und auch die restlichen, allesamt ziemlich unbekannten Darsteller machen ihre Sache ganz ordentlich.

So bleibt alles in allem ein recht klischeehafter, aber ganz unterhaltsamer Raushol-Film der 80er Jahre, der durch solide Action und ganz gute Machart auf Durchschnittsniveau kommt.

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