Review

Jon Avnet, der mit „Grüne Tomaten“ ein wunderbares Südstaatenflair auf die Leinwand zauberte, zieht es mit „Das Baumhaus“ erneut in diese Gegend.
Wir schreiben das Jahr 1970, Sommer in Mississippi: Familienvater Stephen (Kevin Costner) kehrt traumatisiert aus Vietnam zurück, während sich seine beiden Kinder Stu (Elijah Wood) und Lidia (Lexi Randall) einen erbitterten Kampf mit der heruntergekommenen Sippe der Lipnickis liefern.

Die Parabel über die Sinnlosigkeit des Krieges – sei es die in Vietnam oder die zwischen verfeindeten Kinderbanden – miteinander zu verflechten, überzeugt nicht komplett.
Zu konstruiert und fahrig wirkt der Aufbau der Geschichte, die zwischen „Stand by me“ und „Wer die Nachtigall stört“ recht unentschlossen pendelt
Dabei schwanken die Emotionen von Tragik über Humor bis zu spannungsgeladenen Actionszenen und lassen doch einen roten Faden vermissen.

Auf der einen Handlungsebene haben wir den Familienvater, der nach Vietnam unter posttraumatischem Stress leidet, keine dauerhafte Arbeit findet und bemüht ist, seinen Kindern eine gewaltfreie Einstellung auf den Weg zu geben.
Mit seinen Szenen gehen zwei Flashbacks aus dem Kriegsgeschehen einher, die die Sinnlosigkeit des Kämpfens, aber auch den psychischen Schaden der Beteiligten verdeutlichen.

Auf der anderen Ebene, die weitaus mehr Zeit in Anspruch nimmt, stehen die Kinder, die einen erbitterten Kampf um das Baumhaus führen, was gegen Ende ebenfalls wie ein Kriegsschauplatz anmutet.
Auch hier greift die Aussage gegen das Kämpfen, wenn die Kids mit Rauchbomben um sich werfen und sogar ein Feuer ausbricht.

Doch beide Ebenen miteinander zu verflechten, gelingt erst gegen Ende, denn bis dahin bietet das Geschehen zwar eine Menge sympathischer, aber auch dramatischer Szenen, doch alles ein wenig unentschlossen, ohne einen Abschnitt deutlicher zu vertiefen.

Da gibt es Szenen, die für sich Emotionen aufkommen lassen, jedoch in keinem Kontext zum Kern der Handlung stehen:
Beim Sommerunterricht diskriminiert die spießige Lehrerin die farbige Elvadine, die sich daraufhin mit einem minutenlangen Plädoyer aus dem Stehgreif zur Wehr setzt.
Aber weder die Lehrerin, noch Elvadine sind für den weiteren Verlauf der Handlung relevant.

Auch einige Tanzeinlagen und Gesänge der Mädchen treiben die Geschichte nicht voran, sondern unterstreichen allenfalls die zeithistorische Zuordnung durch die Songs der späten 60er.

Zudem wächst der Kitschfaktor im Verlauf zusehends. Wenn Costner Sätze wie „In der Liebe erfahren wir Gottes Wunder“ von sich gibt, um kurz darauf einen Arbeitskollegen vorm sicheren Tod zu retten (und damit das Vietnamtrauma zu bereinigen), wirkt das zu gestelzt und zu konstruiert.

Woran aber liegt es nun, dass meine Bewertung dennoch über Mittelmaß ausfällt?
Nun, da ist primär die fantastische Besetzung an Jungdarstellern anzuführen.
Die Bösewichte überzeugen ebenso, wie die Nebenfiguren, aber so richtig gut ist der damals zwölfjährige Elijah Wood, der einen Kevin Costner (der auch gut agiert) locker an die Wand spielt. Er zeigt ein natürliches Spiel und beweist vor allem in emotionalen Momenten sein ausgeprägtes Talent.

Dazu kommen die farbenprächtigen, wunderbar gewählten Naturkulissen, die von einem warmherzigen Score begleitet, eine stimmungsvolle Abenteueratmosphäre schaffen.
Um es abzukürzen: Die Stimmung und die überaus guten Darsteller bügeln das etwas flatterige Drehbuch ordentlich glatt.

Dazwischen wirkt das Plädoyer gegen Krieg und Gewalt wie eine weitere Zutat, die Avnet gemeinsam mit vielen anderen in sein Baumhaus hineinpackt.
Das Ergebnis bringt dennoch streckenweise ein paar schöne Szenen, Passagen zum Schmunzeln, Momente von Nachdenklichkeit und Tragik.
Aufgrund der hervorragenden Darsteller und der an „Stand by me“ erinnernder Atmosphäre knapp über Durchschnitt,
6 von 10 Punkten

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