Über den Genozid in Ruanda wurden schon mehrere Filme gedreht, populärster Vertreter sicherlich "Hotel Ruanda". Alle hatten sie eines gemein: Einzelne Schicksale hervorheben, wenig Hintergründe beleuchten und schon gar nicht die Aufarbeitung nach 1994. Teilweise nichtmal in Ruanda gedreht standen und stehen die meisten Filme harsch in der Kritik: dem unbedarften Zuschauer wird ein fälschliches Bild geliefert über das entsetzliche Ausmaß des ganzen Dramas.
Hier setzt Raoul Peck 2005 an mit "Sometimes in April". Dieser Film ist anders. Zunächst liefert er Fakten über die Hintergründe des Konflikts, so daß der Zuschauer überhaupt in die Lage versetzt wird zu begreifen wieso die Hutu 1994 die Tutsi-Minderheit angriffen. Doch viel besser wird der Film wenn man ihn vollends in seiner Gesamtheit betrachtet: Reflektierend aus dem Jahr 2004 (aus Sicht des Kriegsverbrechertribunals in Arusha, Tanzania) beleuchtet der Film den Konflikt als Ganzes, erst zum Schluß schließt sich der Kreis um das persönliche Schicksal des Protagonisten. Das Leid der Gesamtbevölkerung wird eingearbeitet, ohne Happy End und Love-Story, ja - "Sometimes in April" ist so gar nicht Hollywood-Konform, und das ist auch gut so.
Mehrfach taucht die Frage auf: Wer sind eigentlich die Bösen, wer die Guten? Diese Frage wird schon zu Beginn des Filmes gestellt durch eine Schülerin die ihren Lehrer Augustin zu diesem Konflikt befragt - er kann diese Antwort nur schuldig bleiben. Das Aufkommen der Frage selbst ist eine logische Konsequenz der Konfliktschilderung aus der Historie betrachtet zu Beginn des Films und wird konsequent durch den Film fortgeführt. "Wer sind die Guten, wer die Bösen?" fragt auch ein Politiker - auch hier kappt ein Schnitt und Szenenwechsel die schuldige Antwort.
Der Film ist schlüssig aufgebaut mit einem guten Konzept, ergreifenden Dialogen und Szenen und dabei mit sehr dezentem und passendem Score hinterlegt. Über die Schauspieler kann ich auch nur gutes Berichten: Idris Elba als Augustin, Fraser James als Xavier und Oris Erhuero als Honore machen ihre Sache sehr gut, auch die Mädels Carole Karemera als Jeanne und Pamela Nomvete als Martine können überzeugen.
Alles in allem ist "Sometimes in April" nicht nur der ergreifendste Film über den Ruanda-Genozid, er ist vor allem der historisch ausführlichste und objektivste Film der es tatsächlich schafft verschiedenste Sichtweisen zu einem Gesamtbild zu verknüpfen. Ein Film, der nicht nur schwarz-weiß malt und gerade deswegen besonders sehenswert ist.
(10/10)