Vor nicht allzu geraumer Zeit konnte ich endlich in den Genuss kommen, mir den Urvater der Haunted House-Filme anzuschauen, "The Amityville Horror" - so dachte ich jedenfalls vor dem Film. Denn während des Films wurden meine Augenlider immer schwerer und ich musste krampfhaft versuchen, bei dem langweiligen Hokuspokus nicht wegzupennen. Immerhin klärte sich eine der letzten Szenen aus "Scary Movie 2", aber dennoch war ich ganz und gar nicht begeistert. Nun also ein Remake vom Produzenten, der das Remake von "The Texas Chainsaw Massacre" schon in den Sand setzte (obwohl ich da das Original noch nicht kenne), Michael Bay. Das ließ meine Hoffnungen eigentlich gleich in den Keller sausen. Aber da ich mich gerne selbst von den Dingen überzeuge, bin ich also gleich am Startwochenende in den Film gelaufen.
1974 in Amityville bringt der Psychopath Ronald DeFeo seine gesamte Familie in ihren Betten mit einer Schrotflinte um. Er berichtet den Behörden, dass Stimmen im Haus ihm befohlen hätten, die Tat zu verüben.
Ein Jahr später bezieht die junge Familie Lutz, George (Ryan Reynolds), Kathy (Melissa George) und die drei Kinder Chelsea (Chloe Moretz), Billy (Jesse James) und Michael (Jimmy Bennett), das Haus, in dem die Morde geschahen. Das riesige, wunderschöne Haus löst, dank des niedrigen Preises, sofort Skepsis bei George aus. Als die Vermieterin ihnen von den Morden erzählt, willigen die beiden aber trotzdem ein und beziehen das Haus. Doch die Idylle hält nicht lange und die Fassade fängt an, zu bröckeln. In den 28 Tagen nach dem Einzug geschehen immer mysteriösere Dinge - Vater George wird aggressiv und verkriecht sich in den Keller, Tochter Chealsea findet eine neue Spielgefährtin in der kleinen Jody, die allerdings bei dem Mord vor einem Jahr starb...
Ich kann gar nicht so weit mit dem Vergleich von Original und Remake weitermachen, da es zwar noch nicht besonders lange her ist, dass ich das Original gesehen habe, aber ich kaum noch Erinnerungen habe - aufgrund der Spannungsleere blieb mir nicht viel im Gedächtnis.
Aber fangen wir mit dem an, was einen Horrorschocker, wie er von vielen Seiten angepriesen wurde, ausmacht: die Atmosphäre. Die Anfangssequenz, in der der Mord der Familie dargestellt wird, wie Ronald DeFeo nachts auf seinem Sofa aufwacht, er überall die Stimmen hört, die ihm befehlen, seine Familie zu töten, sich die Flinte schnappt und einen nach dem anderen im Bett, und wer vorerst weglaufen kann halt im Schrank, erschießt, ist soweit recht atmosphärisch. Das immer wiederkehrende Gewitter wird hier aber schlecht in Szene gesetzt. Die ganze Zeit folgen auf ein paar Filmsekunden schwarze Bilder, wenn es blitzt und donnert und das nervt, genauso wie es noch im Showdown der Fall sein wird. Der Rest des Pre-Titels ist sehr gut. Immer wieder wechselt sich das Geschehende mit den Polizeifotos der Leichen ab, wobei alles in einem verblichenen Braunton gehalten ist.
Ein Jahr später tritt dann das junge Ehepaar Lutz auf. Die drei Kinder, biologisch alle nicht von George, sind noch nicht ganz von ihrer neuen Vaterfigur überzeugt. Doch Kathy hält an ihm fest und erklärt ihnen immer wieder, dass sie sich an ihn gewöhnen müssen. Doch das soll sich in den nächsten 4 Wochen als sehr schwer herausstellen. Denn schon nach wenigen Tagen nach dem Einzug wird George aggressiv. Da reicht es schon, wenn einer der Jungs in "Georges" Keller geht, um ihn anzuschreien.
Dazu kommt, dass Kathy entdecken muss, dass Chelsea eine neue, imaginäre Freundin, Jody, hat. Alles gute Zureden hilft nichts, Chelsea bleibt davon überzeugt, dass Jody eine gute Freundin ist, auch wenn sie kein anderer sieht.
In den nächsten Tagen bricht dann die Hölle im Haus los.
Eigentlich wollte Michael nur auf Toilette gehen, als auf einmal Blut aus dem Wasserhahn tropft. Der Zuschauer sieht dann noch den Geist eines grausam zugerichteten Mannes - um 3:15 a.m.
Beim ersten Sex im Haus sieht George plötzlich hinterm Bett die aufgehängte Jody - um 3:15 a.m.
Als das Kindermädchen kommt, das auf die Kleinen aufpassen soll, warum auch immer musste sie nuttig, kiffend und notgeil daherkommen, und ihnen erzählt, was vor einem Jahr hier geschehen ist, kommt die Mutprobe auf, in den Schrank zu gehen. Kein Problem für sie - dachte sie.
Nur einige Beispiele dafür wie spannend der Film eigentlich sein könnte. Jede Nacht um 3:15 a.m. passiert eigentlich was. Aber das meiste läuft auf Begegnungen mit den Geistern hinaus; Schocks laufen immer auf "Hey, da bin ich - erschreck dich" hinaus. Spätestens nach ein paar Malen zieht das nicht mehr und die Schocks werden Routine und langweilig.
Wenn man den ersten Schock im Kinderzimmer (wie ich) aus dem Trailer kennt, wird man auch da nicht im Kinosessel zusammenzucken.
Die eindeutig spannendste Szene soll sich in einem Ausflug von Chelsea in ungeahnte Höhen zeigen, ganz ohne Geisterauftritte. Schade, denn sonst gibt's nicht viel ohne Auftauchen der Geister. Vielleicht hätte man hier die Gewichtung umändern sollen, denn ohne die Geister ist es spannender.
So zieht sich das ganze immer gleich bleibend bis zum Showdown, der sich ein wenig anders gestaltet als der Showdown beim Original. Aber auch hier stört, fast noch mehr als beim Beginn, das Gewitter, das manche Sekunden einfach ins Schwarze taucht. Hier verwischen auch wie oftmals im Film Vision und Wirklichkeit, was dann noch mal für ein paar Überraschungsmomente führt. Immerhin kann der Schluss durch gute Kameraführungen punkten, welche vorher nur bedingt auffiel.
Was konstant hoch gehalten wird ist der Blutgehalt. Aber der kann auch nichts retten, wenn man einen atmosphärischen Horrorschocker erwartet. Hier wäre weniger, wohl mehr gewesen.
Die Schauspieler können dann den großen Abfall retten, womit das Remake dann vor dem Original landet. Ryan Reynolds ("Van Wilder", "Blade: Trinity") macht hier die Verwandlung vom sorgenvollen Familienvater zum aggressiven Psychopathen durch und man kann förmlich fühlen wie die Macht Besitz über ihn ergreift - langsam, aber immer böser.
Melissa George ("Sugar & Spice") macht ihre Sache als Ehefrau, die langsam aber sicher realisieren muss, dass mit ihrem Mann nach dem Umzug irgendwas ganz und gar nicht stimmt, ebenfalls sehr gut. Die Verzweiflung wächst, während ihre Tochter auch noch mit Geistern Kontakt hält.
Fazit:
Das Remake von "The Amityville Horror" besticht zwar durch viele Schocks, die aber größtenteils nach demselben Prinzip abgespult werden und somit nach einigen Malen nicht mehr ziehen. Da die spannenden Szenen auch immer auf eben diese Schocks hinauslaufen, ist man das nach wenigen Szenen gewohnt und die Spannung sinkt. Dahingegen stehen zum Glück die hervorragenden Schauspieler, abgesehen von den Jungs, welche den Film nicht im Erdboden versinken lassen. Michael Bay sollte mal die Finger von Remakes lassen und sich wieder etwas Anderem widmen. Denn da wo auch schon "The Texas Chainsaw Massacre" krankte, krankt auch "The Amityville Horror" - die Spannung fehlt einfach. Die passende, gute Musik vermag die gleich ablaufenden Szenen im düster-gruseligen Haus nicht zu retten. Alles in allem leider nur Mittelmaß, aber immer noch besser als das völlig verkorkste Original.