Jede Woche ein neuer Gruselstreifen im Kino, langsam gewöhnt man sich dran. Ebenso an die ewig gleiche Handlung, die sich mittlerweile praktisch nicht mal mehr im Detail unterscheidet. Das Andrew Douglas-Remake des "Amityville Horrors" aus dem Jahre 1979 bildet da erwartungsgemäß keine Ausnahme.
Zum hundertsten Mal zieht eine Bilderbuchfamilie in ein neues, abgelegenes Haus, zum hundertsten Mal sieht der jüngste Sprössling ein stets warnendes Geisterkind und zum hundertsten Mal kommt der höllische Spuk pünktlich zu einer bestimmten Uhrzeit (neuester Trend allem Anschein nach) - bevorzugt des Nachts versteht sich. Es ist fast schon kurios, daß man trotz vollkommender Vohersehbarkeit immer wieder ins Kino rennt und ein und den selben Film mit variierendem Titel und pro forma anderem Gemäuer verfolgt - seltsamerweise dennoch nie wirklich enttäuscht wird.
Der hochgestylte 0815-Gruseler von heute hat nämlich bereits eine solche Routine in Sache Inszenierung und Schauspielerrei erfahren, daß ein gewisser Grundunterhaltungswert quasi garantiert ist. Der "neue" Amityville punktet dann logischerweise auch exakt in diesen Kategorien: Die Optik ist stimmig, die Soundkulisse erstklassig und gegen Ende reiht sich ein plakativer Schock an den nächsten. Zwar greift auch Andrew Douglas auf die altbekannten Dämonengesicht-Erscheinungen und durchs Dunkel huschenden Gestalten zurück, ein unbedarftes Publikum dürfte sich dank handwerklich solider Plazierung selbiger Schockeffekte einige Mal schön erschrecken. Eine Szene konnte letztlich sogar mich beeindrucken: Das hochriskante Balancieren in luftiger Höhe. Sehr hübsch eingefangen und defintiv nichts für Leute mit Höhenangst. Auch Hundefreunde seien einmal mehr gewarnt...
Erfreulicherweise wird Für Gore-Freunde ebenfalls etwas geboten. Die FX reissen zwar insgesamt keine Bäume aus, für eine FSK16 ists mit einigen Einschüssen, bohrendem Finger in der Wunde und entstellten Folteropfern im Keller aber durchaus recht so.
"Amityville Horror" bleibt aber trotzdem primär Spannungsfilm und dies gelingt ihm mit ordentlicher Atmorphäre auch relativ gut - auch wenn vieles der Technik, sprich primär der intensiven Soundkulisse zu verdanken ist (Anmerkung: Sofern es noch Kinos geben sollte, die ihre Filme aus Unfähigkeit oder Bosheit nicht ausschließlich in Mono zeigen...).
Was mich neben der Ideenlosigkeit am ehesten am Horror im Hause Amityville störte, war die schlechte Einführung und Ausgestaltung der Charaktere. Im Prinzip weiss man selbst beim Abspann noch nicht, welches Kind nun adoptiert, ehelich oder sonst was ist. Auch über die restlichen Charaktere erfährt man praktisch nichts. Normalerweise störe ich mich an soetwas ja nicht sondernlich aber hier wars doch schon ziemlich auffällig und ärgerlich!
Überraschend gut widerum gibt sich Ryan Reynolds als bessenenes Familienoberhaupt. Trotz einiger leicht humoriger Sprüche zu Beginn eine im positiven Sinne überraschende und ernste Leistung, wenn gleich ich persönlich Reynolds für die Rolle als noch etwas zu jung ansehe. Sieht man über die typischen Klischee-Berge der übrigen Charaktere und deren Schauspieler hinweg (Stichwort Jimmy Bennett), so kann man auch ihnen ansprechende Leistungen bescheinigen.
Unterm Strich bleibt genau das, was ich erwartet hab: Ein technisch top umgesetzter 0815-Gruselstreifen, der einzig durch seinen prominenten Titel etwas mehr Publikum locken dürfte als beispielsweise der ansonsten identische "Hide and Seek" (2005). Solide 6 Punkte (wie immer) meinerseits und dank aufgebohrter Technik schlussendlich auch besser als das wenig prickelnde Rosenberg-Original.