Offenbar gehen den kreativen Köpfen in Hollywood so langsam aber sich die bekannteren Kulthorrorfilme der 70er Jahre aus, die sich für ein Remake lohnen. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass jetzt auch der auf angeblich wahren Begebenheiten beruhende, „Amityville House“ von Produzent Michael Bay zurück ans Tageslicht geschleppt wurde, der zwar landläufig auch immer wieder in die Kult-Ecke gedrängt wird, dort aber nicht wirklich mit den großen des Genres mithalten kann. 8 Fortsetzungen brachte der Originalfilm bereits mit sich, die es zumeist ohne weiteres geschafft haben, das etwas dröge Original in Sachen Tempo und Spannung locker zu überbieten, wobei das natürlich nicht automatisch bedeutet hat, dass sie qualitativ gut waren.
Jetzt hat sich also Krawall-Patriotismus-Regisseur Michael Bay, wohl angestachelt durch seinen Erfolg mit dem von ihm produzierten „Texas Chainsaw Massacre“ Remake, als Produzent, des guten alten Spuckhauses angenommen.
Die Story wurde dabei mehr oder weniger belassen, der psychologische Faktor wurde etwas herausgenommen, der Konflikt zwischen dem Stiefvater und den Kindern etwas beschnitten und die ganze Geschichte ordentlich gestrafft, was in diesem Fall wahre Wunder bewirkt.
Bay und sein bisher im Spielfilm-Bereich unerfahrener Regisseur Andrew Douglas schaffen es mit ihrer klassischen, auf Atmosphäre angelegten Inszenierung, einem alten Subgenre durchaus ein wenig neues Leben einzuhauchen.
Die Story basiert dabei wieder einmal auf Jay Ansons auf angeblichen Tatsachen basierendem Buch „The Amityville Horror“, das er nach den Erzählungen der Familie Lutz geschrieben hat, die immerhin bis heute an ihren Aussagen festhält und auch bei einem Lügendetektor Test nicht als Lügner überführt werden konnte.
1974 erschießt Ronald DeFoe in einer kalten, regnerischen Nacht seine gesamte Familie. Er behauptete später, dass er von einer geheimnisvollen Stimme die Anweisung dazu bekommen haben sollte.
Ein Jahr später ziehen Georg und Kathy Lutz in eben dieses Haus in Amityville. Sie ahnen nichts von seiner Vergangenheit. Georg und Kathy sind frisch verheiratet, wobei Kathy aus einer früheren Ehe 3 Kinder mit brachte. Die Spannung zwischen Georg und den Kindern, die ihn nicht als neuen Vater akzeptieren wollen sind spürbar. Bereits kurz nach dem Einzug beginnt Georg sich zu verändern. Er hört Stimmen, sieht, wie auch die kleine Tochter, Dinge die nicht real sind und wird magisch vom großen Keller des Hauses angezogen. Die Situation eskaliert immer mehr und erst als auch ein Priester den Zorn des Hauses, bzw. seiner Geister zu spüren bekommt, beginnt Kathy den Kampf aufzunehmen.
Soweit ist also alles beim Alten geblieben. Einer der wohl größten Pluspunkte des Remakes ist das Tempo, das Andrew Douglas anschlägt. Er lässt erst gar keine Langeweile aufkommen. Nach dem Einzug der Lutz geht es praktisch Schlag auf Schlag und immer wenn es Nacht wird in Amityville kann man sich sicher sein, dass auch schon der nächste Schocker ausgepackt wird. Diese Momente sind zwar nicht wirklich neu, werden aber allemal effektiv eingesetzt und wissen doch auch erfahrene Gruselfans noch zu überraschen. Sicher, mit der Zeit nutzen sich die Effekte etwas ab, so etwa das immer und Grundsätzlich in jedem Spiegel das Gesicht auftaucht kann man sich spätestens nach dem dritten mal denken, aber wie gesagt, die ein oder andere Überraschung hat der Film auf diesem Gebiet dann doch zu bieten.
Da ist die Story an sich dann schon wesentlich unaufgeregter und überraschender. Auch wenn man das original nicht kennt, wird man hier kaum Überraschungen erleben, außer dem doch erstaunlich geringen Bodycount. Aber man hat es hier eben auch nicht mit einem weiteren Slasher Movie zu tun, sondern mit einem schon fast klassischen Ghost-House Film.
Da macht es dann auch wenig, wenn der psychologische Faktor und die Spannungen innerhalb der Familie eher nebenbei abgehandelt werden, denn sind wir mal ehrlich, die haben im Original auch wenig zum Film beigetragen und den Film eher ausgebremst.
Somit liegt das Hauptaugenmerk beim 2005er Amityville Horror dann auch ganz klar bei den Schauwerten und da kann der Film auch ordentlich punkten. Das Haus ist in düsteren Bildern eingefangen und wirkt selbst am helllichten Tag noch bedrohlich und geheimnisvoll. Mit ausgefallenen Kamerawinkeln und dunklen erdigen Farben wird dem Zuschauer ein wundervolles Gänsehaut-Feeling verpasst, das durch den dezenten, einzig in der Fliegenszene übertriebenen, Einsatz von CGI Effekten noch verstärkt wird. Einzig das Finale im Keller will so gar nicht zum Rest des Films passen und versucht durch möglichst viel Kunstblut und einige etwas lächerlich anmutende Szenen dem Zuschauer dann doch noch eine Erklärung zu präsentieren. Schade, zumal der Film davor nahezu blutarm auskommt und seine Stärken aus der Spannung und dem inszenatorischen Aufbau der Szenen gewinnt.
War es im Original noch James Brolin, der sich den Mächten des Hauses aussetzen musste, wurde mit Ryan Reynolds ein wahrer Glücksgriff gelandet. Reynolds, der bisher zumeist durch College-Komödien und einige Serienauftritte auf sich aufmerksam machen konnte, zeigt eine eindrucksvolle Verwandlung vom Familienvater hin zum mordgierigen Irren, der weder sich noch die Situation unter Kontrolle halten kann. Eine Leistung, die ihm sicherlich nicht viele zugetraut haben, die man hier aber ganz klar würdigen muss. Er ist hier ganz eindeutig der Mittelpunkt und schafft es ohne große Probleme den Film durchweg zu tragen. Da bleibt dann zwar für die anderen Darsteller nicht mehr viel übrig, aber auch Melissa Georg, Phillip Baker Hall und die Kinderdarsteller überzeugen durchweg.
„Amityville 2005“ hat durchaus Schwächen, sei es in der Vorhersehbarkeit der Story, der mangelnden Tiefe oder dem etwas überzogenen Ende, aber man kann ihm nicht absprechen, dass er eine gehörige Menge Spaß macht und beste Gruselatmosphäre bietet. Also eher was für den gemütlichen Kinogang mit der Freundin, der so manch anderer Horrorfilm zu hart ist, oder aber um sich auch im Kreise von Freunden mal wieder ordentlich zu gruseln. Mit einem Bier und der richtigen Einstellung ist der Film ein kleines Highlight und eine der durchweg gelungenen Neuauflagen von (vermeintlichen) Klassikern. 7 von 10 Punkten.