Review

Horrorklassikerremake zum 707ten…

Vor nicht allzu langer Zeit musste nun auch der Hausfrauenexorzist „Amityville“ dran glauben, der Film rund um die angeblich wahre Geschichte der Familie Lutz wurde neu abgespult, nachdem sich schon James Brolin und Margot Kidder durch das übel dämonisierte Seedomizil schlagen mussten, notfalls mit der Axt.
Jetzt also Ryan „Teen Idol“ Reynolds in einer top fehlbesetzten Rolle als viel zu junger Neu-Daddy einer Horde junger Bratzen, just nachdem er eine recht blasse Melissa George geehelicht hatte.

Ansonsten ist wirklich alles beim Alten geblieben, Ryan muß sich sogar den selben Rauschebart wie Brolin wachsen lassen und das Haus macht natürlich wieder was es will, Fenster auf und Fenster zu, im Schrank hockt ein Geistermädchen und warnt vor dem bösen Geist, der schon einmal eine Familie dahingerafft hat, CGI-Fliegenattacken auf einen geistlichen Kuttenträger, Reynolds fatale Hingezogenheit zu Holzspaltwerkzeugen, fremdartige Flüssigkeiten im Häusle, im Keller alte Kavernen und der Hund will auch nicht so recht sein Chappi genießen.

Debutregisseur Andrew Douglas (gibt’s eigentlich noch andere) macht es der MTV-Generation so einfach wie möglich und beballert die Zuschauer mit Gruseleffekten ohne Ende, die gar nicht mal so übel ausgefallen wären, hätten wir sie nicht schon irgendwo anders gesehen. Er legt ein hübsches Tempo vor und das rettet den Film vor dem Schicksal des Vorgängers.
Das Vorbild von 1979 war nämlich ein reichlich zusammen gestückeltes Filmchen, das viele Fäden aufgriff, aber weder erklärte, noch zu einem Abschluß brachte (ich gedenke da mal dem Schicksal von Rod Steiger, der den Klerusfertigen mimen musste).
Hier gibt es sogar eine sinnvollere Erklärung für das Ganze, den bösen Ort; nein, kein Indianerfriedhof, aber immerhin eine alte Plantage, wo ein sinistrer Bösling vor Hunderten von Jahren diverse Sklaven zerfoltert und ermeuchelt hat. Und so etwas wirkt nach…

Douglas’ Version ist so rasant und flüssig, jedoch fehlt dem Film das Bizarre, Andersartige, was das Original manchmal rettete, das neue Material wirkt einfach nur glatt und ohne Ecken und Kanten.
Läßt man das Original weg, bekommt man immerhin noch einen passablen Haunted-House-Film neuerer Bauart, der allerdings zu sehr auf moderne Tricks setzt, anstatt den Horror über den Suspense zu destillieren. Allerdings wird man dankbarerweise auch vor Geschmacklosigkeiten der härteren Gangart bewahrt, wenn der Braten auch von Minute 25 spätestens zu riechen ist.

Über die Schauspieler zu diskutieren, wäre überflüssig, hier gibt sich jeder redlich Mühe, seinen Teil zu tun, aber insgesamt herrscht Unterforderung allerorten, was irgendwie schade ist.
Dem oft bemühten Vergleich zum gleichjährig produzierten „House of Wax“-Remake nach, ziehe ich die Wachsfiguren vor, weil der Film einfach mehr Neues in die Waagschale wirft, während man sich hier einfach zu simpel am Vorgänger orientiert hat.

Das ist am Ende technisch rund, läuft wie geschmiert, wirkt aber leider stets etwas künstlich. Eine Offenbarung auf Gruselgebiet sieht anders aus, Würgereflexe werden aber nicht ausgelöst. (5/10)

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