Review

Remakes gibt es mittlerweile einige, doch nur Wenige, sehr Wenige, konnte sich der Qualität des Originals nähern, oder gar anschließen. Im Jahre 2005 war die Remake-Welle bereits im vollen Gang (und hält bis heute an) und da besonders Horrorfilme gerne neu aufgelegt werden, war es nur wenig verwunderlich, dass der Horror-Klassiker "Amityville Horror" aus dem Jahr 1979 eine Neuauflage erhielt. Das Problem bei einem Remake ist grundsätzlich die Existenz des Originals, Welches man stets im Hinterkopf hat während man sich einer Neuauflage nähert. Wenn man persönlich das Original nicht kennt, so wie ich, ist man von diesem Problem befreit, wodurch man eigentlich relativ entspannt und unvoreingenommen auf den Film zu gehen kann. Was bietet uns also "The Amityville Horror"? Dummer Horror oder cleveres Gruselspielchen? Nun, ein Mischmasch aus Beidem würde es wohl am ehesten treffen. Für einen reinrassigen Horrorfilm war einfach zu wenig Horror vorhanden, allerdings tat das dem Film auch stellenweise ganz gut. Allerdings fehlten dann doch die gewissen Schockmomente um als überzeugender Grusel-Schocker durchzugehen. "The Amityville Horror" ist somit ein Psychothriller mit Grusel-Elementen, der zwar eine dichte Atmosphäre klar vorweisen kann, aber sein volles Potenzial leider nie voll und ganz nutzen kann.

Ein Familienvater tötet in einem etwas ablegendem Haus seine ganze Familie und stellt sich im Nachhinein der Polizei. Das Haus steht nach dieser Schreckenstat allerdings nur für 1 Jahr leer. Das Ehepaar George und Kathy Lutz und die drei Kinder, welche Kathy aus erster Ehe mitgebracht hat, werden auf das verlassene Haus aufmerksam und wollen es umgehend besichtigen. Dass in diesem Haus vor 1 Jahr ein Familienmassaker stattfand hält sie nicht davon ab das Haus letztendlich zu kaufen und so freut sich die sympathische Familie auf ein neues, glückliches Leben. Doch die Freude hält nicht lange an, als es erste mysteriöse Ereignisse zu sehen gibt. Das jüngste Kind, Chelsea, berichtet von einem Geistermädchen, mit der sie eine Art Freundschaft geschlossen hat und sie berichtet von Dingen, die für Kathy und George zunächst nichtssagende Rätsel sind. Doch als auch George anfängt Stimmen zu hören und seltsame Erscheinungen sieht, und dadurch immer aggressiver und bösartiger wird, steht fest, dass etwas in diesem Haus nicht mit rechten Dingen zugeht und dass es eine klare Verbindung zu dem Familienmord aus dem Jahr zuvor geben muss. Als Kathy all die Sachen langsam herausfindet, scheint es für die Rettung fast schon zu spät zu sein.

Direkt zu Beginn hatte ich ein ganz großes Problem mit diesem Film. Die Ereignisse, die hier stattfinden, sollen im Jahr 1974 bzw. 1975 spielen, doch leider vermittelt mir dieser Film keinerlei 70er Jahre Flair. Authentizität ist etwas ganz Wichtiges in einem Film, gerade wenn er viele Jahre in der Vergangenheit spielt, doch wenn diese Zeit leider überhaupt nicht übermittelt wird, fehlt dem Film all das authentische Feeling. Im Grunde hätte man mir auch sagen können, dass der Film im Jahre 2005 spielt und ich hätte es ohne Zweifel geglaubt. Dafür wurde die Eröffnungsszene an sich relativ gut inszeniert, sofort werden uns Puzzleteile hingeworfen und von Anfang an ist man auf die Auflösung des Films gespannt. Man muss auch nicht lange warten, bis es zu den ersten gruseligen Momenten kommt. Zwar beschäftigt sich der Film auch um die familiären Verhältnisse, bleibt aber nie ungewollt an diesen Themen kleben und liefert uns keine unnötige Konfrontationen, die später eh nicht mehr thematisiert werden. Die Gruselszenen sind alle recht nett inszeniert, auch wenn Diese heutzutage Niemanden mehr unter den Tisch scheuchen werden. Die "Kreaturen" sehen optisch recht schaurig aus und sorgen für den ein oder anderen minimalen Gänsehauteffekt. Was ich an den meisten Grusel - und Horrorfilmen liebe, sind schockierende und unerwartete Szenen bei denen man sich richtig erschreckt und im Sessel ungewollt zusammen zuckt. Solche Szenen bleiben in "The Amityville Horror" leider die meiste Zeit aus, höchstens als Neueinsteiger in diesem Genre, wird man sich bei der ein oder anderen Szene erschrecken. Der Film kommt die meiste Zeit sehr kurzweilig daher, liefert uns spannende und auch ziemlich dramatische Szenen, die schon einen gewissen Nervenkitzel verursachen können. Doch leider verliert der Film im letzten Viertel komplett seinen Faden und zerstört Vieles, was er sich vorher so schön aufgebaut hat. Man ist die ganze gespannt, wie das Gesamtbild am Ende, wenn man alle Puzzleteile zusammen gefügt hat, aussehen wird. Doch das Ergebnis ist ein unpassendes Bild mit vielen Löchern und Ungereimtheiten. Hinzu kommt ein finaler Akt, bei dem urplötzlich all die Dramatik aus den vorherigen Szenen komplett verloren geht. Der Film macht es sich in der Hinsicht ein wenig zu einfach um den Zuschauer aus der Geschichte zufrieden zu entlassen. Ganz zum Schluss kommt noch die billigste "Abschluss-Schocker-Szene", wie man sie aus zahlreichen Filmen kennt, die ich jemals gesehen habe. Diese Abschlussstelle wirkte so, als hätte man sie nur rein gepresst, damit man unbedingt diesen berühmten Schluss-Schocker hat.

Ryan Reynolds hat man schon in zahlreichen Filmen, aus den verschiedensten Genres, bestaunen können und mal macht er einen hervorragenden, mal einen fürchterlichen Job. Hier liefert er als Stiefvater, der immer mehr zum Psycho-Dad mutiert, eine beachtliche Leistung ab und ist ein großer Lichtblick in diesem Film. Seine Blicke werden von Minute zu Minute unheimlicher, was natürlich auch dem guten Make-Up zu verdanken ist. Melissa George spielt die typische, panisch schreiende Ehefrau, die den Braten der ganzen Geschichte natürlich erst viel zu spät riecht. Wirklich im Gedächtnis bleibt ihre Performance nicht, ist aber auch eine etwas undankbare Rolle bei der man nicht sonderlich gut zeigen kann, wie bspw. Ryan Reynolds Rolle, was man schauspielerisch auf den Kasten hat. Die kleine Tochter Chelsea wird von der noch damals gänzlich unbekannten Chloe Grace Moretz (Kick-Ass, Let Me In) gespielt und schon da zeigt sich, was für ein ausdrucksstarkes Schauspieltalent in ihr schlummert. Man nimmt ihr zu jeder Zeit, jede Emotion voll und ganz ab und besonders in den Momenten, wo Chelsea ihre ganze Furcht und Trauer zeigt, wird deutlich, mit wie viel Elan sie ihre Rolle verkörpert. Total überflüssig hingegen fand ich die beiden Söhne, die von Jesse James und Jimmy Bennett auf solidem Standard Niveau verkörpert werden. Es hätte dem Film sehr gut getan, wenn das Ehepaar nur Chelsea im Schlepptau gehabt hätte, denn die beiden Söhne haben eigentlich keinerlei Einfluss auf die Hauptgeschichte und das ganze hätte man auch ohne sie gut zu Ende bringen können. Zudem gefiel mir Jimmy Bennetts Art zu schauspielern überhaupt nicht. Er wird ein paar mal zu oft mit Tränen in den Augen gezeigt, doch er sah zu keiner Zeit so aus, als würde er wirklich herzhaft weinen, was den Verdacht nahe bringt, dass hier mit Augentropfen nachgeholfen wurde. Ebenfalls eine etwas undankbare Rolle hat hier Phillip Baker Hall als Priester, der leider viel zu kurz kommt und nur als "08/15-Aufklärer" dient.

"The Amityville Horror" ist ein seichter Grusel-Schocker, der Genre Fans zufrieden stellen wird, sie aber auch nicht vom Sessel hauen wird. Wer Filme in bester Poltergeist Manier liebt, wird bei diesem Streifen bestens aufgehoben sein. Wer allerdings schon zahlreiche Horrorfilme in seinem Leben gesehen hat, wird hier auf keinen Fall etwas erhalten, was man nicht schon aus anderen Filmen kennt.


Fazit : Der Film sprang auf den gleichen Zug auf wie "Ring" oder "The Grudge" und erfüllt seinen Zweck nur teilweise. Mit einem besser ausgearbeitetem Ende und etwas mehr Schockelementen, hätte hieraus deutlich mehr werden können. Somit bleibt der Film nur auf solidem Standard.


6/10

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