Die durchgeknallte Hinterwäldlerfamilie aus "Haus Der 1000 Leichen" ist mittlerweile in den Siebzigern, was die Killquote betrifft, als Sheriff Wydell (William Forsythe) auf den Plan tritt und mit seinen Leuten die Farm stürmt. Nicht wie "Michael Bays TCM" mit pseudodokumentarischen Nachherbildern, sondern mit einem handfesten Shoot Out eröffnet Rob Zombie seine Fortsetzung, "search & destroy" ist die Vorgabe. Dazu treibt sich in der staubigen Einöde noch ein Deformierter herum, mit einem Gesicht wie Freddy Krüger und einem Sack über dem Gesichtsrest wie Jason Vorhees anno 1981. Nun ja, einige Opfer bringt das Eingangsmassaker mit sich, Karen Black als Mutter Firefly wurde leider im Vorfeld bereits gegen Leslie Easterbrook ausgetauscht. Der Plot um die von nun an gejagten Gesetzlosen, mal hier und mal da, bedient sich eines klaren Ortswechsels gegenüber dem Vorgänger, welcher sich vornehmlich auf der Killerfarm abspielte, die Hatz ist etwas Road Movie und etwas Bonnie & Clyde Action im Familienrahmen, bei der beide Seiten, die Teuflischen wie die Gesetzeshüter nicht gerade zimperlich sind. Eine ausgefeilte Story bietet Rob Zombies zweiter Film nicht, sondern polarisiert noch mehr zwischen bösem Humor und brutalen Gewaltszenen. Nicht etwa, dass dies nun ein Splatterfilm wäre, doch ein Großteil der Laufzeit beschäftigt sich mit sadistischen Folterungen und unsauberen Mordlösungen. Erstaunlich ist, wie man trotz vieler Off Screen Morde eine solch gewalttätige Stimmung erzeugt, neben einer Ansammlung an comichaften Überzeichnungen finden sich die üblichen Anspielungen und Querverweise. Der Look ist dreckig und die ohnehin schon schmierig geschminkten Gesichter färben sich zunehmend rot von den Blutspritzern, teils fühlt man sich selig in die alten Zeiten von Tobe Hoopers Klassiker und großem Vorbild "Blutgericht In Texas" erinnert. Denn neben epischen Momenten mit Stilleben dokumentiet gerade in den temporeichen Szenen eine verwackelte, unscharfe Handkamera mit grobkörnigem Film und wilden Schnitten das fiese Treiben, dazu bietet dieses Sequel wieder erwartungsgemäß eine Menge Rock'n'Roll. Nur zu deutlich werden die Südstaaten zelebriert, dort wo jede Figur mindestend schräg zu sein scheint und Lynyrd Skynyrd immer wieder für Streifen wie diesen ausgegraben werden. Erfreulich ist, das "The Devil's Rejects" nicht blind dem Vorgänger nacheifert, sondern versucht, darin noch einen drauf zu setzen, was den guten schlechten Ruf von Querulanten wie Rob Zombie ausmacht: mehr Nuditäten, explizitere Dialoge an allen Ecken und Kanten und schließlich eine immense Aneinanderreihung von Brutalitäten. Als roter Faden für den Fiesling im Zuschauer ist das stringenter, allerdings auch mit kleinen Schwierigkeiten im Spannungsbogen behaftet. Wer das Sammelsurium aus Herrn Zombies Horrorkiste im Debüt nicht mochte bekommt ein geradlinigeres Gemetzel, zu dem sich wieder einmal illustre Gäste wie Ken Foree ("Zombie"), Michael Berryman ("The Hills Have Eyes") und Steve Railsback ("Helter Skelter") eingefunden haben. Geblieben ist der weiter ausgebaute Charakter von Captain Spalding mit Blick in sein armseliges Privatleben, Otis, der flucht wie nie (O-Ton: "Fuck shit fuck shit fuck!") und natürlich Baby, bei jeder Gelegenheit ihren Hintern in Szene setzend. Groucho Marx oder Elvis Presley heißt die Gewissensfrage unter der Psychopathensonne der Südstaaten.
Fazit: Die durchgeknallte Backwood-Familie als gewalttätige Racheorgie on the road zu den 70er Wurzeln. Klasse, was ein Musiker für Filme drehen kann! 8/10 Punkten