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Nach dem extrem geglückten Vorgänger konnte man auf „The devil’s rejects“ mit Fug und Recht gespannt sein. Und Rob Zombie enttäuscht seine Zuschauer nicht.
Der Film ist kein Abklatsch von „House of 1000 Corpse“, sondern eine gekonnte Mischung aus Horrorfilm, Rachedrama und Road-Movie. Zombie lässt den Film weniger hektisch als seinen Vorgänger daherkommen, sondern erzeugt durch einen guten Soundtrack und einen unkonventionellen Schnitt eine eigenständige Stimmung, die die Story des Films bestens zur Geltung lassen kommt.

Rob nimmt uns mit auf die finale Reise der Firefly-Familie, die in ihrem Domizil von der Polizei überrascht wird und leicht dezimiert die Flucht antritt. Sie fliehen vor allem vor einem rachedürstigen Polizisten, der sich an ihnen für den Tod seines Bruders rächen möchte. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, wer von beiden Parteien das größere Übel darstellt. Es ist zu vermuten, dass Zombie ein Verehrer von „Pat Garret jagt Billy the Kid“ ist. Gewollt oder ungewollt hat er diesem Klassiker ein retrospektives Denkmal gesetzt, indem er zwei Weltanschauungen, die beide außerhalb der gesellschaftlichen Norm liegen, aufeinander prallen lässt. Es kann dem geneigten Zuschauer egal sein, wer am Ende gewinnt, da beide Parteien auf ihre Art Ekel erregend sind. Wobei anzumerken ist, dass Zombie die Firefly-Familie recht geschickt adelt, indem er das Grauen, dass von ihnen im Vorgänger angerichtet wurde, nur peripher abhandelt.

Zombie hat unbestreitbar ein glückliches Händchen bei der Wahl seiner Darsteller und der Drehorte. Alles wirkt verkommen und runtergewirtschaftet, ohne absurd zu wirken. Hier war der Vorgänger etwas zu überzogen.
Keiner der Schauspieler mit Ausnahme der Firefly-Schlampe entspricht dem Schönheitsideal Hollywoods. Bei allen Charakteren passt das Aussehen entweder zu ihrer seelischen Verkommenheit oder der Armseeligkeit ihrer Existenz. Dabei ist die Hässlichkeit, die Zombie auf die Leinwand bannt, kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Teil der Geschichte und zum Teil durchaus witzig. Er schafft es ohnehin, mehr Humor in den Film einzubauen. Alleine die Nummern „G.Marx vs. E.Presley“ und „Zweckentfremdung eines Huhnes“ sind Knaller. Durch diese Passagen wird der Film kontrastreicher und bringt die Gewalt, die in allen erdenklichen Formen vorkommt, besser zur Geltung. Dass ist besonders gut bei dem Ende des armen Mädchens auf dem Highway zu erkennen. Gerade weil das Überfahren irgendwie lustig ist, wird das vorangegangene Leiden, dass wohl kaum schlimmer ausfallen könnte, unterstrichen.

Was mir ein bisschen fehlte ist der Mut, dem dreckigen Horrorfilm die Stange zu halten. Der Film ist selbstverständlich immer noch sehr gewalttätig. Aber der Tatsache, einen glaubwürdigen Road-Movie mit einem epischen Ende zu drehen wurde offensichtlich der Verzicht auf expliziten Splatter geschuldet. Nun, dass Ergebnis ist gelungen. Und wer diese Komponente vermisst, kann sich ja den Vorgänger noch einmal ansehen.

Es ist ein wenig schade, dass Zombie wohl keinen dritten Teil mehr drehen kann. Wir können trotzdem gespannt sein, mit was er uns zukünftig erfreuen wird. Ich fand „The devil’s rejects“ ausgesprochen unterhaltend und kann diesem Film nicht weniger als 10 Punkte geben.

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