Wer mit dem Bösen sympathisiert, läuft schnell Gefahr, die Moral aus den Augen zu verlieren. Rob Zombies 'The Devil's Rejects' ist ein schickes Beispiel dafür.
Eine Familie, die ihre Freizeit dafür nutzt, andere Menschen zu meucheln, foltern und zu malträtieren hat es wohl am Meisten verdient, auf die gleiche Art und Weise zur Rechenschaft gezogen zu werden, selbst wenn das nach purer Selbstjustiz stinkt. Gleich zu Beginn wird uns ein tosendes Geschieße präsentiert, bei dem man noch nicht weiß, um was es genau geht und weswegen. Wenig Text und viel Blei - man schnappt zwar die ein oder andere Information auf, aber der eigentliche Grund wird nicht offenbart. Der erschließt sich erst im weiteren Verlauf des Films. Es geht ebenda um einen grauenhaften Clown wie aus dem Bilderbuch sowie dessen Sohn und Tochter, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Allein schon der Hygiene wegen. Nach dem die Polizei in dem wütenden Herumgeschieße Frau und Mutter schlußfolgernd festnahmen, mussten sie fliehen - erster Stopp war ein Motel, in dem sie eine weitere Gruppe von Menschen töteten. Dicht an den Fersen stets ein Cop mit eigenen Wertvorstellungen, der darüberhinaus noch seinen Bruder rächen möchte, welcher ebenfalls Opfer dieser kranken Familie war. Es müssen noch ein paar Leichen getürmt werden, bis sich der Film dem Ende neigt, wobei das letzte Drittel absolutes Ärgernis war.
Rob Zombie präsentiert seine eigene Definition einer kranken Welt in schlichten, aber nicht minder unspektakulären Bildern die meisten von einer grellen Sonne begleitet werden. Die natürliche Wärme lässt in diesem Fall das blutige Morden besonders verstörend und abartig aussehen, was aber durchaus einen speziellen Reiz hat. Vor allem das Kapitel im Motel ist wohl die stärkste Stelle im ganzen Film, die einen gewisses hohes Grad an Verstörung erreicht, bei dem Zombies ganze kranke Kreativität zum Vorschein kommt - eine Scheinvergewaltigung inklusive. Er hält durchweg ein rasantes Tempo, wirkt nie langwierig, doch wird er seinem eigenen Anspruch überhaupt nicht gerecht. Es wird viel geredet und beleidigt, viele Szenen sind im Grunde nur darauf aus, so oft wie möglich "Fuck" zu sagen, ohne der Story irgendwelche Notwendigkeit zu bieten - das ganze Theater um den Quoten-Schwarzen und dessen persönliches Bordell wirkt ohnehin viel zu aufgesetzt und scheint deplatziert im ganzen Geschehen.
Bis auf Sheri Moon Zombie wirkt das gesamte Personal leblos und erschreckend eindimensional, was jedoch die emotionale Kälte der Morde gut unterstreicht. Einige Szenen wirken teils stark überkandidelt und verleihen dem Film eine unfreiwillig komische Würze (z.B.: der blasphemische Teil der Hinrichtungen von Roy und Adam), dennoch lässt sich nicht leugnen, dass er trotz der krassen Thematik und der überdrehten Ader zu unterhalten vermag und atmosphärisch einiges hermacht. Spannend wird es zwar nicht sonderlich, aber humorvoll, was dem ganzen selbstredend eine sehr makabere Note verleiht - und dort beginnt schon die langsam auftretende moralische Entgleisung, die im finalen Akt ihren widerlichen Höhepunkt findet.
Bis zum dem Punkt, an dem Sheriff Wydell beschließt, die ganze Bande selbst an den Pranger zu stellen um Richter als auch Henker zu spielen, funktioniert der Film relativ gut als bedrückendes Porträt einer Familie, ohne jedoch irgendwelche Sympathien zu erwecken - bis dahin erscheint auch die Nebenhandlung der Cops etwas nervend und wirr. Jene bekommen allerdings eine immer zentralere Rolle, die auf ein politisch korrektes Finale hindeutet, es aber in keinster Weise einhält.
Das Finale beschreibt dem schlagartigen Nullpunkt des Streifens, dass den schon schleichenden Prozess der Verdrehung der Moralvorstellungen auf einen Schlag zur Höhe treibt. Durch den Akt der Selbstjustiz durch Wydell wurden Täter-und-Opfer-Rollen geschickt getauscht, die den Zuschauer dazu bringt, mit jenen zu fiebern, die eigentlich das Böse symbolisieren. Dies führt bis dahin, dass der Cop gar zu Gunsten der Monster getötet wird und man dies auch applaudiert, was durch die darauffolgenden Close-Ups bestätigt wird, die zum ersten Mal emotionale Wärme in den Gesichtern der kranken Familienmitglieder zeigt. Das ist geschickte Manipulation, aber ebenso auch unbrauchbar, da die pure moralische Entgleisung, und in meinen Augen nicht zu akzeptieren, wenngleich die wahre Bestrafung doch noch erfüllt wird - dafür aber viel zu kurz ausfällt. Und so ein heroischen Abgang im Kugelhagel haben sie einfach nicht verdient.
Rob Zombies 'The Devil's Rejects' beginnt als interessante Psychostudie, mit verstörenden und blutigen Szenen, die nie selbstzweckmäßig werden, welches sich gen Ende zu einem etwas unentschlossenen Katz-und-Maus-Spiel entwickelt. Bis dahin ist der Streifen noch zu akzeptieren, doch das besprochene amoralische Finale ist eine Zumutungen und indiskutabel, welches aber keine zu starke Auswirkung auf die finale Wertung hat.