Review

"What happened to the thousand Corpses, how come there are only 75?"

- "I dont know. People exagerate."

Dieser Dialog zwischen Bill Moseley und Sid Haig gibt in gewisser Weise die Marschrichtung wieder, die Rob Zombie für seinen zweiten Film einschlug: weit weg von Dr. Satan und seinem unterirdischen Wiedergängerlabor, tiefer in die seelischen Abgründe der Fireflys und ihrer Hascher und alles nochmal auf 13 gedreht (11 macht ja jeder): "The Devil's Rejects" ist der Film, den man sich vom Vorgänger erhoffte und vor allem weit davon entfernt, ein zelluloidgewordener Fanartikel des Rocker Zombie zu sein. Stattdessen schießt der sich hier gleich beim zweiten Versuch mal eben in die Horror - Oberliga!

Ja, auch in meinem Kaff lief dieser Film, hing dieses Filmplakat, redete man über diesen Streifen. In den Genuss kam ich erst einige Jahre nach der Kinoauswertung und war wesentlich begeisterter als vom Original: geradliniger, aber nicht um jeden Preis konventionell, so mag ich das. Und auch, wenn wir es hier nicht mit einem sonderlich anspruchsvollen Streifen zu tun haben gibt es hier eine psychologische Komponente, die wie ein Mühlstein daran arbeitet, moralische Grenzen der Figuren und ZuschauerInnen zu pulverisieren.

Und zwar bereits von Minute 1 an, wenn Otis, Baby und Co. polizeilich aus dem Bett gebrüllt werden: Sherrif John Wydell (William Forsythe), Bruder des im ersten Teil ermordeten Cops George Wydell, macht mit seiner Einheit unmissverständlich seine Rachegelüste klar. Otis und Baby flüchten, Ma wird lebendig gefasst und Tiny stromert irgendwo im Wald rum: um die Fireflys steht es nicht gut.

Zum Glück für die beiden ist noch Väterchen Spaulding auf freiem Clownsfuß und mehr als hilfsbereit, geht es doch auch um seinen faltigen Killerarsch. Ein Treffen mit Halbbruder Charlie soll erst einmal Ruhe und Zeit zum Nachdenken bringen. Was sehr wenig bringt, da Wydell mit Danny Trejo und Diamond Dallas Page (der hier wie der fucking Man-Eater aussieht!) zwei amoklaufende Auftragskillerasse aus dem Ärmel zieht, die die dysfunktionale Fanilienidylle stören. 

Der Wechsel vom Gruselhaushorror zum Psycho-Grindhouse-Roadmovie tat Monsieur Zombié eindeutig gut. Man soll ja nicht über eingelegte Eier navhgrubeln, aber der Dr. Satan-Subplot aus Teil 1 hätte nie im Leben hier reingepasst und auch wenn sie nicht allzu unpassend wäre, aber die Bildfilterfickerei mit Kontrastaufnahmen in psychotische Einsprengseln hätte ich kein zweites Mal gebraucht. Stattdessen wird hier mit comicartigen Bildübergängen und Freezeframes gearbeitet, während man den musikalisch untermalten Zeitlupe konsequent treu bleibt. Die legendäre "Freebird" - Szene beweist alleine schon, dass Zombie zurecht an diesem Stilmittel hängt. 

Nicht nur Zombie, sondern auch der Hauptcast aus Ehegatten Sheri Moon, Bill Moseley und Sid Haig übertrifft sich hier selbst mit Leichtigkeit. Aber auch William Forsythe als Wydell feiert hier einen Instand ins zombie'sche Filmuniversum, der sich gewaschen hat - was in der sengenden Südstaatensonne nicht allzu lange anhält. 

In Neben - bis Wegwerfrollen darf man sich auf Ken Forree, Pornosternchen Ginger Lynn, Deborah Valkynburgh und Michael Berryman freuen sowie besagtes oben erwähntes Killerduo aus Wrestler Diamond Dallas Page und Kultakteur Danny Trejo.

Ohne den Vorgänger schlechter machen zu wollen ist der zweite Teil um die Killerfamilie und ihren Harlekinspatriarchen eine deutliche Verbesserung mit einer interessantere Handlung und einem stärkeren Cast. Dass Zombie sich hier von der Vorgehensweise seines Erstwerkes entfernt wird auch am Soundtrack deutlich, der erstmals keine Eigenkompositionen enthält: schamlose Eigenwerbung ist nun nicht mehr länger nötig. Die gegenseitige Hatz zwischen Killern und Cops packt mich seit Jahren immer wieder und das oben angeteaserte Ende treibt mir auch nach dem hundertsten Male Tränen in die Augen. 

 In Sachen Familienzusammenhslt ist der Film pädagogisch geradezu wertvoll - davon ausgehend, dass der entsprechende Pädagoge eine derbe Schrammen am Kappes hat. Aber mal Spaß bei Seite: jeder, der sich vom Starstatus seines Regisseurs nicht einlullen lässt sollte einen Blick auf den Film riskieren, was im Zweifelsfall auch ohne Vorwissen um Teil 1 möglich ist. Statt Antidepressiva bieten sich hier als Naschwerk Whiskey und Eis an. Im speziellen Ficky-fucky-Fruchteis. 

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